Raabs Witze über Ofarim: RTL im Antisemitismus-Dschungel

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Am Abend des 27. Januar hatte RTL etwas Besonderes im Programm. Der Unterhalter Stefan Raab steuerte in seiner Sendung einen Beitrag zum Internatio­nalen Holocaust-Gedenktag bei, in Form vermeintlich witziger Bemerkungen über den Sänger Gil Ofarim.

Der nimmt zurzeit an der Dschungelshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ teil und sieht sich seit Beginn des verfilmten Promicampens Anfeindungen ausgesetzt. Die rühren daher, dass er Anfang Oktober 2021 einen Skandal entfachte, indem er behauptete, er sei von dem Angestellten eines Leipziger Hotels antisemitisch angefeindet worden. Das schilderte er in einem emotionalen Video, das er online veröffentlichte. Es stellte sich jedoch heraus, dass Ofarim den Vorfall erfunden hatte. Vor Gericht räumte er im November 2023 ein, dass seine Vorwürfe nicht zuträfen, er entschuldigte sich, zahlte eine Geldbuße von 10.000 Euro, das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Die Angelegenheit hängt ihm seither nach; wie sehr, konnte man schon erkennen, als RTL ihn für die Dschungelshow nominierte, in der seine Lügengeschichte Dauerthema ist. Das auf Pointe zu drehen, ist nicht ganz einfach. Für Stefan Raabs unterkomplexen Witzzirkus war die selbstgestellte Aufgabe zu anspruchsvoll.

 Stefan Raab.Mit flachen und witzlosen „Witzen“ kennt er sich aus: Stefan Raab.dpa

Er ließ einen Einspieler auflegen, in dem es hieß, „das musikalische Talent“ habe Gil Ofarim „von seinem Vater Abi Ofarim, der in Wirklichkeit kein Abi hatte. Das bringt uns zum Betrüger-Gen von Gil, das er seinem Onkel Samuel zu verdanken hat.“ Weiter hieß es: „Und trotz des großen Skandals ist er natürlich ein Ausnahmetalent, das vor allem in der jüdischen Gemeinde einen Hit nach dem anderen landet.“ Zu sehen war jemand, der an einem Marktstand Obst stiehlt, nebst wild tanzenden jüdischen Orthodoxen.

Mit dem erfundenen „Onkel Samuel“ liegt Raab schwer daneben

Dass er mit dem erfundenen „Onkel Samuel“ antisemitische Stereotype bedient, scheint Raab nicht bewusst gewesen zu sein. RTL ist der vermeintliche Witz, auf den unter anderem die „Jüdische Allgemeine“ aufmerksam machte, aber wohl nicht ganz geheuer. „Wir nehmen die Kritik an dem Einspieler über Gil Ofarim in der ,Stefan Raab Show‘-Spezialausgabe vom 27. Januar sehr ernst und ordnen ihn klar ein“, teilt der Sender auf Anfrage mit. Der Beitrag habe sich „mit der Person Gil Ofarim und seinem öffentlichen Auftreten im Kontext der bekannten Betrugsvorwürfe“ auseinandergesetzt, „insbesondere mit der von ihm selbst erhobenen und später widerlegten Behauptung eines antisemitischen Vorfalls. Anlass für die humoristisch überspitzte Befassung mit seiner Person war ausschließlich dieses Verhalten und die mediale Inszenierung der eigenen Person.“

In der Sendung von Raab seien „alle Dschungelcamp-Teilnehmenden dem Zuschauer satirisch nähergebracht“ worden; hierzu seien „bewusst überzeichnete, fiktionale und teils absurde Bilder und Geschichten zum Einsatz“ gekommen. RTL weise „jede Form von Antisemitismus entschieden zurück“. Zugleich sehe man „ein, dass der Einspieler zu Missverständnissen führen konnte“. Vor diesem Hintergrund nehme man „den Beitrag offline“ und werde „künftige Inhalte noch sensibler daraufhin prüfen, welche Deutungen sie ermöglichen“.

Das Dschungelcamp mit Gil Ofarim läuft derweil weiter – auf Hochtouren, wie RTL stolz meldet. „Dschungel dominiert den Dienstag“ ist die jüngste Aussendung zu dem quotenstarken Peinlichkeitsreigen überschrieben. Die „mediale Inszenierung“ setzt sich fort.

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