Mit Kritik an den ICE-Razzien im Land haben Künstler wie Bad Bunny die Grammys in diesem Jahr politisch aufgeladen. Der Rapper holte den Preis für das "Album des Jahres".
Aktualisiert am 2. Februar 2026, 8:17 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, AP, sbo , jse , lgi
Mit ungewohnt klarer Kritik mehrerer Künstler an der US-Einwanderungsbehörde ICE ist die Verleihung der Grammys in diesem Jahr sehr politisch verlaufen. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler verurteilten die gewaltsamen ICE-Razzien und kritisierten die Politik und Rhetorik von US-Präsident Donald Trump auf offener Bühne.
Der aus Puerto Rico stammende Rapper Bad Bunny holte mit Debí tirar más fotos den Grammy für das beste Album des Jahres und sagte in seiner Dankesrede: "Bevor ich Gott danke, möchte ich sagen: ICE raus!" Er fügte hinzu: "Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen. Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner."
Während seiner Welttournee war Bad Bunny in keiner US-amerikanischen Stadt aufgetreten. Am kommenden Wochenende soll er aber bei der Halbzeitshow des Super Bowl singen. Die Trump-Regierung drohte bereits, ICE-Beamte bei dem Auftritt einzusetzen.
Musikalisch sorgte Bad Bunny für ein Novum: Erstmals wurde ein rein spanischsprachiges Album in der Kategorie ausgezeichnet. Er konnte sich gegen den US-Rapper Kendrick Lamar und die US-Sängerin Lady Gaga durchsetzen. Debí tirar más fotos zelebriert die traditionellen Rhythmen Puerto Ricos und thematisiert die Kolonisierung der Karibikinsel, die seit 1898 unter US-Hoheit steht.
Anstecknadeln und Protestbuttons gegen ICE
Auch Sängerin Billie Eilish, die für Wildflower für den Song des Jahres ausgezeichnet wurde, sprach sich in ihrer Dankesrede gegen die Abschiebepolitik der US-Regierung aus. "Niemand ist illegal auf gestohlenem Land", sagte sie. "Fuck ICE" – dies sei alles, was sie zu sagen habe.
Die Musikerin Carole King trug auf der Bühne einen Button mit der Aufschrift "ICE Out". Auch andere Gäste hatten Anstecknadeln mit Protestbotschaften gegen ICE an ihrer Kleidung, darunter die Musiker und Musikerinnen Kehlani, Amy Allen, Jason Isbell, Margo Price und Rhiannon Giddens.
Auch die R&B-Künstlerin Kehlani und Justin Vernon von der Band Bon Iver sprachen sich offen gegen die US-Abschiebepolitik aus. Vernon sagte im Interview mit der Nachrichtenagentur AP, er habe eine Trillerpfeife getragen, um Aktivisten und Beobachter zu ehren, die das Verhalten der Bundesbeamten auf den Straßen dokumentieren.
US-Präsident Trump reagierte online auf die Kritik und nannte die Grammy-Gala "Müll" und "praktisch nicht anschaubar". Den südafrikanischen Comedian Trevor Noah, der die Gala zum sechsten und letzten Mal moderiert hatte, bezeichnete Trump als "totalen Verlierer". Zudem drohte er ihm mit einer Klage. Noah hatte bei der Gala gespottet, dass Trump Grönland haben wolle, weil die Privatinsel von Jeffrey Epstein nicht mehr verfügbar sei. "Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen", sagte Noah. Trump schrieb, er sei aber nie auf der Privatinsel von Epstein gewesen. Deswegen werde er Noah verklagen.
Kendrick Lamar gewinnt in der Kategorie bestes Rapalbum
Der wichtigste Musikpreis der Welt ging unter anderem in der Kategorie Beste Dance-Pop-Aufnahme an Lady Gaga für ihren Elektropop-Hit Abracadabra. Kendrick Lamar gewann mit seinem Album GNX den Preis für das beste Rapalbum. Der US-Rapper wurde zudem für die Aufnahme des Jahres ausgezeichnet. Er gewann den Musikpreis gemeinsam mit Sängerin SZA für Luther.
Erstmals in der Geschichte der Grammys wurde außerdem ein K-Pop-Song ausgezeichnet. Der Song Golden aus dem Netflix-Erfolgsfilm KPop Demon Hunters bekam die Ehrung als bester für visuelle Medien geschriebener Song, wie die Veranstalter mitteilten.
Olivia Dean ist beste Neue Künstlerin
Für seinen Song EoO erhielt Bad Bunny außerdem den Preis für die beste Darbietung globaler Musik. Der Preis für die beste Neue Künstlerin ging an die britische Sängerin Olivia Dean.
Der Dalai Lama gewann einen Grammy für seine Erzählstimme. Er setzte sich mit dem Hörbuch Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama durch. Der Dalai Lama selbst war nicht anwesend, um die Auszeichnung in Los Angeles entgegenzunehmen.
Die Grammys gehören zu den begehrtesten Musikpreisen der Welt und wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen. Rund 13.000 Mitglieder der Recording Academy entscheiden über die Preisträger.

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