Trump sei Dank: Die Komponistin Olga Neuwirth und die Schriftstellerin Elfriede Jelinek haben eine neue Oper zubereitet. "Monster’s Paradise" ist schrill und bitterböse.
2. Februar 2026 DIE ZEIT Nr. 6/2026
Was für ein Finale! Zum Lachen und Weinen schön. Zum Schreien kitschig. Poetisch, rührselig, rätselhaft. Romantische Kammermusik auf der zeitgenössischen Opernbühne? Man möchte sich die Ohren zustopfen und sie gleichzeitig sperrangelweit aufsperren. Nur um die Pianistin Elisabeth Leonskaja Schubert spielen zu hören, vierhändig an der Seite ihrer Kollegin Alexandra Stychkina, den Beginn seiner f-Moll Fantasie, der mit seinen Punktierungen auf so gespenstische Weise an eine Totenglocke erinnert. Olga Neuwirth, die Komponistin des Opernfinales, überträgt die Fantasie auf ein so kunstreich präpariertes wie krass verstimmtes Klavier. Verbeult klingt das, verhauen, wie unter einer riesigen Schuttlawine begraben. Den passenden Schuttlawinensound liefert das Orchester, mit kakophonischem Poltern und Wabern. Schubert bleibt trotzdem immer hörbar. Denn offenbar ist es gar nicht so leicht, große Musik aus dem Menschheitsgedächtnis zu tilgen, nur weil ein paar hirnlose, machtlüsterne, kriegsgeile Idioten gerade behaupten, in der Welt das Sagen zu haben.

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