KI-Firma setzt Prämie aus: Luma AI lockt mit Millionenprämie für Cannes-Gold

vor 2 Stunden 1

Mit drei Werbevideos ruft die KI-Firma Luma AI auf ihrer Website zur Teilnahme am „Cannes Lions International Festival of Creativity“ auf, dem weltweit führenden Wettbewerb der Werbebranche. Der Köder ist beträchtlich: Wer mit einem Spot, der zu mindestens 70 Prozent mit Lumas KI erstellt wurde, in Cannes Gold gewinnt, erhält eine Million Dollar Prämie.

Das Unternehmen fungiert selbst als Auftraggeber: Die Filme müssen für eine fiktive Luma-Marke werben – etwa für „Luma Candy“, „Luma Insurance“ oder „L’Atelier de Luma“. Damit umgeht Luma das Problem der „Fake-Ads“, da die Firma als realer Kunde hinter dem Projekt steht, um die strengen Zulassungskriterien des Cannes-Festivals zu erfüllen.

Die Gestaltung der Beiträge muss strenge Vorgaben erfüllen. Prominente oder lizenzierte Musik darf nicht vorkommen. Jedoch behalten die Teilnehmer wenigstens die Urheberrechte an ihren KI-Kreationen. Aus den Einsendungen, die bis zum 22. März eingehen, wählt Luma AI zehn bis 30 Beiträge aus und finanziert deren offizielle Mediaschaltung.

Entwickler Amit Jain will die Filmbranche demokratisieren

Hinter der Marketing-Offensive steckt ein Kalkül, das über die Werbebranche hinausreicht. Wie der Gründer und CEO von Luma AI, der ehemalige Apple-Entwickler Amit Jain, im Gespräch mit der F.A.Z. (7. Januar) sagte, sind derlei Videos nur die „erste Stufe“ eines Projekts, das er als „multimodale Intelligenz“ beschreibt. Während gängige Sprachmodelle Texte verarbeiteten, soll Lumas KI die Welt „sehen, verstehen und in ihr handeln“ können.

Das Ziel ist nichts Geringeres als ein „Roboter-Gehirn“ – eine Allgemeine Künstliche Intelligenz (AGI), die menschliche Fähigkeiten in der physischen Welt abbilden und übertreffen soll. Das Medium Video ist hierbei ein entscheidendes Werkzeug: Im „Training“ mit Bewegtbildern verarbeitet die Maschine ästhetische Entwürfe, physikalische Gesetze und Formen menschlichen Verhaltens. Luma setzt dabei das Modell Ray3 ein, das als weltweit erstes „Video-Reasoning-Modell“ angepriesen wird.

Jain sieht darin einen Schlüssel zur „Demokratisierung“ des Filmemachens: Wo früher Budgets von 100 Millionen Dollar nötig waren, seien künftig kleine Teams von 30 bis 50 Personen am Werk. Dabei bleibe das Geschichtenerzählen eine „zutiefst menschliche Fähigkeit“; die KI fungiere als Werkzeug, senke Produktionskosten drastisch und ermögliche, Geschichten jenseits der Hollywood-Klischees zu erzählen, wie Jain meint.

Die Dimension des Vorhabens zeigt sich in der Infrastruktur: Unterstützt von Schwergewichten wie NVIDIA, Amazon und Andreessen Horowitz, verfügt Luma AI über ein Kapital von 1,4 Milliarden Dollar. Ein Teil der Ressourcen fließt in einen gewaltigen Zwei-Gigawatt-Rechencluster in Saudi-Arabien – eine Energiekapazität, die etwa zwei großen Kernreaktoren entspricht. Im globalen Wettlauf um die „High-End-Video-Intelligenz“ sieht Jain weltweit nur eine Handvoll ernst zu nehmender Konkurrenten wie Google und OpenAI.

Der „Dream Brief“ fordert zum prestigeträchtigen Test auf: Schafft man es mit KI, die Jury des Cannes-Festivals, die Kreativität auszeichnet, zu überzeugen? Das Budget, mit dem eine KI-Firma wie Luma AI winkt, ist gewaltig. Es zeigt, wie der KI-Turbokapitalismus funktioniert. Er könnte nicht nur die Werbefilmer verschlingen.

Gesamten Artikel lesen