Vor dem Hintergrund eines geplanten Amnestiegesetzes ist ein bekannter Aktivist nach vier Jahren Haft freigekommen. 700 politische Gefangene sind weiterhin im Gefängnis.
1. Februar 2026, 23:57 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa, Reuters, sbo
Der venezolanische Menschenrechtsaktivist Javier Tarazona ist nach Angaben der Rechtshilfeorganisation Foro Penal an diesem Sonntag aus der Haft entlassen worden. Der Direktor der Nichtregierungsorganisation FundaRedes war im Juli 2021 festgenommen und wegen Terrorismus und Verschwörung angeklagt worden.
Seine Freilassung erfolgt vor dem Hintergrund eines geplanten Amnestiegesetzes, das Interimspräsidentin Delcy Rodríguez am Freitag für Hunderte Gefangene angekündigt hatte. Neben Tarazona wurden mindestens acht weitere Venezolaner entlassen.
"Nach 1675 Tagen, vier Jahren und sieben Monaten, ist der Tag gekommen, den wir uns so sehr gewünscht haben: Mein Bruder Javier Tarazona ist frei", schrieb Jose Rafael Tarazona auf der Plattform X.
700 politische Gefangene weiterhin in Haft
Foro Penal zufolge wurden seit dem 8. Januar mehr als 300 politische Gefangene freigelassen. Den Angaben der Rechtshilfeorganisation zufolge befinden sich weiterhin mehr als 700 politische Gefangene in Haft.
Rodríguez kündigte zudem an, das berüchtigte Gefängnis El Helicoide in der Hauptstadt Caracas schließen zu lassen. Der Opposition in Venezuela und Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden Gefangene dort unter dem früheren Machthaber Nicolás Maduro gefoltert. Auch der nun freigelassene Tarazona saß in diesem Gefängnis ein.
Der von US-Spezialkräften im Januar aus Venezuela entführte Maduro ist in New York inhaftiert, ihm soll dort wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden. US-Präsident Donald Trump hatte Rodríguez mit einem ähnlichen Umgang gedroht, sollte sie nicht mit der US-Regierung kooperieren. Ihre Regierung will auf Druck aus den USA unter anderem den Ölsektor des Landes für ausländische Investoren öffnen.
Machado hält Übergang in Venezuela für "unaufhaltsam"
Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hält einen politischen Übergang in Venezuela weg von den verbliebenen Machtstrukturen von Maduro für unausweichlich. "Am Ende werden sie verstehen, vielleicht sogar sehr bald, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt zu akzeptieren, dass dieser Übergang unaufhaltsam ist", sagte Machado im Interview der CBS-Sendung Face the Nation.
Machado verwies darauf, dass jüngste Veränderungen unter der geschäftsführenden Präsidentin Rodríguez auf externen Druck zurückgingen. "Alles, was Delcy Rodríguez derzeit tut, geschieht, weil sie Anweisungen befolgt, die sie aus den Vereinigten Staaten erhält." Würde dieser Druck weggenommen, "würde sie sofort umkehren und dorthin zurückgehen, wo ihre Loyalität liegt", sagte Machado.

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