„Hier war ich wieder im großartigen Paris, wo ich, da ich nicht mehr auf meine Heimat zählen konnte, mein Glück machen musste. Ich musste denjenigen meine Aufwartung machen, bei denen die blinde Göttin wohnte. Ich sah, dass ich, um Erfolg zu haben, alle meine körperlichen und sittlichen Fähigkeiten einsetzen, die Großen und Mächtigen kennenlernen, meinen Geist beherrschen und die Farbe all jener annehmen musste, denen ich zu meinem Vorteil zu gefallen hatte.“ Wir befinden uns im Januar 1757, und wer da wie ein Eroberer auf Paris schaut, ist nicht Balzacs Romanheld Eugène de Rastignac, sondern Casanova, der gerade den Bleikammern entkommen war, den berüchtigten Gefängnissen von Venedig. Fortuna, die besagte blinde Göttin, nimmt er gleich mehrfach in Anspruch: Casanovas erster Plan, mit dem er diverse Minister bezaubert, ist eine königliche Lotterie, um die Militärschule zu finanzieren – ein konsequentes Projekt seitens eines Glücksritters, eine Verlängerung seines Lebensprinzips.