Zusammen erzielten sie in den ersten drei Pflichtspielen neun der elf Bayern-Tore. Beide können Spiele entscheiden, beide heben sich aufgrund ihrer Fähigkeiten vom Rest ab. Harry Kane und Michael Olise sind das Münchner Superduo - auch, weil sie keine Egoisten sind.

Unterschiedsspieler: Harry Kane (li.) und Michael Olise. Getty Images
Jamal Musiala ist verletzt, seine Rückkehr ist aktuell schwer zu prognostizieren. Florian Wirtz dribbelt in Liverpool. Kingsley Coman ist weg. Thomas Müller und Leroy Sané auch. Der Mehr-als-70-Millionen-Euro-Neuzugang Luis Diaz kam mit zwei Toren in den ersten beiden Partien, im Supercup und beim Ligaauftakt, gut rein, war nun beim DFB-Pokal-Auftakt gegen Drittligist Wehen Wiesbaden aber kein Faktor, viel mehr verdribbelte er sich und vergab mehrere beste Gelegenheiten. Serge Gnabry kam erst nach 67 Minuten für Youngster Lennart Karl.
Gut für die Bayern und Trainer Vincent Kompany, dass sie noch Michael Olise und Harry Kane haben. Das Münchner Superduo. Nicht auszudenken, wenn einer der beiden mal fehlen sollte. Sie sind, und das zeigt bereits dieser frühe Saisonzeitpunkt, diejenigen, die - offensiv - den Unterschied machen. Neun der elf Bayern-Tore in diesen ersten drei Pflichtspielen erzielten Kane (6) und Olise (3). "Ich erwarte schon, dass er noch besser wird, ich erwarte schon, dass er noch Schritte macht", sagte Trainer Vincent Kompany am Dienstag über Olise: "Ich sehe in Michael totale Ruhe, er ist sehr souverän. Er kommt öfter zu uns zum Reden, weil er noch besser werden möchte."
Schon Ex-Chefscout Pilawa hat Olise beobachtet
Der 23-Jährige, von Ex-Chefscout Markus Pilawa schon vor Jahren beobachtet und vergangene Saison von Crystal Palace gekommen, hat sich in kürzester Zeit beim FC Bayern integriert, er fand direkt zu seinem Spiel, musste in München zudem bislang keine Verletzungen verdauen. Auf ihn ist Verlass - genauso wie auf den 32-jährigen Kane. Mit welcher Selbstverständlichkeit die bayerische Nummer 9 die Tore erzielt, die Präzision im Abschluss und ganz besonders der erste Kontakt - das ist höchste Abschlussqualität mit einer enormen Konstanz.
Dass Kane und Olise - die Gerüchte verhärten sich, um es vorsichtig zu beschreiben - eine Ausstiegsklausel haben sollen, die beide 2026, so heißt es, ziehen könnten, macht die Planung mit dem Duo gewiss nicht einfacher. Doch das ist Zukunftsmusik. Im Hier und Jetzt darf sich der FC Bayern, auch wenn gegen Wiesbaden gerade noch so eine Blamage abgewandt wurde, an den Künsten der beiden erfreuen. Ob im Zusammenspiel oder jeder für sich - die beiden gebürtigen Engländer sind das Duo, das die Fans in den Stadien unterhält, das das gewisse Extra bietet, das sich aufgrund seiner Fähigkeiten abhebt.
Olise und Kane heben sich auch oder gerade wegen der kleinen Dinge ab
Es sind nicht nur die großen Dinge, also die wichtigen Tore, der clevere Assist oder der schöne Steckpass. Es fängt bei den Kleinigkeiten an. Bei der Ballannahme und -mitnahme; bei der Raumdeutung, um im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein; bei der Entscheidungsfindung, wann es besser ist, ins Dribbling zu gehen oder abzuspielen - dafür braucht es Situationsverständnis und Fußball-IQ. Darüber hinaus kann weder Olise noch Kane Egoismus unterstellt werden. Und doch haben sie im richtigen Moment die nötige Abgezocktheit.
Die Bayern können nur hoffen, so sagte es auch Sportdirektor Christoph Freund über Olise, "dass er sehr, sehr lange beim FC Bayern ist, weil er ein außergewöhnlicher Fußballer ist". Gleiches gilt natürlich für Kane.
Georg Holzner