Die Suche läuft, doch langsam drängt die Zeit. Die Münchner prüfen mehrere Optionen. Nicolas Jackson vom FC Chelsea ist ein Kandidat, der heißeste momentan. Obwohl die Verantwortlichen sich in ihren Aussagen etwas widersprachen.

Im Bayern-Visier: Nicolas Jackson. IMAGO/Icon Sportswire
Die letzten Tage dieser Transferperiode laufen. Der FC Bayern braucht noch einen neuen Spieler (eher zwei) für die Offensive - mit der Vorgabe von Ehrenpräsident Uli Hoeneß, dass dieser ausgeliehen werden soll. Sportvorstand Max Eberl machte kein Geheimnis daraus, dass er mit diesem Arbeitsauftrag nicht sonderlich zufrieden und es kein einfaches Unterfangen sei.
Der 51-Jährige versuchte jüngst erneut, nachdem er schon im Winter sein Interesse bekundet hatte, Christopher Nkunku vom FC Chelsea zu verpflichten. Doch wie schon vor rund acht Monaten wird daraus nichts. Der Offensivallrounder, zu dessen Management um Berater Pini Zahavi Bayerns Sportvorstand seit den Verhandlungen um Jonathan Tah und Leroy Sané einen engen Austausch pflegt, steht unmittelbar vor einem Wechsel zur AC Milan.
Widerspruch der bayerischen Sportbosse
Die Londoner wollen mit Nkunku Einnahmen generieren, eine Leihe soll für die Blues keine Option gewesen sein. Unabhängig davon aber gab es ohnehin Vorbehalte beim FC Bayern gegenüber Nkunku - selbst, wenn eine Leihe möglich gewesen wäre, wäre der Deal nicht automatisch auf volle Zustimmung gestoßen. Weshalb jetzt Nicolas Jackson, ebenfalls vom FC Chelsea, per Leihe nach München kommen und die aktuell dünne Offensive des Rekordmeisters ergänzen soll.
Spannend dabei ist, dass sich Sportvorstand Eberl und Sportdirektor Christoph Freund binnen fünf Tagen widersprachen. Hatte Eberl Jackson am Freitag nach dem Bundesliga-Auftakt gegen Leipzig (6:0) noch als mögliches Transferziel ausgeschlossen ("Der ist raus aus der Nummer - wir schauen mal, was auf dem Markt passiert"), sagte Freund am Dienstag: "Ich schließe gar nichts aus."
Langsam drängt die Zeit
Nun sollen sich die (drei) Parteien weiter angenähert haben. Und Eberl ruderte am Mittwoch vor dem Pokalspiel in Wiesbaden zurück: "Wenn ich seine Vita lese, dann kann er das." Er, also Jackson, könne das, was Bayern sucht. Was jetzt? Er passe, aber sei "raus aus der Nummer"? Oder er passe und sei deshalb nicht mehr "raus aus der Nummer"? Spätestens am Montag dürfte Gewissheit herrschen, ob Jackson nun zum FC Bayern kommt oder nicht.
Da Florian Wirtz nicht kam, Nico Williams, Jamie Gittens und Xavi Simons ebenso wenig wie Nick Woltemade, und zwischendurch noch Kingsley Coman (etwas überraschend) verkauft wurde, stehen die Münchner auf der Zielgeraden dieses Transfersommers etwas unter Druck. Und das, obwohl Ehrenpräsident Hoeneß einst sagte, dass der Kader im Idealfall Anfang August weitgehend stehen solle: "Von Ausnahmefällen abgesehen, sollten wir in Zukunft am letzten Transfertag nicht mehr mitten im Geschehen sein. Früher haben wir über diesen Deadline Day gelacht."
Nach all den Vorkommnissen in dieser Transferphase - Thomas Müller weg, Leroy Sané ebenfalls, nachdem Bayern doch verlängern wollte, und all den Absagen sowie dem Coman-Verkauf - handelt es sich wohl in diesem Jahr mal wieder um so einen von Hoeneß einst angesprochenen Ausnahmefall.
Georg Holzner