Die Wehrpflicht für alle widerspricht der Kriegslogik.
Aus der ZEIT Nr. 14/2025 Aktualisiert am 2. April 2025, 19:46 Uhr
Krieg ist wie Zeitreise, nur dümmer. Auf einmal gelten andere Regeln. Was eben noch tabu war (Menschen töten; Teenager bewaffnen; Söhne zwingen, für die Eltern zu sterben), ist plötzlich Pflicht. Irgendwie geht es um die Verteidigung der Gegenwart, um unser freiheitlich-demokratisches Wertesystem. Wir sagen "Freiheit" und "Sicherheit", aber ein bisschen meinen wir "Nation", "Blut" und "Boden". Nach Afghanistan gingen deutsche Soldaten damals, weil am Hindukusch unsere Sicherheit verteidigt wurde. Dass ihnen die afghanische Freiheit ziemlich egal ist, bewiesen sie, als sie das Land den Taliban überließen. Es geht der Bundeswehr um Deutschland. Man kann das richtig finden, irgendwer muss die deutsche Bevölkerung (Blut) und die Grenzen (Boden) ja verteidigen. Irgendwer muss sich darum kümmern, dass wir nicht in einem großrussischen Imperium aufwachen. Deshalb gibt es die Bundeswehr. Und weil die Soldaten braucht, gibt es vielleicht bald wieder die Wehrpflicht. Weil wir freiheitlich-demokratisch beschließen, dass es im Ernstfall richtig ist, dass deutsche Söhne sterben, damit Deutschland leben kann.