Was bringt die Sommerzeit bisher? Für die Jahreszeit zu kühl

vor 2 Tage 1

Seit Tagen ist nun wieder Sommerzeit, aber so richtig nach vorne gebracht hat sie uns bisher nicht. Kommt vielleicht noch. Zwar hält sich der Wetterbericht mit der Einschätzung „für die Jahreszeit zu kalt“ zurück; aber wenn das so weitergeht mit den stur im einstelligen Bereich verharrenden Temperaturen, dann kann man die Zeit genauso gut wieder zurückstellen. Bringt ja nichts. Doch was soll sie überhaupt „bringen“? Dass sie eingeführt wurde, damit wir abends länger draußen sitzen könnten, ist eine menschlich begreifliche Annahme, aber trotzdem falsch. Das ist nur ein Nebeneffekt, so erfreulich er auch sein mag.

Es ist die Wirtschaft, Dummerchen

Wie bei allem, was so getan oder unterlassen wird, ist es letztlich „the economy“ (Dummerchen!). Es geht ums Stromsparen, für das die mit der Zeitverschiebung ja automatisch verbundene Verlegung der Dunkelheit um ebenfalls eine Stunde immerhin sorgt, um dann freilich schon am nächsten Morgen von den Frühaufstehern, die ja auch nicht im Dunkeln tappen sollen, wieder aufgefressen zu werden. Womöglich liegt hier der tiefere, wenn auch wohl kaum intendierte Sinn der gerade so wenig zufriedenstellenden Witterung: den Leuten, egal, ob sie sich nun in- oder outdoor am wohlsten fühlen, in Erinnerung zu rufen, dass die Sommer- mit der Jahreszeit nur bedingt etwas zu tun hat und jedenfalls nicht dazu da ist, ihnen die Freizeit angenehmer zu machen.

Im Grunde handelt es sich bei ihr nämlich um einen amtlichen Begriff, der nur die Dauer der Gültigkeit der Zeit-, nicht zwingend auch eine Wetterumstellung bezeichnet, denn das Wetter macht, auch wenn wir es von Datumsgrenzen noch so fest eingehegt wähnen, was es will. Aber außer Rand und Band ist es nun auch wieder nicht; es könnte nur etwas wärmer sein. Natürlich, in die Sommerzeit fällt auch der Sommer. Es wäre geradezu verrückt, das zu bestreiten. Doch mit „Sommer“ ist, wiederum genauer genommen, zunächst auch nur die Dauer der Gültigkeit der mit ihm bezeichneten Jahreszeit gemeint, gewissermaßen noch unabhängig von deren Inhalt, dem Wetter.

Das Leben, so leicht

Das mögen für jene, die, von der Zeitumstellung dazu ermuntert, schon fröhlich Gershwin vor sich hin pfeifen („Summertime, and the livin’ is easy“), recht nüchterne Erörterungen sein. Aber solange das Thermometer keine nennenswerten Anstrengungen unternimmt zu steigen, beißt da auch ein Wetterfrosch keinen Faden ab. Auch wir würden gerne mal wieder draußen sitzen und das Leben ein wenig leichter nehmen. Aber unter einem dieser skandalösen Heizpilze, die mancherorts vernünftigerweise verboten sind, kommt das nicht in Frage. Drinnen heizen ist schon schlimm genug.

Die Ungeduld wächst jedenfalls. Der nächste Monat ist schließlich schon der Mai. Danach geht dann alles ganz schnell, die Tage werden, völlig unabhängig von den Temperaturen, wieder kürzer, Ende Oktober ist dann auch mit der Sommerzeit Schluss, das bedeutet eine Stunde länger schlafen, die Adventszeit rast, wie jede Zeit, auf uns zu und uns davon. Irgendwann ist dann, für jeden von uns, zum letzten Mal Sommerzeit. Genießen wir sie lieber noch, auch wenn’s kalt ist.

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