TV-Serie „Tage, die es nicht gab“: Einmal Schmäh mit zäh, bitte

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Mit der erinnerten Zeit hat es bekanntlich eine besondere Bewandtnis. Sie läuft nicht chronologisch, sie springt in Assoziationen, legt Ereignisse in eins, nimmt auseinander, was hätte sein können und was tatsächlich war, erfindet, verschweigt.

Wem das schon prätentiös vorkommt, der wird an der Fortsetzung der österreichischen Hochglanzserie „Tage, die es nicht gab“ vermutlich kaum Freude haben. Zwar gibt es eine Kriminalhandlung, es passiert ein Mord, die Ermittler stoßen auf Lebenslügen, Geheimnisse und Verbrechen im Dutzend billiger. Doch begnügen sich Mischa Zickler (Drehbuch), Anna-Katharina Maier und Mirjam Unger (Regie) nicht mit einer linearen Dramaturgie. Sie erzählen die Geschichten ihrer vier Hauptfiguren als Spiel mit der Zeit (Schnitt Manuel Reidinger und Benedikt Rubey). Zwei der Figuren besprechen es direkt, damit wir Zuschauer es uns merken. Erinnerungen, das sind, jedenfalls im Hinblick auf unmoralische Vorgänge, „Tage, die es nicht gab“.

Hauptsache, es gibt Kuchen!

Wie in der 2023 ausgestrahlten ersten Staffel braucht es acht Folgen, um ansatzweise Licht in die Vorgänge im (fiktiven) Zollberg, Salzburgs reichster Gemeinde, zu bringen. In Staffel eins war der Tod des sadistischen Schuldirektors Paulitz (Harald Krassnitzer) Dreh- und Angelpunkt aller Aktionen, mit denen vom Leben der Wohlhabenden und Schuldigen in Zollberg erzählt wurde. In der zweiten Staffel ist es der Mord an der Schülerin Emily (Paulina Hrobatschk), der die eigentlich pensionierte, mit Vorliebe Kuchen essende Majorin Elfriede Grünberger (Sissy Höferer) und den zum Bezirksinspektor beförderten Kollegen Lukas Leodolter (Tobias Resch) auf den Plan ruft. Wobei Grünbergers klischeeerhellender Witz und Leodolters schmähresistentes Ermitteln sich ­ergänzen und mit Abstand das Sehenswerte sind in Abläufen, die sich in Besuchen und Gegenbesuchen, (Selbst-)Anklagen und Seelenbohrungen verlieren und in Nebenhandlungssträngen, die für sich schon ein prima Drama abgegeben hätten.

Zum Teil wird horizontal erzählt. Vom Sophianum, dem AufsteigerGymnasium, geht wieder allerhand Schulung in Unmoral aus. Wieder wird erklärt, wie Miriam (Franziska Weisz), Doris (Diana Amft), Inès (Jasmin Gerat) und Christiane (Franziska Hackl) damals auf der Schule ihren Freundinnenbund fürs Leben schlossen, um „zu überleben“.

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In der ersten Staffel stürzte sich Christianes Sohn aus dem Fenster des Sophianums, nun hat sie ein neues Kind, das die Schriftstellerin passenderweise Novella genannt hat. Eigentlich wollte sie aus Zollberg wegziehen, um dem Filz und der Fadheit zu entfliehen, ist mit ihrem Mann Filip (Stefan Pohl) aber immer noch da und beobachtet täglich, wer bei Inès und Etienne (Wanja Mues) ein- und ausgeht. Wer weder kommt noch geht, ist deren verstoßener Sohn, der drogenabhängige Olivier (Etienne Halsdorf).

Staatsanwältin Miriam wehrt derweil die Annäherungsversuche ihres manipulativen Ex-Manns Joachim (Andreas Lust) ab und hat mit dem Fitnesstrainer Arvid (Mads Hjulman) eine „unkomplizierte Bett-Beziehung“. Bleibt Doris, die nicht mehr in der Spedition ihrer herrschsüchtigen Mutter (Jutta Speidel) arbeitet, sondern nun Geschäftsführerin eines Unternehmens ist, das den Zollbergern buchstäblich das Wasser abgräbt. Ihr Gatte, der TV-Starkoch Sebastian (Rick Kavanian), wird im Lauf der Staffel wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs vor Gericht erscheinen müssen.

Fast alle Männer standen in meistenteils zweifelhafter Verbindung zur kecken Emily, die im Zimmer von Doris’ Tochter Sarah (Niobe Eckert) tot aufgefunden wird, alle Frauen hatten sie zu fürchten. Während Doris’ Mutter ungerührt in ihrem Schlösschen thront, verlieren in den Villen rundherum alle die Nerven und vielleicht die Existenz. Bis der Mörder gefunden ist. Wer meint, es sei stets kurzweilig, den Reichen und Mächtigen beim Fallen zuzusehen, wird hier eines Besseren belehrt.

Staffel zwei von Tage, die es nicht gab startet am Mittwoch um 20.15 Uhr mit zwei Folgen und steht in der ARD-Mediathek.

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