„The Thursday Murder Club“: Vier Senioren und mehr als ein Todesfall

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Das letzte Mal, dass Helen Mirren als Spionin im Ruhestand zu sehen war, die es abermals mit gefährlichen Finsterlingen aufnimmt, ist fünfzehn Jahre her. Es war in der Comic-Adaption „RED“ – ein amüsanter Seniorenthriller, gut anzusehen nicht zuletzt dank seiner großartigen Besetzung und weil die englische Theater- und Filmschauspielerin darin in Rambo-Manier eine Maschinenpistole schwingen darf.

Es folgten weitere Rollen, in denen Mirren hartgesottene Frauen im Rentenalter spielte – die der Rancherin Cara Dutton in dem „Yellowstone“-Ableger „1923“, wo sie den amerikanischen Actionstar Harrison Ford in den Schatten stellte; oder die der Maeve Harrigan im Krimithriller „Mobland“ um eine Gangsterfamilie in London, deren undurchsichtige Matriarchin Mirren spielte. Diese Rollen unterstrichen die Kapazitäten der Schauspielerin. Umso unverzeihlicher, dass man ihr in „The Thursday Murder Club“ jede Herausforderung versagt.

Der Club nimmt sich einen Cold Case vor

Hier gibt sie eine pensionierte Geheimdienstagentin namens Elizabeth Best, die in der idyllischen Seniorenresidenz Coopers Chase einen Detektivclub leitet – gemeinsam mit dem einstigen Gewerkschaftsaktivisten Ron Ritchie (Pierce Brosnan), dem Psychiater Ibrahim Arif (Ben Kingsley) und der als neuestes Mitglied dazugestoßenen ehemaligen Krankenschwester Joyce Meadowcroft (Celia Imrie). Der Club ist dabei, einen fünfzig Jahre zurückliegenden Frauenmord unter die Lupe zu nehmen, als sich ein neues Verbrechen ereignet. Diesem fällt der Betreiber von Coopers Chase zum Opfer – just als der Club Wind von Plänen bekommt, das weitläufige Anwesen zu verscherbeln, um es durch Luxuswohnungen zu ersetzen.

Um mitermitteln zu können, rekrutieren Elizabeth und ihre Hobbydetektive die gelangweilte junge Polizeibeamtin Donna de Freitas (Naomi Ackie) als ihre Verbündete und bugsieren sie mit einiger Trickserei ins Morddezernat, das von einem unterbelichteten Kriminalkommissar (Daniel Mays) geleitet wird. Während Ritchie Anwohnerproteste gegen den Verkauf von Coopers Chase organisiert, zirkeln die anderen vier Mordverdächtige ein. Dann gibt es einen weiteren Toten.

Auf dem Krimi-Nostalgie-Zug

„The Thursday Murder Club“ versucht ganz offenbar, auf den Krimi-Nostalgie-Zug aufzuspringen, mit dem „Knives Out“ und „The Glass Onion“ oder Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Adaptionen erfolgreich waren. Aber dieses Stück ist fade inszeniert. Und das ist wegen der Superstars, die hier versammelt sind, besonders fahrlässig: Neben den Genannten zählen Jonathan Pryce als Elizabeths an Alzheimer erkrankter Ehemann Stephen und David Tennant als Ian Ventham, Eigner des Lands, auf dem die Residenz steht, zur Besetzung. Chris Columbus („Kevin allein zu Haus“, „Harry Potter“, „The Help“) inszenierte, Steven Spielberg produzierte mit seiner Firma Amblin Entertainment.

DSGVO Platzhalter

Erstaunlicherweise scheinen die Macher (das Drehbuch stammt von Katy Brand und Suzanne Heathcote) mit ihren großen Talenten nichts anzufangen zu wissen, und zwei oder drei gelungene Dialogwitze vermögen ebenso wenig wie die Schauspieler über den eklatanten Inspirationsmangel dieses Films nach den Erfolgskrimis des Engländers Richard Osman hinwegzutäuschen. „The Thursday Murder Club“ kommt ohne jeden zündenden Gedanken aus, ohne Schärfe oder Doppelbödigkeiten und ohne erzählerischen Charme. Es gelingt dem Film nicht einmal, Kapital aus seinem malerischen Schauplatz auf einem alten englischen Landsitz zu schlagen.

Bisweilen meint man, einem KI-konzipierten Stück Unterhaltung beizuwohnen, das den Algorithmen der Streamingplattform entsprungen ist, und dagegen ist auch die ausgesuchte Star-Power dieses zweistündigen Langweilers machtlos.

Helen Mirren, inzwischen 80 Jahre alt, lehnt sich wie immer gut gelaunt in ihre Rolle hinein und wringt, was sie kann, aus dem einfallslosen Drehbuch. Brosnan, 72, spielt eine clowneske Figur mit unscharfen Konturen. Ben Kingsley, 81, ist unterbeschäftigt, und Celia Imrie, 73, muss müde Omi-Stereotypen bedienen. Verdient hat das keiner von ihnen. Auch wenn Fans der Romane Freude an der Besetzung Mirrens haben dürften (die Figuren aus Osmans Story sind Fans der Serie „Prime Suspect“, in der Mirren als kämpferische Mordermittlerin Jane Tennison von 1991 bis 2006 englische TV-Geschichte schrieb), dürften Krimikenner angesichts dieser erzählerisch lahmen Adaption das Gähnen kriegen. „The Thursday Murder Club“ ist gerade mal dazu geeignet, bei einem Tässchen Tee im Ohrensessel einzudösen.

The Thursday Murder Club läuft bei Netflix.

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