Römischer Fund in Wien: Ein Schlachtfeld, voll von jungen Toten

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Ein Schlachtfeld, voll von jungen Toten

02.04.2025, 18:06Lesezeit: 2 Min.

 ein Blick auf die Ausgrabungen bei Wien

Am Stadtrand von Wien wurde ein Massengrab von etwa 150 Soldaten aus der Römerzeit entdeckt. Sie starben vermutlich bei Grenzgefechten am Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus. Kurz darauf entstand das Legionslager Vindobona, der Vorläufer Wiens.

Auf einem Sportplatz am Rande von Wien haben Archäologen ein Massengrab mit den Resten von rund 150 jungen Soldaten aus der Römerzeit entdeckt. Der Fund vom Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus weise auf einen brutalen Kampf an der damaligen Grenze des römischen Reiches hin, erklärten die Forscher. Die Toten stünden vermutlich auch mit der Entstehung Wiens in Zusammenhang.

Die Skelette, die bei Bauarbeiten auf dem Gelände des Sportplatzes zum Vorschein kamen, lagen völlig ungeordnet kreuz und quer übereinander. Untersuchungen ergaben, dass es sich fast ausschließlich um gesunde und groß gewachsene Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren handelte. Ausrüstungsteile wie ein Dolch, ein Helmteil und Schuhnägel wiesen auf die Römerzeit hin.

Die jugendlichen Kämpfer seien „auf grausamste Weise abgeschlachtet“ worden, sagte die Archäologin Michaela Kronberger. Jedes der bislang untersuchten Skelette weise mindestens eine Verletzung auf. Bei einem der Soldaten steckte noch eine Lanzenspitze im Beckenknochen.

Die Spuren römischer Niederlagen an der Nordgrenze

Die Toten könnten Opfer von Gefechten sein, die in der Zeit um 90 nach Christus unter der Herrschaft des flavischen Kaisers Domitian (81 bis 96 nach Christus) in der mittleren Donauregion stattfanden. Damals erlitten die römischen Einheiten an der Nordgrenze des Reiches mehrere Niederlagen. Im Jahr 92 schlugen germanische Stämme im Gebiet von Wien eine ganze Legion vernichtend. Als Reaktion auf die Grenzkämpfe gegen Markomannen und Quaden entstand gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrhundert das Legionslager Vindobona, der Vorläufer des heutigen Wien.

Zuvor hatte es in der Region nur ein Kleinkastell gegeben, in dem eine Ala, eine Reiterkohorte in Stärke von tausend Mann, stationiert war. Das Legionslager im jetzigen Stadtzentrum bot hingegen Platz für sechstausend Soldaten. Im Umkreis des Lagers bildete sich schon bald eine Zivilsiedlung, die in den Wirren der Völkerwanderung allerdings zum größten Teil unterging. Das jetzt gefundene Massengrab im Stadtteil Simmering liegt sieben Kilometer liegt sieben Kilometer von dem Legionslager entfernt.

 die antiken Skelette auf dem SportplatzgeländeKreuz und quer übereinander: die antiken Skelette auf dem Sportplatzgeländedpa

Nach Darstellung der Anthropologin Michaela Binder wurden die Toten auf dem Sportplatzgelände nur notdürftig verscharrt. Dies widerspreche den strengen Vorschriften der Römer, was Bestattungen angehe. Offenbar habe die Beisetzung in großer Eile stattgefunden. Ob sich unter den Toten auch Überreste von germanischen Gegner der Legionäre befänden, sei unklar.

Neben Stücken von Waffen, Nägeln und Fragmenten eines Schuppenpanzers wurde auch ein aufwendig verzierter Dolch mit Scheide gefunden. Die Skelette wiesen zahlreiche Spuren von stumpfer Gewalt, Hieb- und Stichverletzungen auf. Auch Eisenbolzen, die mit einem tragbaren Torsionsgeschütz, einer Balliste, verschossen wurden, kamen bei den Ausgrabungen zum Vorschein. Ballisten gehörten bis etwa 300 nach Christus zur Standardbewaffnung römischer Legionen.

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