Wenn es eines gibt, das man nicht planen kann, dann ist das die Liebe. Das dürfte auch Taylor Swift wissen, die für ihr Leben gern plant, meistens gleich mehrere Jahre im Voraus. Inzwischen ist die Sängerin fast schon berüchtigt dafür, zukünftige Ereignisse durch derartig vertrackte Hinweise anzudeuten, dass sich diese selbst den größten Hobbydetektiven erst in der Rückschau erschließen: Sei es durch Schmuckstücke, Zahlensymbolik, Farben, Bühnenbilder oder auch alles gleichzeitig.
Die wichtigsten Hinweise, und das ist wohl ihr größtes Erfolgsgeheimnis, fanden sich jedoch schon immer in ihrer Musik. Während Swift mit wachsender medialer Aufmerksamkeit auf die harte Tour lernte, ihr Privatleben sorgsam vor der Öffentlichkeit abzuschirmen, offenbarte sie in ihren Liedern immer wieder private Details. Doch weil Taylor Swift niemals etwas Unüberlegtes tut, war ihr wohl bewusst, dass die persönliche Erfahrung, einmal in die künstlerische Form gegossen, eine neue Bedeutung entfaltet. Dass in der Musik ein einsames Erleben zum gemeinsamen Erleben wird.
Der Typ aus dem Football-Team
So stehen die letzten elf Alben der Sängerin im Zeichen eines kollektiven Erwachsenwerdens, das über gebrochene Herzen, Freundschaft, die Krankheit ihrer Mutter und die Machtspiele in der Musikbranche schließlich auf das Happy End hinzuführen schien, das sie sich schon in „Love Story“ erträumt hatte. Spätestens seit der britische Schauspieler Joe Alwyn auf der Bildfläche (und zwischen den Zeilen) erschienen war, ließ sich mehr als deutlich heraushören: Die Frau will einen Ring an ihrem Finger. Doch das leichtherzige Bekenntnis, sie würde Alwyn auch mit Ringen aus Papier heiraten („Paper Rings“), mündete nach sechs Jahren Beziehung in dem schmerzhaften Eingeständnis, dass sie in Erwartung eines Liebesbeweises vor dem Altar gestorben war („So long, London“).
Auftritt Travis Kelce: ein zwei Meter großer Football-Spieler, der es mithilfe eines medienwirksamen Podcasts, eines selbst gebastelten Freundschaftsarmbands und einer ordentlichen Portion Hybris binnen weniger Monate von den Zuschauerreihen auf die Bühne der „Eras Tour“ schaffte. Und Swift schließlich den lang ersehnten Ring an den Finger steckte. Ein Happy End, wie es im Buche steht, und doch nicht das Ende der Geschichte: „In deinem Leben wirst du größere Dinge tun, als den Typen aus dem Football-Team zu daten“, sang Taylor Swift im Alter von 18 Jahren („Fifteen“). Denn sie wusste schon damals: Das Beste kommt noch.