Münchner Museumsstreit: Generaldirektor Bernhard Maaz muss gehen

vor 1 Tag 1

Zu schwerwiegend waren die Vorwürfe der letzten Wochen, die gegenüber den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (BStGS) in Sachen Restitutionspraxis erhoben worden waren, auch wenn sie im Detail korrigiert werden mussten. Markus Blume, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, sagte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, es dürfe keinen Zweifel an der „klaren Haltung Bayerns“ in Bezug auf die Prinzipien der Washingtoner Erklärung geben. Aber Blume räumte ein: „Die Vertrauenskrise ist noch nicht zu Ende.“ Deswegen zog er die Reißleine: Bernhard Maaz wird mit sofortiger Wirkung sein Amt als Generaldirektor der BStGS abgeben und an das Zentralinstitut für Kunstgeschichte wechseln.

Eine raketenhafte Kulturkarriere

Maaz macht zehn Jahre und einen Tag nach seinem Amtsantritt den Weg frei, wohl auch in dem Bewusstsein, dass sich dort zuletzt „vieles verkantet“ habe, so der Staatsminister. Nachbesetzt wird die Stelle nicht, denn Maaz wird mit sofortiger Wirkung interimistisch durch Anton Biebl ersetzt, den seit Dienstag amtierenden „Change Manager“ des Ministeriums, der die Museumsoffensive voranbringen soll. Eine raketenhafte Karriere, bis vor Kurzem war der Drei­und­sech­zig­jährige noch Münchner Kultur­refe­rent. Er wäre das auch gern geblieben, fand aber als Parteiloser keine Mehrheit und heuerte beim Freistaat an. Es sei „der richtige Mann zur richtigen Zeit“, gab sich Blume überzeugt. Der Jurist gilt als Verwaltungsexperte, Biebl selbst verwies darauf, dass er als Referatsleiter für 2100 Mitarbeiter und ein Budget von 280 Millionen Euro zuständig war.

 Anton Biebl, ehemaliger Münchner KulturrreferentSchon am zweiten Tag seiner Amtszeit als Change Manager befödert: Anton Biebl, ehemaliger Münchner Kulturrreferentdpa

Der Staatsminister deutete an, es gebe bei den BStGS „Baustellen“, die vertiefter Nachforschungen bedürften. Das machten auch seine der Personalie folgenden Ankündigungen deutlich. Zunächst wird sich das Ministerium selbst mit einer internen Untersuchung um das Fehlverhalten innerhalb der BStGS kümmern. Ohne konkret zu werden, sagte Blume: „Was da bekannt wurde, lässt mich nachts nicht ruhig schlafen.“

Eine externe Untersuchung unter Führung der Restitutionsexpertin Meike Hopp, die, wie am Mittwoch bekannt wurde, künftig das Deutsche Zen­trum Kulturgutverluste (DFK) leitet, soll mit einem kleinen Team eine „Sachverhaltsaufklärung“ im Haus leisten. Drittens soll ein runder Tisch eingerichtet werden, der Grund­lagen für eine künftige Restitutions-Kommission erarbeitet – für maßgeb­liche Hinweise bedankte sich Blume bei Raphael Gross vom Deutschen Historischen Museum in Berlin, der die Restitutionspraxis der Zürcher Bührle-Stiftung untersucht hat.

Um den Fortschritt der Museumsoffensive wiederum soll sich ein „Reformkommission“ genanntes Gremium kümmern, dem der Wirtschaftsprüfer und Governance-Experte Rolf Nonnenmacher sowie Markus Michalke von der Stiftung Kulturzukunft Bayern vorsitzen werden. Blumes Museumsoffensive zielt zunächst auf Digitalisierung und soll dann das Behördendenken abschaffen, um am Ende die Museen in eine neue Rechtsform zu überführen. Schließlich wird von 1. Juli an eine unabhängige Museumsagentur die Arbeit aufnehmen, die alle achtzehn bayerischen Museen als Service-Einrichtung unterstützt.

Gesamten Artikel lesen