Kompliment VfB: Alles richtig gemacht

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Nick Woltemade wechselt nun doch im Sommer. Nicht zum FC Bayern, sondern nach England zu Newcastle United. Der VfB Stuttgart hat in der Causa alles richtig gemacht, findet kicker-Reporter George Moissidis.

 Nick Woltemade.

Er verlässt den VfB: Nick Woltemade. IMAGO/Jan Huebner

Was wurde nicht alles orakelt, als der VfB Stuttgart bis zu 60 Millionen Euro für Nick Woltemade ablehnte. Als der FC Bayern seinem Werben um den Jungnationalspieler ein Ende setzte. Nachdem sich der Rekordmeister an den Schwaben die Zähne ausgebissen hatte, deren Verhandlungsbasis bei 75 Millionen Euro lag.

Die Kritik der Schwarzseher und Transferbefürworter war laut und nicht ganz von der Hand zu weisen. Was, wenn sich Woltemade verletzt. Was, wenn er nicht an die starken Leistungen des zweiten Halbjahres der Vorsaison anknüpfen kann. Was, wenn der VfB diese Summe nie mehr für den 23-Jährigen angeboten bekommt. Selbst Bayern-Sportvorstand Max Eberl fragte schelmisch lächelnd in die TV-Kameras: "Ist Woltemade 80 Millionen wert?"

Dem Premier-League-Klub Newcastle United offensichtlich schon. Sogar 85 Millionen und weitere fünf an möglichen Boni dazu. Bis zu 90 Millionen, für die sich die Stuttgarter in Person von Sportvorstand Fabian Wohlgemuth auf die Schulter klopfen und klopfen lassen dürfen. Kompliment. Alles richtig gemacht.

Der Traditionsklub, den man anfangs für seine ursprünglich aufgerufenen 100 Millionen belächelt hat, hat Stärke beweisen, hat dem Druck der Bayern, des Spielers und dessen Berater und der Öffentlichkeit standgehalten, an die sich dieser verzweifelt gewandt hatte. Auch wenn es der eine oder andere anders sehen will: Die Schwaben haben ihr Gesicht gewahrt, können erhobenen Hauptes dieses Kapital abschließen. Auch, wenn man Woltemade, anders als bisher stets betont, jetzt doch ziehen lässt. Die nun gebotene Rekordsumme, mit der - Hand aufs Herz - wirklich nicht zu rechnen war, konnte der VfB nicht mehr reinen Gewissens ablehnen.

Erfüllung eines Traumes für Woltemade

85 Millionen plus für ein zugegeben herausragendes Halbjahr eines Jungstars, der in den fünf Monaten davor nicht über den Status des Ergänzungsspielers hinausgekommen war, beweist einmal mehr, wie verrückt dieses Geschäft geworden ist. Wie entrückt die englische Topliga von jeglichem Maß ist.

Für Woltemade bedeutet dieser Wechsel die Erfüllung eines Traums. Endlich darf er in der Königsklasse spielen, die man ihm im Vorjahr nicht zugetraut hatte. Spiele unter anderem gegen den FC Barcelona, Paris St. Germain, Benfica Lissabon oder Bayer Leverkusen, in denen er sich mehr als nur beweisen muss.

Es steht viel auf dem Spiel. Sollte der Jungnationalspieler in Newcastle nicht die erwartete Spielzeit bekommen, gerät sein nächster Traum, die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, in Gefahr. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat bei seiner jüngsten Kadernominierung mehr als deutlich gemacht, dass er im Fall der Fälle rigoros Spieler streichen würde.

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