Kerzers in der Schweiz Sechs Menschen starben in brennendem Bus – Verdächtiger hatte wohl psychische Probleme
Rund 40 Minuten soll er mit dem Bus gefahren sein, dann steckte er ihn in Brand: Ein etwa 60 Jahre alter Mann soll für das tödliche Unglück in Kerzers in der Schweiz verantwortlich sein. Sein Motiv gibt Rätsel auf.
11.03.2026, 15.17 Uhr
Ausgebrannter Bus in Kerzers
Foto: KANTONSPOLIZEI FREIBURG / dpaDas Feuer in einem Linienbus in der Gemeinde Kerzers erschüttert die Schweiz. Sechs Menschen starben bei dem Brand am Dienstagabend, fünf Menschen wurden verletzt. Das Kanton und die Polizei haben erste Berichte nun bestätigt: Den bisherigen Erkenntnissen zufolge zündete sich ein Mann in dem Bus an.
Der Mann sei gegen 17.45 Uhr mit Säcken in den Bus eingestiegen und habe sich Zeugen zufolge eigenartig verhalten. Um 18.25 Uhr habe er sich plötzlich mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und sich angezündet, so die Ermittler. Das Feuer habe sich auf den gesamten Bus ausgebreitet. Das Fahrzeug brannte auf einer Hauptstraße im Ortszentrum von Kerzers völlig aus.
Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann unter den Todesopfern ist. Hinweise auf einen Terrorakt gibt es den Ermittlern zufolge nicht. Der Mann habe allein gehandelt. Das Motiv sei unklar.
Der Täter war den Angaben zufolge etwa 60 Jahre alt, Schweizer Staatsbürger und wohnte in Bern. Seine Familie hatte ihn vor der Tat als vermisst gemeldet. »Er wird als eine Person beschrieben, die am Rande der Gesellschaft lebte und gestört war«, sagte Generalstaatsanwalt Raphaël Bourquin bei der Pressekonferenz. Er rief Zeugen der Tat auf, sich bei den Ermittlern zu melden. Die Ermittler suchten auch in den sozialen Medien nach Hinweisen zu der Tat.
Menschen stiegen »brennend« aus dem Bus
Der Kommandant der Kantonspolizei, Philippe Allain, erklärte, am Notruf habe ein Zeuge gesagt, Menschen seien »brennend« aus dem Bus gestiegen. Warum die durch den Brand getöteten Menschen es nicht aus dem Bus geschafft hätten, werde nun untersucht. Die Türen seien geöffnet worden, sagte Allain, ob durch eine Explosion oder durch einen Knopfdruck, sei unklar: »Wie der Bus funktioniert hat, wird im Rahmen der Strafuntersuchung überprüft.«
Zur Identität der Opfer äußerten sich die Ermittler zurückhaltend. »Einen Toten formell zu identifizieren, erfordert Zeit. Wir werden diese Informationen wahrscheinlich am Nachmittag vorliegen haben.« Zunächst müssten die Familien der Toten informiert werden. Alle Opfer stammten aus der Region. Kerzers ist eine kleine Gemeinde mit knapp 5600 Einwohnern in der Nähe von Bern.
Der völlig ausgebrannte Bus gehört dem Unternehmen Postauto, das in der Schweiz vor allem ländliche Gebiete verbindet. Der Bus verkehrte auf einer Strecke zwischen den zwei kleinen Gemeinden Düdingen und Kerzers.
Die Schweizer Politik reagierte entsetzt. Im etwa 26 Kilometer entfernten Bern gedachten beide Kammern des Parlaments der Todesopfer, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtet.
»Wie aus dem Nichts nimmt eine alltägliche Situation eine unvorstellbare Wende, vielleicht auf dem Heimweg von der Arbeit oder von der Schule«, sagte Stefan Engler, der Präsident des Ständerates, in dem die Schweizer Kantone vertreten sind. »Dieses tragische Ereignis erschüttert nicht nur eine Region, einen Kanton, sondern weit darüber hinaus«, sagte Nationalratspräsident Pierre-André Page.

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