Das Nationale Paralympische Komitee der Ukraine und die ukrainische Paralympische Mannschaft haben den Vertretern des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) sowie dem Organisationskomitee der Winter-Paralympics 2026 vorgeworfen, das Team seit Beginn der Spiele »systematisch unter Druck« zu setzen. Das teilten Komitee und Mannschaft in einer Erklärung mit. Auf Anfrage des SPIEGEL äußerte sich das IPC zunächst nicht zu den Vorwürfen.
Als Beispiele nannte die ukrainische Delegation einen Streit über das Anbringen einer ukrainischen Flagge am Teamquartier, Beanstandungen kurzer abendlicher Teamtreffen sowie den »zynischen« Umgang mit Angehörigen des Gold-Gewinners Taras Rad.
In der Erklärung heißt es, es entstehe »der Eindruck einer unverständlichen und sehr speziellen Partnerschaft zwischen dem IPC und den Nationalen Paralympischen Komitees von Russland und Belarus«.
Verbot von Flagge an Unterkunft
Demnach habe das ukrainische Team eine Flagge an seiner Unterkunft aufgehängt. Kurz darauf sei die Mannschaft jedoch aufgefordert worden, sie wieder zu entfernen. Später sei eine Anbringung »an einer weniger sichtbaren Stelle« erlaubt worden. Außerdem habe das IPC eine tägliche Besprechung in einem Gemeinschaftsraum untersagt und dies mit einer unklaren Regel begründet, heißt es.
Bei einer Medaillenzeremonie habe ein IPC-Vertreter zudem versucht, der Athletin Oleksandra Kononova Ohrringe mit ukrainischer Flagge und der Aufschrift »Stop War« abzunehmen. Sie sei gezwungen worden, sie abzulegen. Das Team wolle das IPC in seiner Erklärung erinnern: »Frieden und das Leben aller Menschen sind ein Menschenrecht.«
Bereits zuvor hatte das IPC die geplante Teamkleidung der Ukraine für die Spiele verboten. Darauf zu sehen war eine Landkarte, die die Ukraine mit Grenzen von 1991 zeigt, also einschließlich der Krim und der von Russland besetzten Gebiete. Das Internationale Paralympische Komitee verbietet ähnlich wie das Internationale Olympische Komitee politische Symbole auf Uniformen.
Familie von Gold-Gewinner Rad habe Schals abgeben müssen
Besonders schockiert zeigt sich die ukrainische Delegation über den Umgang mit Angehörigen des Biathleten Taras Rad. Dieser hatte Gold im 7,5-Kilometer-Sprint der Männer im Para-Biathlon in der sitzenden Klasse gewonnen. Vertreter des IPC und des Organisationskomitees hätten ukrainische Flaggen sowie Schals mit Nationalmotiven von Rads Familie beschlagnahmt – mit der Begründung, dies geschehe »in Übereinstimmung mit den IPC-Regeln«.
Der Ukrainer Taras Rad nach seinem Sieg im Para-Biathlon
Foto: Sarah Meyssonnier / REUTERSDie ukrainische Delegation schreibt, man habe zunächst versucht, »eine radikale Reaktion« auf die genannten Geschehnisse zu vermeiden, in der Hoffnung, dass diese zufällig und nicht gegen die ukrainische Mannschaft gerichtet waren«. Die jüngsten Ereignisse hätten jedoch gezeigt, »dass diese einen systematischen Charakter haben und sowohl für die Mannschaft als auch für ihre Mitglieder kritisch und beschämend sind«.
Die Entscheidung des IPCs, Russland wieder vollwertig unter Nationalfarben und mit eigener Hymne zuzulassen, ist das bestimmende Thema bei den Winter-Paralympics 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Zuvor durften russische Sportlerinnen und Sportler im internationalen Sport zuletzt allenfalls als neutrale Athleten ohne Flaggen, Symbole und Hymne antreten – unter anderem wegen Dopingvorwürfen und vor allem wegen des seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Gleiches galt für Belarus als Unterstützer der Invasion.

vor 3 Stunden
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