Wo die neuen Menschen wohnten
„Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau“ im Kunsthaus Minsk, Potsdam, bis 8. Februar
Im Potsdamer Kunsthaus Minsk widmet sich eine Ausstellung dem Plattenbau im Wandel der Zeit. Die Arbeiten vorwiegend ostdeutscher Künstler beschäftigen sich mit sozialer Utopie und Prägung, aber auch mit Verfall und Verlust.
„Einst ein Symbol des Fortschritts, entworfen als Behausung für den ‚neuen Menschen‘ des realexistierenden Sozialismus, wird der Plattenbau nach der Wende mit Skinheads und Arbeitslosigkeit assoziiert“, schreibt unsere Rezensentin Yelizaveta Landenberger: „Heute hat man schließlich Kriegsbilder aus der Ukraine vor Augen – von russischen Drohnen und Raketen getroffene Betonbauten, die wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen – oder auch die Musik-Clips osteuropäischer Postpunk-Bands, die mit apathischer Stimme die Tristesse des Lebens in der Peripherie besingen.“ Dieser symbolisch vielfältigen Aufladung des Plattenbaus im Laufe der Zeit, speziell im ostdeutschen Kontext, widme sich die Schau.
Entspannter Impressionismus: Lovis Corinths „Die Lesende“ aus dem Jahr 1911Museum Frieder BurdaSo zu malen galt als unpatriotisch
„Impressionismus in Deutschland – Max Liebermann und seine Zeit“ im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, bis 8. Februar
Baden-Badens Museum Frieder Burda zeigt die Anfänge des Impressionismus in Deutschland mit Max Liebermann und Zeitgenossen. Ihr Kampf für die neue Stilrichtung war hierzulande lange verpönt.
„Auch wenn sich mitunter eine gewisse Sättigung einstellt, zumal die harte Lebenswelt der unteren Schichten in diesen ‚impressionistischen‘ Idyllen, in deren Blick auch die Theaterszene geriet, untergeht, ermöglicht der Parcours durchaus unerwartete Entdeckungen“, schreibt unsere Rezensentin Alexandra Wach: „Politisch kontrovers waren die versammelten Künstlerpersönlichkeiten selbst, schon nur, weil sie es wagten, sich der obrigkeitsstaatlichen Doktrin zu widersetzen.“
Auf eine künstliche Insel in den Golf vor Doha gebaut: I.M. Peis letztes Meisterwerk, das Museum für islamische KunstPicture AllianceArchitektur mit Ewigkeitsanspruch
„I. M. Pei: Life Is Architecture“ und „I. M. Pei and the Making of the Museum of Islamic Art“, Qatar Museums Gallery Al Riwaq und MIA, Doha, bis zum 14. Februar
Kreis, Kubus, Pyramide: Warum die teils schon 70 Jahre alten Bauten des Architekten I. M. Pei immer noch so gut dastehen, zeigen derzeit zwei Museen in Doha.
Die Ausstellung zur Entstehungsgeschichte des im Golf vor Doha schwebenden Museum of Islamic Art (MIA) mit einer der besten Sammlungen islamischer Kunst weltweit zeigt, schreibt unser Rezensent Stefan Trinks, „neben Peis Modell des MIA auch die originalen Wettbewerbsentwürfe großer und größter Namen der Architekturwelt, bei deren teils unterirdischen Einreichungen man mehr als einmal den Kopf schüttelt. Irgendwann reichte es dem Emir von Katar, und er beauftragte wie Mitterrand und Kohl freihändig Pei. Sekundiert wird die Genese eines seiner ikonischsten Gebäude durch die bislang größte und beste Schau zu Pei und der wie bei seinen Vorbildern Le Corbusier und Gropius unauflöslich engen Verknüpfung von Beruf und Leben – ‚Life Is Architecture‘ – in der nächst dem MIA gelegenen hangargroßen ‚Qatar-Museums-Gallery‘-Halle. Die Schau erklärt überzeugend, warum nahezu keines der Gebäude Peis aus seinen fast achtzig Jahren Bautätigkeit heute alt aussieht, noch nicht einmal jene aus den Siebzigern, die für gewöhnlich am schlechtesten altern.“
Foto-Fundstück aus dem Besitz von Arno GeigerArno GeigerDas Risiko trägt der Rückkehrer
„Woher wir kommen. Literatur und Herkunft“ im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, bis 15. Februar
Das Literaturmuseum Wien untersucht die Herkunft von Schriftstellern – mit überschaubarem Erfolg.
„Die Schau in dem altehrwürdigen Bibliotheksraum wirkt wie ein begehbares Fotoalbum, das Erinnerungen an vertraute Kindheitserlebnisse weckt“, schreibt unser Rezensent Hannes Hintermeier: „Sie kombiniert Hörstationen, Filme, Bücher und Textwände mit einer ‚Galerie der Dinge‘. Dazu gehört beispielsweise eine Ken-Puppe, weil der Vater von Toxische Pommes seiner Tochter immer gefälschte Barbie-Puppen schenkte, wie sie in ‚Ein schönes Ausländerkind‘ schreibt. Radek Knapp, der als Tennislehrer arbeitete, steuert einen Tennisschläger der Marke Bancroft mit gerissenen Saiten bei, Daniela Dröscher einen Dreschflegel, Lukas Bärfuss einen metallenen Briefkasten – als einem ‚Tor zur Hölle, niemals Urlaubsgrüße, immer Mahnungen‘.“
Rico Puhlmann: Christy Turlington mit Amethyst und einer Halskette von Stephen Dweck, Harper’s Bazaar, Januar 1988Rico Puhlmann ArchiveWenn das Model den Revolver zieht
„Rico Puhlmann: Fashion Photography 50s-90s“ im Museum für Fotografie Berlin, bis 15. Februar
Als die Welt auf das geteilte Berlin schaute, fotografierte Rico Puhlmann deutsche Mode auf Berliner Straßen. Später ging er nach New York und entdeckte Supermodels wie Cindy Crawford. Eine Ausstellung zeigt sein Lebenswerk.
„Die Modefotografie kann die Oberflächen, die sie feiert, nicht durchdringen, ja nicht einmal erfassen, sie bleibt an den Talmiglanz der Ware gekettet“, schreibt unser Rezensent Andreas Kilb: „Nur manchmal erlaubt sich der Fotograf einen bitteren Witz: Im Schlagschatten des Models mit dem Sombrero erscheint die Silhouette eines Revolverhelden, der seine Waffe zieht. Puhlmann hat diesen Mangel gespürt. Und er hat die kreative Lähmung erlebt, in der Berlin nach 1968 versank. Anfang der Siebzigerjahre zieht er nach New York. Bald arbeitet er für ‚Harper’s Bazaar‘, ‚Glamour‘ und ‚GQ‘ und macht Werbung für Parfum- und Designermarken. Er fotografiert Isabella Rossellini und ebnet den Weg für Supermodels wie Cindy Crawford und Patti Hansen. Aber seltsam: Seine Bilder sehen jetzt wie die aller anderen aus. Seine Handschrift wird unkenntlich.“
Edgar Degas. Chronist der Pariser Bohème: „Sich kämmender Akt“, Kohle und Pastellkreiden auf Papier, 1886 bis 1890Scharf Collection, Ruland PhotodesignDiese Pfirsiche möchte man nirgendwo anders sehen
„The Scharf Collection“ in der Alten Nationalgalerie Berlin, bis 15. Februar
Die Scharf Collection ist eine der größten deutschen Privatsammlungen von klassischer moderner Malerei und Skulptur. Eine Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel zeigt ihre wichtigsten Schätze.
„In der Alten Nationalgalerie vereinen sich die Impressionisten und Postimpressionisten der ‚Scharf Collection‘, wie sie hier heißt, zu einem verzauberten Tanz mit der Museumssammlung“, schreibt unser Rezensent Andreas Kilb: „Corots ‚Junge blonde Frau in heller Tunika‘ und Courbets Porträt des Bohème-Schriftstellers Trapadoux ergänzen die Bestände aus der Barbizon-Schule, und Cézannes ‚Haus mit rotem Dach‘, Monets ‚Bauernhof in Chailly‘ und Bonnards sommerlich schimmernden ‚Korb mit Pfirsichen‘, möchte man – von der ‚Großen Badewanne‘ ganz zu schweigen – am liebsten nirgendwo anders mehr sehen.“
Die Jacquemus-Show Frühling/Sommer 2020 im französischen ValensoleAlamy Stock PhotoNur diese fünfzehn Minuten
„Cat Walk“ im Vitra Design Museum, Weil am Rhein, bis 15. Februar
Im Bann der Überbietungsduelle: Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet dem Catwalk eine fulminante Ausstellung.
„Es ist ein großartiger Parcours, der sich entlang der Epochen der Modenschau vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart im Vitra Design Museum durchlaufen lässt“, schreibt unsere Rezensentin Rose-Maria Gropp: „Es sind vier Räume voller Fotografien, Accessoires und Ephemera wie Einladungskarten in Vitrinen, mit Videos und Film- und Tondokumenten, die einen ständigen nervösen Sound produzieren. Dazwischen stehen wie stumme Zeuginnen Puppen auf Laufstegen oder Podesten, angezogen mit raren Signature Pieces einschlägiger Provenienz. Die Fülle des Materials ist eindrucksvoll und verdeutlicht, dass die Liaison zwischen Mode und Kunst keineswegs neu ist. Die Schau löst ihren Anspruch ein, ‚die Modenschau als gestalterisches Gesamtkunstwerk‘ aus Architektur, Musik und Bühne zu zeigen.“
Intensiver kann die Bindung zum Abgebildeten nicht sein: Lotte Lasersteins „Ich und mein Modell“ von 1929Agnews London/VG Bild-Kunst, Bonn 2025Der Küchenjunge hatte es ihm angetan
„Queere Moderne 1900-1950“ im K 20, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, bis 15. Februar
Verbotenes Begehren: Die Ausstellung „Queere Moderne“ in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt, was bei Thomas Mann überm Schreibtisch hing.
Denen, „die vor rund hundert Jahren ihre Neigung verstecken mussten und Scheinehen eingingen, weil Homosexualität unter Strafe stand“, schreibt unser Rezensent Georg Imdahl, „bereitet die Düsseldorfer Ausstellung ‚Queere Moderne‘ mit Beiträgen von 34 Künstlerinnen und Künstlern aus dem Zeitraum von 1900 bis 1950 eine Bühne. Manche sind sicherlich auch mangels Klasse nicht geläufig, Mittelmaß gibt es aber auch in der Gegenwartskunst, die trotzdem etwas Interessantes über den Zeitgeist berichten kann. Die von Isabelle Malz und Anke Kempkes kuratierte Schau fügt sich in ein Programm der Kunstsammlung, Moderne und Gegenwart seit einigen Jahren globaler, pluralistischer zu denken.“
So sehen Sieger aus: Gewinner eines Tanzwettbewerbs in New York, 1970 aufgenommen von Diane Arbus.Helmut Newton FoundationOriginal und Fälschung
„Dialogues. Collection Fotografis und Helmut Newton“ in der Helmut Newton Foundation, Berlin, bis 15. Februar
Die wunderbare Ausstellung „Dialogues“ in der Helmut Newton Foundation in Berlin kontrastiert Fotografien. So wird sie zu einer Lehrstunde des Sehens.
Für die Ausstellung, hält unser Rezensent Freddy Langer fest, wurden „66 historische Fotografien aus der 4000 Bilder umfassenden Wiener Sammlung Fotografis der Bank Austria je eine(m) Abzug aus dem Stiftungsarchiv Helmut Newtons zur Seite gehängt“. Man müsse „darüber staunen, wie vielfältig das Werk Newtons ist und welche Fülle an Ideen er keineswegs nur für Porträt, Akt und Mode entwickelt hat, sondern auch in Motiven weit jenseits dieser Genres. Wenn dabei die Qualität von Newtons Aufnahmen gegenüber den benachbarten Bildern mehr als einmal abfällt, zeugt es von gewisser Größe, sie dennoch zu zeigen.“
Meeres-Idylle in Hitlers Reich: Schmidt-Rottluffs „Fischerbucht“ von 1937Brücke-Museum/VG Bild-Kunst, Bonn 2025Er ließ die Katastrophen nicht an sich heran
„‚Immer wieder muss die Welt neu gesehen werden‘: Malerei von Karl Schmidt-Rottluff“ im Brücke-Museum, Berlin, bis 15. Februar
Durch seine Bilder läuft man wie durch einen Sommerurlaub: Bei Karl Schmidt-Rottluff wird die expressionistische Malerei zum Genussmittel. Jetzt feiert das Berliner Brücke-Museum seinen Gründer mit einer Werkschau.
Man erkenne in der Ausstellung, schreibt unser Rezensent Andreas Kilb, „wie lange Schmidt-Rottluff nach einem eigenständigen künstlerischen Ausdruck gesucht hat. In ‚Gärtnerei‘ (1906) imitiert er van Gogh, in ‚Mädchen bei der Toilette‘ (1912) seinen ‚Brücke‘-Mitstreiter Pechstein, in ‚Weinstube‘ (1913) den verehrten Edvard Munch, in ‚Nach dem Bade‘ (1926) Max Beckmann und in den Seelandschaften immer wieder sein großes Vorbild Nolde. Erst nach dem Ausglühen der expressionistischen Sonne ab Mitte der Zwanzigerjahre wird seine Malerei unverwechselbar.“
Trotz vieler herber Schicksalsschläge schuf er immer wieder Gemälde innerer Heiterkeit: Karl Hofers „Tessiner Landschaft (Caslano)“ von 1932.Sophia Kesting/VG Bild-Kunst, Bonn 2025Kann es Schönheit und Wahrheit zugleich geben?
„Karl Hofer. Zwischen Schönheit und Wahrheit“ im Kunstmuseum Moritzburg Halle, bis zum 15. Februar
Auch bei Neo Rauch hängt eines seiner Bilder überm Kamin: Das Kunstmuseum Moritzburg belegt den prägenden Einfluss des Malers Karl Hofer – bis heute.
„Kuratorin Anke Dornbach konnte aus dem Vollen schöpfen und instruktive thematische Gruppen bilden“, schreibt unser Rezensent Christoph Schmälzle: „Obwohl die Chronologie hier nicht im Vordergrund steht, fallen doch die weniger bekannten Werkphasen ins Auge: Hofers Frühwerk, das um 1900 akademische Konvention und Italiensehnsucht verbindet, ist selten in solcher Dichte zu sehen. Auch die an französischer Kunst geschulten Motive von Hofers frühen Indienreisen entsprechen nicht dem gewohnten Bild. Und doch war es ein Gemälde aus dieser Zeit, das die Nazis 1937 im Rahmen der Aktion ‚Entartete Kunst‘ aus der Sammlung der Moritzburg beschlagnahmten, nämlich das ‚Badende Hindumädchen‘ von 1913.“
Raum-Häutung: Heidi Buchers „Das Audienzzimmer des Doktor Binswanger“ von 1988. Die Schweizer Künstlerin löste dafür in Kreuzlingen die Wände des Konsultationszimmers von Ludwig Binswanger mit Gaze und Latex ab.Schweizerisches NationalmuseumDas Andere der Vernunft
„Seelenlandschaften. C. G. Jung und die Entdeckung der Psyche in der Schweiz“ im Landesmuseum, Zürich, bis 15. Februar
Das Schweizerische Landesmuseum Zürich schaut seinen Bürgern zum 150. Geburtstag von C. G. Jung in die Seele – und entdeckt weltweit Gültiges.
„Wer bei den Schlüsselwörtern Psychoanalyse, C. G. Jung, Freud, und das Ganze auch noch konzentriert auf die Schweiz, die folgende Schau innerlich abhakt, lässt sich etwas entgehen“, schreibt unser Rezensent Stefan Trinks: „Tatsächlich wollte Jung die Psychoanalyse aus Wien nach Zürich und an ‚seine‘ Universitätsklinik Burghölzli verlegen. Außerdem handelt es sich um eine der komplexesten Ausstellungen seit Langem, in Bezug auf gesellschaftliche Entwicklungen in Europa und der Welt, aber auch in ihrem Ausgriff auf die Kunstentwicklungen des zwanzigsten Jahrhunderts seit Beginn der Moderne – ohne den Blick in die Seele wäre diese in großen Teilen anders verlaufen.“
Die Freiheit des Einzelnen im Tal reicht bis dahin, wo der Berg beginnt: Alberto Giacomettis „Der Käfig, erste Version“, 1949/50Succession Alberto Giacometti/VG Bild- Kunst, Bonn 2025Bronzestrichmännchen aus dem Bergell
„Alberto Giacometti. Das Maß der Welt“ in der Kunsthalle Bremen, bis zum 15. Februar
Geißenpeter-Existenzialismus: Bremens Kunsthalle schreibt mit der Ausstellung „Alberto Giacometti – Das Maß der Welt“ Kunstgeschichte um.
Seine Herkunft aus dem Engadiner Bergell, „sicher einem der eindrücklichsten Bergtäler nicht nur der Schweiz, sondern weltweit“ lehrte Alberto Giacometti „einen völlig anderen Größenmaßstab“, schreibt unser Rezensent Stefan Trinks: „Seine winzigen Bronzestrichmännchen – in Bremen eingangs von dem Köpfchen ‚Kleine Büste auf einem Doppelsockel‘ repräsentiert – muss man sich stets vor der Kulisse von Dreitausendern imaginieren, teils mit den Bergmassiven als Sockel. Bei Giacometti handelt es sich mithin um eine Umkehrung aller Maßstäbe angesichts einer inkommensurablen Natur. Dazu kommt: Giacometti sah die Welt in Naturanalogien. Das steinerne Paris Haussmanns wurde dem Flaneur zur Bergwelt, ein Baum zur stehenden Frau, ein Stein zum Kopf, ein Berg zu einer männlichen Büste; sein chaotisches Studio sah ihm häufig aus ‚wie nach einem Bergsturz‘, wie er schreibt. Zudem belegt die Schau erstmals, wie seine Faszination für die Verbindung von Mensch und Natur auch durch Ideen der Romantik wie jene des Erhabenen inspiriert war.“
Eine Raupe isst ein Blatt isst einen Vogel: René Magrittes „La saveur des larmes“, 1946Succession René Magritte/SABAM/VG Bild-Kunst, Bonn 2026Im Blitzlicht jäher Erkenntnis
„Magritte. La ligne de vie“ im KMSKA, Antwerpen, bis 22. Februar
Wie Magritte zu Magritte wurde: Das Königliche Museum der Schönen Künste in Antwerpen lässt in einer grandiosen Ausstellung den Künstler selbst zu Wort kommen.
Der Titel der Schau zitiert einen Vortrag, den Magritte vor fast neunzig Jahren im KMSKA in Antwerpen gehalten hatte, erläutert unser Rezensent Hubert Spiegel. Die Ausführungen des Künstlers dienten jetzt im selben Museum „als Leitfaden durch eine grandiose Ausstellung, die seinen künstlerischen Weg nachzeichnet, sein Umfeld sichtbar macht und zeigt, wie explizit politisch Magritte die surrealistische Bewegung auffasste, nämlich als linke, entschieden antibürgerliche Freiheitsbewegung“.
Alles fließt: Ingrid Wieners wie Blutgefäße mäandernde „Flusslandschaften von oben, Yukon, Northwest Territories, Alaska“, 1988–2001Ingrid Wiener und Marta HerfordDurch die Kette gesehen
„Ingrid Wiener. Einfach machen und tun“ im Marta Herford, bis zum 22. Februar
Bereits in den Fünfzigern war sie bei Aktionen der Wiener Gruppe dabei, bis heute ist sie aktiv und webt – Ingrid Wiener zeigt ihre subtilen Gobelins im Marta Herford.
„Der Besuch lohnt sich gleich mehrfach“, schreibt unser Rezensent Thomas Combrink, „denn neben den Gobelins sind auch Aquarelle mit Traumtexten und Fotos, Filmaufnahmen wie auch Briefe zu sehen und selbst zu hören ist sie – als Sängerin.“
Atavistisch und modern zugleich: Joan Mirós „Der erste Funken des Tages II“ von 1966Successió Miró/VG Bild-Kunst, Bonn 2026Jenseits des Ozeans war Platz für das Monumentale
„Miró und die USA“ in der Fundació Joan Miró, Barcelona, bis 22. Februar
Nicht nur Louise Bourgeois, Lee Krasner, Jackson Pollock und Mark Rothko verehrten ihn: Die Bande zwischen Miró und Amerika waren einmal eng, wie seine katalanische Fundació in einer fesselnden Ausstellung zeigt.
„In seiner ersten Lebenshälfte hatte ihn Paris geprägt“, schreibt unser Rezensent Hans-Christian Rößler: „Im Schatten der Franco-Diktatur lebte Miró später abgeschieden auf Mallorca. Von seinem Atelier über dem Mittelmeer ging sein Blick in die USA – sein Jungbrunnen. Dieser Kontakt in die USA belebte und befreite nicht nur ihn: Sein Werk faszinierte und beeinflusste mehrere Generationen amerikanischer Nachkriegskünstler. Sie verstanden sich ohne viele Worte. Louise Bourgeois, Helen Frankenthaler, Lee Krasner, Jackson Pollock und Mark Rothko verehrten ihn. Mit gut 40 Amerikanern war er über den Atlantik in Verbindung. Viele von ihnen sind in der Miró-Stiftung in Barcelona zu sehen.“ Rößler sieht die Ausstellung in Barcelona auch als „traurige Erinnerung daran, wie produktiv und bereichernd die Beziehungen zwischen den USA und Europa sein können“.
Mit den Attributen der Märtyrerinnen: Doppelporträt zweier Mädchen als heilige Dorothea und heilige Agnes, um 1655KHM-MuseumsverbandDas Geheimnis der silbernen Taschenuhr
„Michaelina Wautier“ im Kunsthistorischen Museum, Wien, bis 22. Februar
Aus gutem Haus, gebildet und von hinreißender Könnerschaft: Das Kunsthistorische Museum in Wien zeigt Michaelina Wautier, die fesselndste Malerin des Barock.
„Dem Kunsthistorischen Museum Wien gelingt mit ‚Michaelina Wautier‘ das Kunststück, eine Malerin lebendig werden zu lassen, von der nur knapp drei Dutzend fest zugeschriebener Bilder erhalten sind und sämtliche Archivalien beim verheerenden Archivbrand ihrer Wirkungsstätte Brüssel 1695 ein Raub der Flammen wurden“, schreibt unser Rezensent Stefan Trinks: „Den Albtraum der Kuratoren, mit so wenig drei große und mehrere kleine Säle füllen zu müssen, verwandelt das herausgeforderte Museum durch kluge Kontextualisierung mit Werken ihrer Zeitgenossen Rubens und Van Dyck, aber auch ihres Bruders Charles in einen Traum. Das meiste und Aufschlussreichste holen Schau und Katalog aber aus den exzellenten Bildern der Malerin selbst heraus.“
Die nackte Versuchung der Demokratie: Grützkes „Darstellung der Freiheit“ aus dem Jahr 1972Bildarchiv Foto Marburg/VG Bild-Kunst, Bonn 2025Der Mensch in seiner Prächtigkeit
„Johannes Grützke. Der Menschenmaler“ in der Kunsthalle Aschaffenburg, bis 22. Februar
Als moderner Maler nahm er sich die Alten Meister zum Vorbild. Keins seiner Menschenbilder muss sich vor Rubens und der Renaissance verstecken: Aschaffenburgs Kunsthalle zeigt das Lebenswerk von Johannes Grützke.
Für unseren Rezensenten Stefan Trinks fasst Grützkes „Himmel und Hölle“ von 1980 „alle Aspekte der Aschaffenburger Ausstellung plastisch zusammen: In der italienischen Renaissance-Bildtradition der sogenannten Engels-Pietà ragt der nackte Leib des Malers wie sonst der Heiland selbst aus einem Grab in der Bildmitte auf. Flankiert und pompös als Heilskörperversprechen der Auferstehung immer von Beistehenden präsentiert (daher die Analogie zu einer Pietà) wird er von zwei ‚Engeln‘, die allerdings flügellos bleiben und eher eine Travestie zu vollführen scheinen – der rechte ‚Engel‘ im Negligé hat rot geschminkte Lippen und scheint sich körpersprachlich abzuwenden, vor allem aber liegen auf der Fläche vor dem Beklagenswerten in der Mitte anstelle der Arma Christi als sonst vorgezeigte Marterwerkzeuge Christi Hobel, Feger und Schaufel, aber auch ein roter Damenabsatzschuh. Der linke Flügelmann ohne Flügel spannt über dem Mittleren einen dünnen roten Faden im Zickzack, der jeden Moment zu reißen droht. Da blutrot eingefärbtes Garn seit Alters her für den Lebensfaden steht, der jederzeit abreißen oder von Höheren Mächten gewaltsam durchschnitten werden kann, schwebt der Beklagenswerte in der Mitte tatsächlich zwischen ‚Himmel und Hölle‘, wie der Titel suggeriert. Ein dritter Beistehender blickt skeptisch von links hinten aufs groteske Geschehen und wendet sich ab. Mehr Ironie, Könnerschaft und gleichzeitig Wissen um die lange Geschichte der menschlichen Makelmalerei ist in einem Bild des zwanzigsten Jahrhunderts nicht unterzubekommen.“
Die fünf Geschwister. Von links: Esther, Mirjam, Leo, Harry und Simon ZuntzFamilie ZuntzDie Tochter als Tagebuch
„What a Family! Ruthe Zuntz: 500 Jahre im Fokus“ im Jüdischen Museum Frankfurt, bis 22. Februar
Familienausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt: Für die Fotografin Ruthe Zuntz wurden Briefe ihres Vaters zum Wegweiser in die Topographie seiner Jugend.
Die Schau Ruthes trage eine sehr persönliche Handschrift, stellt unsere Rezensentin Elisabeth Knetsch fest: „Dem steht die geometrische, gleichsam kristalline Präsentation vieler Ausstellungselemente gegenüber. Der Kontrast zwischen warmherziger Erzählperspektive und scharfkantiger Formensprache durchzieht die ganze Ausstellung und reflektiert so die Spannung, die auch dem Briefwechsel zwischen Ruthe und Simon innewohnt: Der liebevolle Dialog zwischen Vater und Tochter trägt eine grausame Erzählung von Gewalt und Verlust. Am Schauplatz der Geschichte zu sein, ließ Ruthe die Ereignisse, von denen sie gewusst hatte, körperlich nachempfinden: Sie begann den Schmerz zu spüren, der sich damit verband, wie ihre Familie aus ihrer Heimat herausgerissen wurde, ebenso wie die Leere, die danach zurückblieb. Das war der Moment, erzählt Ruthe, in dem sie erkannte, dass sie außer den Briefen ein weiteres Erbe erhalten hat. ‚Solange mein Vater gelebt hat, war es seine Geschichte und ich seine Begleiterin. Doch nun ist es zu meiner Geschichte geworden.‘ Im Kernstück der Ausstellung, einer audiovisuellen Installation, verdichten sich diese Ebenen in einer geradezu immersiven Erfahrung: Fragmente aus Simons Erinnerungen werden gelesen, ergänzt um Fotografien der Tochter. Man erfährt von den Orten aus Simons Kindheit, von denen nur noch wenige in der damaligen Gestalt existieren, man sieht das Grab von Ruthes Großmutter auf dem Jüdischen Friedhof, neben dem das ihres in Auschwitz ermordeten Großvaters fehlt. Durch das Zusammenführen von Simons Erinnerungen und den Bildern vom heutigen Frankfurt wird das Historische für den Betrachter geradezu physisch spürbar.“
Lisette Models faszinierte schon 1939 mit ihrer New Yorker „Schaufenster-Spiegelung“.Albertina WienUnamerikanische Amerikanerin
„Lisette Model. Retrospektive“ in der Albertina, Wien, bis 22. Februar
Späte Rückkehr in ihre Heimatstadt: Die Albertina zeigt eine beeindruckende Retrospektive der aus Wien stammenden Fotografin Lisette Model.
Walter Moser, Sammlungsleiter Fotografie der Albertina, „hat für die Retrospektive 154 Exponate zusammengetragen, 25 davon aus eigenem Bestand, der Löwenanteil der Bilder liegt heute in der Nationalgalerie Kanadas in Ottawa“, berichtet unser Rezensent Hannes Hintermeier: „Model hätte sich nie verbogen, nur um einem Magazin zu gefallen, sagt Moser. Sie habe erst abgedrückt, und dann mit den Porträtierten gesprochen, nicht umgekehrt. Moser deutet den Blick als einen wienerisch geprägten, weil Lisette Model die Malweise des Expressionismus verinnerlicht habe – etwa durch die Bilder ihres Lehrers, des malenden Komponisten Schönberg. Mit Hässlichkeit habe sie kein Problem gehabt. Ihre Bilder der Serie Lower East Side belegen die These eindrücklich.“
Aufwendig komponierte und mit einem Stab von Mitarbeitern bis in Detail geplante Szenen: Gregory Crewdsons „Starkfield Lane“ aus der Serie „An Eclipse of Moths“, 2018/19Gregory CrewdsonDer Meister des latenten Horrors
„Gregory Crewdson – Retrospektive“ im Kunstmuseum Bonn, bis 22. Februar
Zwischen Sigmund Freud und David Lynch: Das Kunstmuseum Bonn widmet den unheimlichen Fotoserien von Gregory Crewdson eine monumentale Ausstellung.
„Im Umgang mit künstlichem Licht und unwirklichen Farben ist Crewdsons Verwandtschaft zu David Lnych und dessen Filmen nicht zu übersehen“, schreibt unser Rezensent Freddy Langer, „und in den besonders hoffnungslosen Momenten von Resignation und Vereinsamung, wenn Personen allein auf Betten sitzen oder hinter den Fenstern von Cafés, sind die Anlehnungen an die Gemälde Edward Hoppers offensichtlich. Ebenso gut jedoch könnte man einfacher sagen, dass Gregory Crewdson alles, womit Norman Rockwell einst einen Zauber über den American Way of Living gelegt hat, ins Gegenteil verkehrt und über dem Idyll eine gewaltige Portion Horror auskippt.“
Walter Leistikow: „Löcknitz bei Berlin“, ohne JahrMartin AdamWie Berlin im Wedding über seine Grenzen hinauswächst
„Havelluft und Großstadtlichter. Stadt und Land in der Malerei der Berliner Secession“ im Bröhan-Museum, Berlin, bis 22. Februar
Vom Strumpf befreit sind Bein und Füße: Das Bröhan-Museum kombiniert die Malerei der Berliner Secession mit zeitgenössischen Fotografien.
„Die Idee der Ausstellung ‚Havelluft und Großstadtlichter‘ im Berliner Bröhan-Museum besteht nun darin, Fotografie und Malerei ineinander zu spiegeln, um vom Großstadtleben zwischen 1880 und 1933 zu erzählen. Dazu haben die Kuratoren nicht einfach Abzüge und Gemälde zusammengehängt, sondern die Fotos auf halbe oder ganze Wandhöhe vergrößert und mit den Kunstwerken kombiniert“, berichtet unser Rezensent Andreas Kilb: „Ein Augenöffner ist der Saal, in dem Baluscheks Gemälde auf die zeitgenössischen Fotos und Zeichnungen Heinrich Zilles treffen, denn in der Gegenüberstellung wird deutlich, wie stark der Secessionsmaler die trostlose Wirklichkeit poliert und farblich aufgehübscht hat, um sie seinem pittoresken Realismus gefügig zu machen.“
Hingabe bis fast zur Selbstauslöschung: Marina Abramović, „Artist, portrait with a candle“, 2012Marina Abramovic Archives/VG Bild-Kunst, Bonn 2025Ihr Publikum quälte sie mit Messer, Schere und Dornen
„Marina Abramovic“ in der Albertina Modern, Wien, bis 1. März
Marina Abramović geht in ihrer Kunst bis an die Schmerzgrenze – und manchmal auch darüber hinaus. Das erlebt man in einer Retrospektive ihres Lebenswerks in der Wiener Albertina Modern.
„Wohl auch, weil ihre Grenzgänge lange rein leiblich blieben, überführte sie in den vergangenen Jahren vieles in psychische Symbolik“, schreibt unser Rezensent Stefan Trinks: „Zwei Säle in Wien sind gefüllt mit Kristall-Liegebänken und -pforten, die wie ‚Imponderabilia‘ zu durchschreiten sind, um seelische Reinigung und Heilung zu erfahren. Das mag zu esoterisch klingen, Fakt aber bleibt, dass der so geschickte wie räumlich großzügige Wiener Rundlauf durch Leben und Werk der Marina Abramović auch ohne Kristall einer Läuterung und Offenbarung gleichkommt.“
Moderne, Postmoderne und zeitgenössische Kunst in einem Augenblick: Nairy Baghramians „selves“, 2025Nairy BaghramianKunstwerke wie Inseln im Exil
„Nairy Baghramian: nameless“ im Wiels - Zentrum für zeitgenössische Kunst, Brüssel, bis zum 1. März
Ihr Werk widersetzt sich allen stilistischen Einordnungen und verschränkt Zeitschichten miteinander. Das Kunstzentrum Wiels in Brüssel widmet der in Berlin lebenden Künstlerin Nairy Baghramian eine umfassende Schau.
Die Ausstellung von Nairy Baghramian, schreibt unser Rezensent Georg Imdahl, „ist mit ihrer Vielzahl an Skulpturen, Zeichnungen, Skizzen wahrlich komplex, auch kleinteilig, schwer in Worte zu fassen, falls man nicht auf einen routinierten Kunstjargon und seine üblichen Kategorien zurückgreifen will – Installation und Assemblage, Materialsemantik oder Oberflächenspezifik. Obwohl die Schau in dieser Hinsicht tatsächlich eine Fülle an Berührungspunkten zu bieten hat, spürt man sogleich, dass hier nicht, wie in den Sechzigerjahren, edlen Werkstoffen um ihrer selbst willen gehuldigt werden soll; und dass eine Arbeit ‚nur interessant sein‘ brauche, wie ein Donald Judd seinerzeit proklamiert hatte, wäre an dieser Stelle zu wenig der Erzählung, der Geschichte, der Erinnerung. Mit ihrer Brüsseler Ausstellung geht die 1971 als Kind iranisch-armenischer Eltern in Isfahan geborene Baghramian einen weiteren Schritt in ihrem Werk: Sie lässt ihre Biographie in die jüngeren Arbeiten direkt eingehen, den Umstand, dass sie 1984 im jungen Alter mit den Eltern als politischen Flüchtlingen nach Berlin gekommen war, wo sie bis heute lebt.“
Stolze Spanierin in Schwarz-Weiß mit buntem Ara: „Isabel Parreño“, von Anton Raphael Mengs um 1769 porträtiertMuseo del PradoMehr nachgefolgt als nachgeahmt
„Anton Raphael Mengs 1728-1779“ im Prado, Madrid, bis 1. März
Er war einer der bestbezahlten Künstler seiner Zeit, vor allem als Porträtist gefragt: Anton Raphael Mengs, der Begründer des Neoklassizismus in der Malerei, wird im Prado gebührend gefeiert.
„Mengs zählt heutzutage nicht zu den Lieblingen des Ausstellungsbetriebs, ja nicht einmal zu dessen Randfiguren“, stellt unser Rezensent Bernhard Schulz fest: „24 Jahre liegt die letzte Übersicht zurück, in Dresden, dem ersten der drei biographisch gebotenen Orte. Aber auch dies war überhaupt erst die dritte monographische Ausstellung zu seinem Werk. Im Prado, Nummer vier, begegnet der Besucher gleich zu Beginn der Ausstellung einem Selbstbildnis von Mengs, jenem von 1761, das ihn mit Mappe und Zeichenstift zeigt, mithin als Vertreter des im damaligen Rom als höchste der Kunstfertigkeiten verstandenen disegno. Und am Ende der mit 159 Katalognummern, darunter 64 Gemälde sowie Zeichnungen, Skulpturen und zeitgenössische Publikationen, sehr dicht und überschaubar gehaltenen Ausstellung führt der vorgegebene, aber nie als einengend empfundene Rundgang frontal auf ein weiteres Selbstporträt zu, ebenjenes aus den Uffizien – der Künstler wiederum mit Zeichenmappe, kenntlich an einigen knapp hervorlugenden Blättern, nun aber mit Blick in die Ferne.“
Geht auf Marcel Duchamps kubistisches Bild „Akt, eine Treppe herabsteigend“ zurück, ist aber des Malers erste Ehefrau auf der Atelierstiege: Gerhard Richters „Ema (Akt auf einer Treppe)“ von 1966Fondation Louis VuittonNeoromantische Landschaften der Moderne
„Gerhard Richter“ in der Fondation Louis Vuitton, Paris, bis 2. März
Der deutscheste Maler im Blick der Nachbarn: Die Pariser Fondation Louis Vuitton feiert Gerhard Richter mit einem reichen Überblick zu dessen Kunst aus fast siebzig Jahren.
Wer Richters Œuvre in seiner Heterogenität „nicht kennt, möchte meinen, die hier vereinten Arbeiten aus den Jahren 1962 bis 1970 seien durch ein Halbdutzend verschiedener Künstler geschaffen worden“, schreibt unser Rezensent Marc Zitzmann. „Die durch Dieter Schwarz und Nicholas Serota kuratierte Ausstellung ist so vollständig, wie es sich nur träumen lässt. Nicht nur weil sie mit 275 Exponaten in 34 Sälen Richters sieben offizielle Schaffensjahrzehnte von 1962 bis heute abdeckt. Sondern auch weil (fast) sämtliche Hauptwerke zu sehen sind – mit Ausnahme ortsgebundener Arbeiten wie der Installation ‚Schwarz, Rot, Gold‘ im Berliner Reichstag oder des Kölner Domfensters.“

vor 1 Tag
1





English (US) ·