Aus der Serie: Literaturkolumne
Marlene Knobloch über heterosexuelle Propaganda
Aus der ZEIT Nr. 13/2025 Aktualisiert am 1. April 2025, 20:31 Uhr
Was ich für die schlimmste Eigenschaft von Männern halte, ist nicht das regelmäßige Einreißen sämtlicher Friedens- und Gesellschaftsordnungen oder der latente Hang zur Weltherrschaft. Es ist das Schnarchen. Ein Thema, über das seltsam verhalten gesprochen wird, aber das nachgewiesenermaßen ein deutlich männliches Phänomen ist (jawohl, Rauchen, Alkohol, Übergewicht steigern das Risiko, vor allem aber der Besitz eines Penisses!). Wenn man dann zu einer verschwörungsanfälligen Zeit wie drei Uhr morgens wach liegt, kommt man nicht umhin zu glauben, dass Schnarchen eine strategische Waffe des Patriarchats sein muss. Eine, die sekundenpräzise eine Acht-Stunden-Ruhe so durchlöchert, bis man tagsüber wirklich nicht mehr zustande bringt, als Socken zu sortieren und lächelnd zu nicken, weil Atlético völlig unverdient gegen Real verloren hat. Oh echt, auch noch in der Nachspielzeit. Judith Butler, Alice Schwarzer, sie mögen ihre Theorien gehabt haben. Ich glaube: Man hat die Frau jahrhundertelang kleingeschnarcht.