Herr Schütz, Sie waren vergangene Woche bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags dabei. Wie war Ihr Eindruck?
Ich hatte ein leichtes Déjà-vu. Das hat mich an die skandalöse Auftaktsitzung im Thüringer Landtag erinnert. Bemerkenswert fand ich, dass der Umgangston der AfD im Bundestag gefühlt noch rauer ist. Besonders schlimm fand ich, wie sich Frau Weidel über Herrn Gysi als Alterspräsident lustig gemacht hat.
Die AfD ist mit 152 Abgeordneten in den Bundestag eingezogen, das BSW hat den Einzug knapp verpasst. Wie sehr schmerzt sie das?
Total. Ich bin darüber traurig, weil es diese Partei wirklich braucht. Denn wir sind tatsächlich die einzige Friedenspartei. Dass die AfD aus strategischen Gründen behauptet, ihr sei etwas am Frieden gelegen, das hat sie ja selbst konterkariert, indem sie die allgemeine Wehrpflicht wieder einführen will. Auch die Linke hat mit ihrem Abstimmungsverhalten im Bundesrat für das Sondervermögen gezeigt, dass sie keine Friedenspartei ist.
In Ostdeutschland wurde überwiegend die AfD gewählt. Wie geht man aus Ihrer Sicht richtig mit der Partei um?
Der richtige Umgang ist, dass wir die AfD grundsätzlich nicht als kurzfristigere Entgleisung der Geschichte betrachten sollten, sondern als politischen Mitbewerber. Wir müssen uns mit der AfD auseinandersetzen, weil sie und ihre Wähler eine politische Realität in Deutschland darstellen. Die Menschen sind nicht weg, wenn wir die Partei ignorieren oder ihre Wähler als Nazis, rechtsradikal oder antidemokratisch bezeichnen. Das halte ich für keine gute Strategie.
Wir müssen hinhören, warum die Menschen diese Partei wählen. Viele haben von bestimmten Dingen die Nase voll. Das kann ich an einigen Stellen nachvollziehen. Nicht nachvollziehen kann ich hingegen, dass man deshalb eine rassistische, völkische Partei wählt und die Demokratie aufgibt. Wenn wir uns nicht mit der AfD auseinandersetzen, sitzen im nächsten Bundestag nicht mehr 152 AfDler, sondern 250.