Krieg in der Ukraine: Kreml-Abgesandter zu Gesprächen in Washington eingetroffen

vor 18 Stunden 1

Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Selenskij: Kursk-Offensive trotz Rückzug ein Erfolg   

Ukraine erhält dänische Unterstützung für Luftverteidigung

Kremlbeauftragter führt erstmals Gespräche in Washington

Nato-Alliierte versprechen Ukraine dieses Jahr bereits 20 Milliarden Euro 

Russischer Sondergesandter zu Gesprächen in Washington erwartet

Leopold Zaak

Kreml-Abgesandter zu Verhandlungen in Washington

Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wirbt ein Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin in Washington bei Treffen mit US-Spitzenbeamten um eine teilweise Aufhebung der Sanktionen. Der Chef des staatlichen Russischen Fonds für Direktinvestitionen (RFDI), Kirill Dmitrijew, teilte nach seiner Ankunft in seinem Telegram-Kanal einen Medienbericht, nach dem Moskau US-Präsident Donald Trump gebeten habe, „einige der Sanktionen aufzuheben – im Rahmen der Verhandlungen über eine Waffenruhe unter Vermittlung der USA“. Auf Nachfrage einer Journalistin bestätigte Trump die Anwesenheit eines russischen Gesandten in Washington - einen Namen nennen wollte er aber nicht. Derzeit steckten die Gespräche zur Ukraine in der Sackgasse, hieß es in dem von Dmitrijew geteilten Bericht, nach dem Trump sauer sei über fehlende Fortschritte. Trump hatte mehrfach erklärt, er wolle ein Ende des Krieges erreichen. Dmitrijew sagte, er sei deshalb im Auftrag Putins in Washington. Putin hatte sich bei einem Telefonat mit Trump im März zu einer Waffenruhe bereit erklärt - er stellte aber Bedingungen, darunter auch die Aufhebung einiger Sanktionen.  

Der selbst wegen des Krieges lange mit Sanktionen belegte Dmitrijew soll als Sondergesandter des russischen Präsidenten für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Staaten unter anderem mit Trumps Beauftragten Steve Witkoff beraten. Die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Russland und den USA sei nicht leicht und könne nur schrittweise erfolgen. Der amerikanisch-russische Handel habe vor dem Krieg im Jahr 2021 einen Umfang von 35 Milliarden US-Dollar gehabt. Wegen der im Zuge des Krieges gegen die Ukraine eingeführten US-Sanktionen sei er voriges Jahr auf 3,5 Milliarden US-Dollar gesunken. 

Katja Guttmann

Selenskij: Kursk-Offensive trotz Rückzug ein Erfolg   

Von dem ukrainischen Vorstoß auf russisches Gebiet bei Kursk ist fast nichts mehr geblieben. Trotz des weitgehenden Rückzugs ukrainischer Truppen aus der Region sieht Präsident Wolodimir Selenskij den Vorstoß auf Feindgebiet als Erfolg. „Es ist absolut fair, den Krieg dorthin zu verlagern, wo er herkommt“, sagte Selenskij in einer Videobotschaft. Er zeichnete das Video nach eigenen Angaben in der ukrainischen Grenzregion Sumy auf, von der aus die Ukrainer im August 2024 auf russisches Gebiet vorgedrungen waren. Mit den Kommandeuren der noch in Kursk kämpfenden Einheiten habe er besprochen, welche Ausrüstung und Unterstützung sie benötigten. „Wir arbeiten daran, unsere Stellungen zu schützen“, sagte Selenskij.

Im vergangenen Sommer hatten die ukrainischen Truppen rasch etwa 1300 Quadratkilometer russisches Territorium unter Kontrolle gebracht. Davon sind Karten ukrainischer Militärbeobachter zufolge nur kleine Reste direkt an der Grenze geblieben. Im März eroberte Russland die Kreisstadt Sudscha zurück. 

Der schnelle Vorstoß hatte die Stimmung in der Ukraine gehoben. Doch die Kiewer Hoffnung erfüllte sich nicht, in Friedensverhandlungen besetztes Gebiet eintauschen zu können. Unabhängigen ukrainischen Militärexperten zufolge erlitten beide Seiten ähnlich hohe Verluste, was für die Ukrainer schwerer wiegt als für die Russen. Die eingesetzten Truppen fehlten der Ukraine 2024 zur Abwehr der russischen Offensive im Osten bei Pokrowsk.    

Ukraine erhält dänische Unterstützung für Luftverteidigung

Die Ukraine bekommt von Dänemark weitere Unterstützung für ihre Verteidigung. Im Rahmen des mittlerweile 25. Unterstützungspakets des skandinavischen Nato-Landes stellt Kopenhagen in den Jahren 2025 bis 2027 unter anderem Hilfen für die ukrainische Luftverteidigung und Artillerie zur Verfügung.

Mit einem Gesamtwert in Höhe von 6,7 Milliarden dänischen Kronen (knapp 900 Millionen Euro) handelt es sich nach Angaben von Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen um eines der größten bisherigen Unterstützungspakete des Landes. Von dem Betrag sollen laut Angaben seines Ministeriums jährlich jeweils 1,4 Milliarden Kronen für den Einkauf von Artilleriekapazitäten und -munition verwendet und anschließend an die Ukraine weitergegeben werden. Auch für Drohnen und IT werden Mittel bereitgestellt.

Dänemark zählt seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor mehr als drei Jahren zu den größten Unterstützern der Ukraine. Mit Blick auf Verhandlungen über eine mögliche Waffenruhe setzt die Regierung des deutschen Nachbarlandes darauf, die Ukraine militärisch zu stärken, damit sie aus einer möglichst starken Position heraus verhandeln kann.

Kremlbeauftragter führt erstmals Gespräche in Washington

Erstmals seit Beginn des Krieges wirbt ein Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin in Washington bei Treffen mit US-Spitzenbeamten um eine teilweise Aufhebung der Sanktionen. Der Chef des staatlichen Russischen Fonds für Direktinvestitionen (RFDI), Kirill Dmitrijew, teilte nach seiner Ankunft in seinem Telegram-Kanal einen Medienbericht, nach dem Moskau US-Präsident Donald Trump gebeten habe, „einige der Sanktionen aufzuheben - im Rahmen der Verhandlungen über eine Waffenruhe unter Vermittlung der USA“.

Derzeit steckten die Gespräche zur Ukraine in der Sackgasse, hieß es in dem von Dmitrijew geteilten Bericht, nach dem Trump sauer sei über fehlende Fortschritte. Trump hatte mehrfach erklärt, er wolle ein Ende des Krieges erreichen. Dmitrijew sagte, er sei deshalb im Auftrag Putins in Washington. Putin hatte sich bei einem Telefonat mit Trump im März zu einer Waffenruhe bereit erklärt - er stellte aber Bedingungen, darunter auch die Aufhebung einiger Sanktionen.

Der selbst wegen des Krieges lange mit Sanktionen belegte Dmitrijew soll als Sondergesandter des russischen Präsidenten für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Staaten unter anderem mit Trumps Beauftragten Steve Witkoff beraten. Die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Russland und den USA sei nicht leicht und könne nur schrittweise erfolgen.

Nadja Lissok

Nato-Alliierte versprechen Ukraine dieses Jahr bereits 20 Milliarden Euro 

Bekommt die Ukraine noch die Militärhilfe, die sie für den Abwehrkampf gegen Russland braucht? Der Kurs von US-Präsident Donald Trump weckte daran zuletzt Zweifel. Die Nato nennt jetzt eine neue Zahl: „In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben Alliierte bereits Sicherheitsunterstützung im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro für das Jahr 2025 zugesagt“, sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Im vergangenen Jahr hatten die Alliierten Sicherheitsunterstützung im Wert von rund 50 Milliarden Euro für die Ukraine mobilisiert. Angesichts der Friedensbemühungen von Trump wurde zuletzt allerdings befürchtet, dass die militärische Unterstützung zumindest von den USA drastisch zurückgefahren wird, um einen Waffenstillstand zu erzwingen. Derzeit liefern die USA noch Militärhilfe, sie wurde zwischenzeitlich allerdings kurz ausgesetzt.

Zur Vermittlungsinitiative von Trump sagte Rutte, er unterstütze die Bemühungen, diesen schrecklichen Krieg auf gerechte und dauerhafte Weise zu beenden. Er spreche Trump seine Anerkennung dafür aus, dass er die Blockade durchbrochen habe. Zugleich würdigte Rutte die Anstrengungen Großbritanniens, Frankreichs und anderer Länder, Sicherheitsgarantien für die Ukraine vorzubereiten. Diese könnten dann wirksam werden, wenn Kiew einem von den USA vermittelten Waffenstillstand zustimmen würde.

Anlass für die Pressekonferenz von Rutte war ein Treffen der Nato-Außenminister, das an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel organisiert wird. Es wird erwartet, dass die Vereinigten Staaten bei den Beratungen erneut eine massive Erhöhung der Militärausgaben der europäischen Partner einfordern. Eine neue Zielvorgabe soll beim nächsten Gipfeltreffen im Juni in Den Haag vereinbart werden.

Russischer Sondergesandter zu Gesprächen in Washington erwartet

Ein Abgesandter der russischen Regierung reist einem Medienbericht zufolge in dieser Woche zu Gesprächen in die US-Hauptstadt Washington. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte das geplante Treffen. Russland führe den Dialog mit den USA über eine Beendigung des Kriegs in der Ukraine auf unterschiedlichen Kanälen fort. 

Zuvor hatte der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf einen Vertreter der USA und zwei Personen, die mit den Plänen vertraut sind, über ein mögliches Treffen berichtet. Kirill Dmitrijew, der Abgesandte Russlands, treffe sich mit Steve Witkoff, dem Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump, zu Gesprächen über die Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. 

Dmitrijew ist Chef des russischen Staatsfonds und wurde im vergangenen Monat zum Sondergesandten für Wirtschafts- und Investmentkooperationen ernannt. Als enger Berater Putins reiste er im Februar mit russischen Spitzenbeamten nach Riad in Saudi-Arabien, um an Gesprächen über ein mögliches Ende des Kriegs in der Ukraine teilzunehmen. 

Es ist das erste Mal, dass ein hochrangiger russischer Beamter zu Gesprächen nach Washington reist, seitdem Russland im Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert ist. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern hat sich seit dem Beginn von Präsident Donald Trumps zweiter Amtszeit etwas verbessert. Der Besuch kann als weiterer Schritt der Annäherung gedeutet werden. 

Julia Daniel

Russen bombardieren im Grenzgebiet Belgorod eigenen Damm 

Die russische Armee hat Moskauer Militärbeobachtern zufolge im Grenzgebiet Belgorod einen eigenen Damm mit einer Fliegerbombe zerstört. Ein in sozialen Netzwerken kursierendes Video zeigte den Einschlag des mutmaßlich drei Tonnen wiegenden Sprengsatzes. Der Einsatz sei bei dem Dorf Popowka nur wenige Hundert Meter von der ukrainischen Grenze entfernt erfolgt. Damit soll die Verlegung von schwerer ukrainischer Panzertechnik verhindert werden.

Seit knapp zwei Wochen toben Kämpfe um den nahe gelegenen Ort Demidowka. Die ukrainische Seite kommentierte den Vorstoß in das Gebiet Belgorod bisher nicht. Das russische Verteidigungsministerium informierte über abgewehrte Angriffe. Ukrainische Militärbeobachter kennzeichnen das Gebiet als umkämpft. In der benachbarten Region Kursk hatten ukrainische Einheiten monatelang ein größeres Gebiet besetzt, mussten sich aber zuletzt weitgehend zurückziehen. 

Julia Daniel

Gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen

Russland hat die Ukraine nach einer Nacht ohne Drohnenangriffe wieder aus der Luft attackiert. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij warf Moskau einmal mehr Verstöße gegen die Abmachung vor, gegenseitig keine Energieanlagen mehr anzugreifen. „Nicht einmal eine Teilwaffenruhe will (der russische Präsident Wladimir) Putin sicherstellen“, schrieb der Staatschef bei Telegram. Es brauche daher neuen und spürbaren Druck auf Russland, um den Krieg einem Ende näherzubringen. Selenskij zufolge hat in der Region Sumy eine Drohne ein Umspannwerk getroffen. In der Region Dnipropetrowsk ist eine Stromleitung durch einen Artillerieschlag beschädigt worden. Fast 4000 Kunden in beiden Regionen seien dadurch ohne Stromversorgung.

In der Region Saporischschja wurde nach Angaben des Gouverneurs, Iwan Fedorow, ein Mensch getötet. Zwei Personen wurden verletzt. Einen massiven Angriff mit 15 Drohnen gab es nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow auch auf die östliche Millionenstadt Charkiw. Dabei seien acht Menschen verletzt worden. Der Angriff galt dem Zivilschutz zufolge Gebäuden ziviler Unternehmen, jedoch wurden auch anliegende Wohnhäuser beschädigt. Nach Angaben der ukrainischen Flugabwehr griff Russland mit 74 Drohnen und Drohnenattrappen an. Davon seien 41 abgeschossen worden.

Russland wirft der Ukraine im Gegenzug vor, in den vergangenen 24 Stunden zweimal russische Energieanlagen angegriffen zu haben. Die Ukraine habe bei den Attacken in der Oblast Kursk Drohnen und Geschosse eingesetzt, teilt das russische Verteidigungsministerium mit. In der Nacht seien 93 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet, vor allem über der Grenzregion Kursk, zerstört zu haben. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich kaum unabhängig überprüfen.

Leopold Zaak

Selenskij erhofft sich Taurus-Lieferung von Merz

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij hofft darauf, dass der wohl künftige Kanzler Friedrich Merz (CDU) seinem Land den Marschflugkörper vom Typ Taurus zur Verfügung stellt. Auf die Frage, ob er erwarte, dass Merz als Kanzler schnell über die Lieferung entscheiden werde, antwortete Selenskij bei einem Treffen mit der geschäftsführenden Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in Kiew: „Wir werden daran arbeiten.“ Man führe dazu Gespräche. Zu Details wolle er sich aber nicht äußern, bevor Merz das Amt übernommen habe, fügte Selenskij hinzu. Auf Nachfrage, ob es seine Hoffnung sei, dass Merz sich zu einer Lieferung von Taurus entschließe, sagte er: „Ja, natürlich.“ Es sei sogar „ein klein wenig mehr als Hoffnung“. 

Baerbock sagte auf die Frage zu Taurus, als ausscheidende Ministerin könne sie keine Entscheidung der neuen Regierung vorneweg nehmen. Sie fügte allerdings hinzu, die CDU habe im Bundestag immer wieder deutlich gemacht, wie wichtig weitreichende Waffen für die Ukraine seien. Merz hatte Ende Februar die Frage offen gelassen, ob die Bundesregierung unter seiner Führung den durchschlagskräftigen Taurus-Marschflugkörper wie gewünscht an die Ukraine liefern würde. Die Ukraine müsse die Systeme bekommen, die sie zur Verteidigung benötige, auch Marschflugkörper. „Ob es dann der Taurus ist oder ein anderes System, das muss man sehen und im Kreise der europäischen Verbündeten abstimmen.“ Zugleich warnte Merz damals, Deutschland dürfe sich nicht in den Krieg in der Ukraine hinein begeben. „Deutschland darf nicht Kriegspartei werden“, sagte er. Der geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt eine Taurus-Lieferung an die Ukraine strikt ab, weil er fürchtet, dadurch könne Deutschland in den Krieg hineingezogen werden.

Kassian Stroh

Nach Polen und dem Baltikum: Auch Finnland will aus Antipersonenminen-Vertrag aussteigen

Die finnische Regierung bereitet wegen der „langfristigen Bedrohung“ Europas durch den Nachbarn Russland offiziell den Ausstieg aus der sogenannten Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen vor. „Finnland sieht sich derzeit nicht mit einer unmittelbaren militärischen Bedrohung konfrontiert“, erklärte Ministerpräsident Petteri Orpo. Der Schritt ermögliche dem Land aber, sich besser auf die grundlegenden Veränderungen der Sicherheitslage in Europa vorzubereiten.

Das Abkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung gilt seit März 1999. Finnland unterzeichnete die Vereinbarung im Jahr 2012. Wichtige Staaten wie die USA, Russland, China und Indien haben sich dem Vertrag nicht angeschlossen.

Russland habe in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine Antipersonenminen eingesetzt, teilte die Regierung Finnlands mit. Das Nato-Mitglied hat eine etwa 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Es will seine Verteidigungsausgaben bis 2029 auf mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöhen.

Die finale Entscheidung über den Ausstieg aus der Konvention obliegt dem Parlament, die tatsächliche Wiedereinführung der Minen für die finnische Armee dürfte einige Zeit dauern. Mitte März hatten auch die Verteidigungsminister von Polen und den drei baltischen Staaten in einer gemeinsamen Erklärung den Rückzug ihrer Länder aus dem Ottawa-Übereinkommen empfohlen.

Kassian Stroh

Baerbock: Keine Moskauer Vorbedingungen für Waffenruhe

Deutschlands geschäftsführende Außenministerin Annalena Baerbock verlangt vom russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Waffenstillstand in der Ukraine ohne jede Vorbedingungen. „Die Ukraine hat deutlich gemacht, sie ist dazu nicht nur bereit, sondern sie akzeptiert einen Waffenstillstand ohne Vorbedingungen“, sagte die Grünen-Politikerin bei einem Treffen mit ihrem ukrainischen Kollegen Andrij Sybiha in Kiew. „Derjenige, der das nicht tut, ist der russische Präsident.“ 

Die Realität zeige, dass Putins Strategie nicht Frieden, sondern weitere Zerstörung sei. Das belegten andauernde russische Angriffe auf ukrainische Wohnhäuser und Energieinfrastruktur, sagte Baerbock. „Daher ist für uns Europäer auch klar: Es kann keine Aufhebung von Sanktionen ohne Frieden geben.“ Als einen ersten Schritt zur Vertrauensbildung forderte sie, dass Russland verschleppte ukrainische Kinder zurückgibt. Außenminister Sybiha verlangte, den Sanktionsdruck auf Russland zu verstärken. Moskau sei eine „existenzielle Bedrohung“.

Philipp Saul

Erste Nacht ohne Drohnenangriffe auf die Ukraine im Jahr 2025

Nächtliche russische Drohnenangriffe gehören in vielen Regionen der Ukraine zum traurigen Kriegsalltag. Die Nacht zum 1. April war daher ungewöhnlich. Zum ersten Mal im Jahr 2025 registrierte die ukrainische Luftwaffe keine russischen Drohnenangriffe. Zuletzt gab es das im Dezember. Allerdings habe Russland zwei Marschflugkörper abgefeuert. Beide Raketen seien rechtzeitig abgeschossen worden.

Das russische Militär griff in den vergangenen drei Monaten täglich Ziele im ukrainischen Hinterland vor allem in der Dunkelheit mit Dutzenden Kampfdrohnen an. Seit Jahresbeginn wurden dabei nach Kiewer Zählung mehr als 10 700 Kampfdrohnen und Köderdrohnen eingesetzt. Diese tragen keinen Sprengstoff, sondern sollen die ukrainische Flugabwehr ablenken. Allein im März waren es den Angaben zufolge mehr als 4200 Flugobjekte.

Die USA wollen zwischen Russland und der Ukraine eine Waffenruhe und anschließend eine Friedenslösung vermitteln und haben dabei Moskau mit neuen Sanktionen gedroht. Ob das Aussetzen der Drohnenangriffe damit in Verbindung steht oder eine andere Ursache hat, ist unklar.

Philipp Saul

Baerbock zu Besuch in Kiew: Nicht auf Putins Hinhaltetaktik einlassen

Die geschäftsführende Außenministerin Annalena Baerbock warnt die USA, Kremlchef Wladimir Putin in den Verhandlungen mit Russland über einen Waffenstillstand in der Ukraine auf den Leim zu gehen. „Es ist Putin, der auf Zeit spielt, keinen Frieden will und seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg fortsetzt“, erklärte die Grünen-Politikerin zum Auftakt ihres Abschiedsbesuchs in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, wo sie am Morgen eintraf. Deutschland stelle der Ukraine weitere 130 Millionen Euro an humanitärer Hilfe und Stabilisierungsmitteln zur Verfügung.

Die Ukraine sei zu einem sofortigen Waffenstillstand bereit, sagte Baerbock. Über Putin sagte sie: „Er simuliert Verhandlungsbereitschaft, weicht aber von seinen Zielen keinen Millimeter ab. Wir dürfen uns von Putin und seinen Claqueuren nicht blenden lassen. Denn ein Suggerieren von Frieden ist noch kein Frieden.“ Beim Nato-Außenministertreffen in Brüssel am Donnerstag und Freitag werde man auch gegenüber der US-Seite „deutlich machen, dass wir uns auf Putins Hinhaltetaktik nicht einlassen dürfen“.

Die Ministerin war mit einem Sonderzug nach Kiew gereist. Aus Sicherheitsgründen wurde der Besuch vor der Ankunft geheim gehalten.

Die geschäftsführende Außenministerin will mit ihrem Besuch in Kiew ein Zeichen setzen, schreibt Daniel Brössler: Die Europäer stünden „ohne Wenn und Aber“ an der Seite der Ukraine. Bei ihrer Reise stimme sie sich auch mit der CDU ab (SZ Plus):

Kassian Stroh

Selenskij erinnert an die Kriegsverbrechen von Butscha

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat am Jahrestag der Befreiung Butschas, einer Kleinstadt nahe Kiew, eine Bestrafung Russlands für die Kriegsverbrechen gefordert. „Für all das müssen russische Verbrecher unbedingt zur Verantwortung gezogen werden“, forderte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Die europäischen Diplomaten hätten mit ihrer Beteiligung an einer Gedenkveranstaltung in Butscha gezeigt, dass sie die moralischen Lehren aus dem Krieg nicht vergessen habe. 

Die Kleinstadt Butscha war in den ersten Kriegstagen von russischen Truppen besetzt worden. Nach ihrer Befreiung durch die ukrainischen Streitkräfte wurden in den Straßen getötete Zivilisten gefunden – manche mit gefesselten Händen. Die Stadt wurde damit zum Symbol für russische Kriegsverbrechen. Die Vereinten Nationen bestätigten später in einem Bericht den Tod von Dutzenden Zivilisten. Russische Offizielle weisen den Vorwurf eines Kriegsverbrechens bis heute zurück und sprechen von einer Inszenierung. 

Kassian Stroh

Polen und Lettland investieren in Flugabwehr

An der Außengrenze der Nato zu Russland und Belarus wird mehr Luftverteidigung aufgebaut. Die polnische Regierung wird nach eigenen Angaben mit den USA ein Abkommen zur Unterstützung für das Flugabwehrraketensystem Patriot im Wert von etwa zwei Milliarden Dollar unterzeichnen. Das Abkommen umfasst logistische und technische Unterstützung sowie Ausbildung. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sagte, für die Sicherheit des polnischen Luftraums sei kein Preis zu hoch. Die Raketenabwehr und die Zusammenarbeit mit den USA hätten für Polen Priorität.

Das Verteidigungsministerium in Lettland teilte mit, tragbare Flugabwehrraketensysteme vom Typ RBS 70 NG im Wert von 200 Millionen Euro erwerben zu wollen. Darüber sei ein entsprechender Kaufvertrag mit dem schwedischen Hersteller Saab unterzeichnet worden. Das Rüstungsgeschäft umfasse 70 Waffensysteme samt Raketen und dazugehöriger Ausrüstung, die zwischen 2026 und 2030 schrittweise an das baltische EU- und Nato-Land ausgeliefert werden sollen. Lettland besitzt bereits RBS 70 NG, die von der Armee den Angaben zufolge zum Schutz wichtiger Einrichtungen und des Luftraums genutzt werden. 

Verteidigungsminister Andris Sprūds sagte, die Anschaffung der Flugabwehrraketensysteme sei von „entscheidender Bedeutung“ für die Luftverteidigung Lettlands. Damit könnten bei Bedarf nicht nur feindliche Drohnen, sondern auch viel größere, tief fliegende Ziele wie Hubschrauber und Kampfflugzeuge abgeschossen werden.

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