CDU: "In der Partei brodelt es"

vor 19 Stunden 1

Für Friedrich Merz und seine CDU läuft es gerade wahrlich nicht gut. Am Donnerstagabend wurde der neue ARD-Deutschlandtrend veröffentlicht. Die Union fällt um drei Prozentpunkte auf 26 Prozent. Die AfD gewinnt drei Punkte auf 24 Prozent. Es ist eine für Merz besorgniserregende Entwicklung. Auch wegen seiner persönlichen Werte. Laut Deutschlandtrend sind nur noch 25 Prozent mit der Arbeit des CDU-Vorsitzenden und wahrscheinlichen nächsten Kanzlers zufrieden. Merz liegt damit deutlich hinter CSU-Chef Markus Söder und SPD-Chef Lars Klingbeil.

Der Unmut an der CDU-Basis über die bisher geringen Erfolge der Union bei den Koalitionsverhandlungen ist gewaltig. Und der Aufklärungsbedarf über das, was da gerade in Berlin vorgeht, entsprechend groß. Sogar CDU-Bundesvorstandsmitglieder fühlen sich von Merz nicht ausreichend informiert. Einige hatten deshalb darauf gehofft, wenigstens am Montag auf einer Vorstandssitzung in Berlin mehr zu erfahren. Doch auch daraus wird jetzt nichts - am Donnerstag um kurz nach 19 Uhr bekamen die Vorstandsmitglieder eine lapidare Email von einer Mitarbeiterin der CDU-Zentrale geschickt. "Aufgrund der laufenden Koalitionsverhandlungen" finde die Sitzung nicht statt, steht in der Mail. "Wir kommen zeitnah mit einem neuen Termin auf Sie zu. Mit der herzlichen Bitte um Verständnis!"

Doch mit diesem Verständnis ist es bei mehreren Mitgliedern nicht weit her. Denn eigentlich sollte es in der jetzt abgesagten Vorstandssitzung genau um diese Koalitionsverhandlungen gehen.

Am 31. März hatte die CDU-Zentrale eine Einladung "An die Damen und Herren des Bundesvorstandes der CDU Deutschlands" verschickt. "Sehr geehrte Damen und Herren, im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden, Herrn Friedrich Merz MdB, lade ich Sie ein zu einer Sitzung des Bundesvorstandes am Montag, den 7. April 2025, um 11:00 bis 13:00 Uhr", stand da. Unterschrieben war die Einladung von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Und auf der vorgesehenen Tagesordnung stand neben "Bericht des Vorsitzenden" und  "Bericht des Generalsekretärs" als dritter Tagesordnungspunkts auch "Aktueller Stand Koalitionsverhandlungen 2025". Ansonsten stand nur noch "Verschiedenes" auf der Tagesordnung. Sowohl die Absagemail wie auch die ursprüngliche Einladung zur Vorstandssitzung liegen der Süddeutschen Zeitung vor.

„In der Partei brodelt es überall und der Vorsitzende und der Generalsekretär meinen, in dieser Situation stellt man am besten sogar noch die Kommunikation mit seinem Führungsgremium ein“, sagte ein Bundesvorstandsmitglied der SZ. Und ein anderes ätzte, wenn Merz weiter derart schlecht agiere, werde er bald sogar noch unbeliebter als SPD-Chefin Saskia Esken sein. Die liegt im ARD-Deutschlandtrend mit einem Zufriedenheitswert von 13 Prozent allerdings noch deutlich hinter Merz.

Wie groß der Unmut in der Union inzwischen ist, zeigt beispielhaft auch ein Antrag der Jungen Union Köln. Darin werden die Zwischenergebnisse der Koalitionsverhandlungen als „politisches Desaster“ bezeichnet. Und CDU-Chef Merz wird aufgefordert: "Wenn Sie diese Partei wirklich führen wollen, dann führen Sie sie bitte auch – und zwar mit Haltung, Profil und Rückgrat." Denn wenn der aktuelle Kurs nicht sofort korrigiert werde, "gefährden Sie nicht nur das Profil der CDU - Sie zerstören auch das Vertrauen der Menschen und das Engagement der Mitglieder".

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