Westjordanland: 15-jähriger Palästinenser bei israelischer Razzia getötet

vor 1 Stunde 1

Israelische Sicherheitskräfte haben mehrere Razzien im Westjordanland durchgeführt. Dabei wurde ein 15-jähriger Palästinenser erschossen, zwei Menschen wurden verletzt.

Quelle: DIE ZEIT, AP, AFP, Aktualisiert am 29. Juni 2026, 22:55 Uhr

 Bei israelischen Razzien im Westjordanland wurde ein 15-jähriger Palästinenser erschossen.
Bei israelischen Razzien im Westjordanland wurde ein 15-jähriger Palästinenser erschossen. © Mosab Shawer/​AFP/​Getty Images

Israelische Sicherheitskräfte haben Razzien in verschiedenen Teilen des besetzten Westjordanlands durchgeführt. Das Gesundheitsministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde teilte mit, in der Nähe von Ramallah sei dabei ein 15-jähriger Palästinenser aus Jerusalem durch einen Kopfschuss getötet worden.

Rettungskräfte brachten den getöteten Jugendlichen nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen in ein Krankenhaus, wie die Hilfsorganisation Roter Halbmond mitteilte. In der Nähe von Hebron seien zwei weitere Menschen bei einer Razzia durch Schüsse israelischer Sicherheitskräfte verletzt worden, teilte die Hilfsorganisation weiter mit.

Das israelische Militär teilte mit, während eines Einsatzes sei es zu »gewalttätigen Ausschreitungen« gekommen. Soldaten seien mit Steinen beworfen worden. »Die Soldaten reagierten mit Schüssen auf einen Verdächtigen in der Gegend. Ein Treffer wurde festgestellt«, teilte die Armee mit. Die Gouverneurin von Ramallah und Al-Bireh, Laila Ghannam, sprach von einer »Hinrichtung am helllichten Tag«

Bericht über getötete Kinder

Die palästinensische Nachrichtenagentur wafa berichtete, der Einsatz nahe Ramallah, dem Verwaltungssitz der Palästinenser im Westjordanland, sei Teil von mehreren Razzien im Westjordanland an diesem Montag gewesen. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha wurden seit Jahresbeginn im Westjordanland mindestens 59 Palästinenser von israelischen Siedlern und Soldaten getötet.

Nach Angaben der israelischen Nichtregierungsorganisation B'Tselemm sind seit dem 7. Oktober 2023 im Westjordanland mehr als 200 palästinensische Minderjährige durch israelische Soldaten getötet worden. Das sind so viele wie nie seit 1967. Zwischen dem Terrorangriff der Hamas und Beginn des Gaza-Kriegs 2023 und dem 28. Juni 2026 haben israelische Soldaten demnach insgesamt 1.086 Palästinenser im besetzten Westjordanland getötet, davon 241 Kinder und Jugendliche, heißt es in einem Bericht. Im selben Zeitraum wurden in dem Gebiet nach israelischen Angaben mindestens 46 Israelis, Soldaten und Zivilisten, getötet.

Armee weißt Bericht zurück

54 palästinensische Kinder und Jugendliche seien seit Jahresbeginn getötet worden, heißt es in dem Bericht. Damit habe sich die durchschnittliche Zahl der Toten im Vergleich zum Zeitraum 2005 bis 2021 (durchschnittlich 13 durch die israelische Armee getötete palästinensische Minderjährige) mehr als vervierfacht. 29 der getöteten Minderjährigen waren demnach jünger als 16 Jahre, das jüngste Opfer zwei Jahre alt, hieß es.

Verantwortlich für die hohe Zahl an Tötungen sei unter anderem eine fehlende Rechenschaftspflicht. Laut B'Tselem hat es im Zusammenhang mit den Tötungen seit Oktober 2023 keine Anklage gegeben, einschließlich der Fälle, in denen die Getöteten Minderjährige waren. »Das System unterstützt nicht nur diejenigen, die den Abzug betätigen – es erteilt ihnen faktisch eine Lizenz zum Töten«, sagte Geschäftsführerin Yuli Novak.

Die israelische Armee wies die Anschuldigungen zurück. Etwa 96 Prozent der in den Jahren 2023 und 2024 Getöteten seien an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen, sagte ein Armeesprecher auf Anfrage. Zudem untersuche man jede Behauptung über Schäden an unbeteiligten Zivilisten und sei bestrebt, Schäden so weit wie möglich zu mindern, teilte das Militär mit.

Gesamten Artikel lesen