»Tatort« aus dem Schwarzwald: »Innere Angelegenheiten« mit Tobler und Berg

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Denn in einer Disco in Freiburg wurde ein Rocker erschlagen, und die Verantwortlichen hinter diesem Krimi haben sich dazu entschlossen, die Aufklärung der tödlichen Tat in ausholenden, übereinandergelagerten Dialogschleifen zu inszenieren: Kommissarin Tobler (Eva Löbau) muss am Tatort mit Deeskalationskommunikation das rachedurstige Rocker-Rudel in Schach halten. Kollege Berg (Hans-Jochen Wagner) knöpft sich im verbalen Clinch auf dem Revier dem Hauptverdächtigen vor, einem Kleinkriminellen mit migrantischen Wurzeln. Vor allem aber wird in einer Gruppe von Bereitschaftspolizisten darüber debattiert, was man in dem Bericht schreiben soll, der über ihren Einsatz in der Tatnacht geschrieben werden muss.

Haben die Beamten Dreck am Stecken?

Spätestens hier nimmt das Dauerdialogisieren abstruse Ausmaße an. Die sechs Polizisten sind offenbar problematisch in den Tathergang verstrickt und liegen im Disput darüber, ob sie das offenlegen oder vertuschen sollen. Also parken sie ihren Mannschaftswagen unter einer Brücke, um sich in verschiedenen Konstellationen die Köpfe heißzureden. Davon abgesehen, dass es schwer vorstellbar ist, dass sich so ein halbes Dutzend Beamte mal einfach für mehrere Stunden aus Funkverbindung und Einsatzbereitschaft ausklinken kann, wirken die Gesprächsaufstellungen konstruiert.

Regisseur Robert Thalheim und Drehbuchautor Bernd Lange zeichnen für ein paar der knorrigsten und schwärzesten Schwarzwald-Episoden verantwortlich, zuletzt für das Geschwisterdrama »Der Reini«, in dem Kommissar Berg seinen Bruder verlor. Ging es in der alten Folge um fatale familiäre Verbindungen, verhandeln die Filmemacher nun den unheilvollen Korpsgeist unter Polizisten.

Wobei »verhandeln« wörtlich zu nehmen ist. Mal ziehen die Uniformträger mit schwerer Montur in Zweiergruppen ziellos durch die dunklen Straßen und streiten sich unter vier Augen darüber, was ihnen die Zwangsgemeinschaft bringt und wie sie aus ihr ausbrechen könnten. Mal debattieren sie zu sechst im Rund das Für und Wider eines frisierten Berichts für die Vorgesetzten.

Dass es zwischenzeitlich zu ein paar Handgreiflichkeiten kommt, entfaltet leider genauso wenig Druck oder Dynamik wie die Tatsache, dass der Plot auf die wenigen Stunden in der Nacht verdichtet ist. Wenn am Ende der Tag anbricht, fühlt man sich, als hätte man an einem überlangen Stuhlkreis teilgenommen.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

»Tatort: Innere Angelegenheiten«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

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