Astrid Drews, Zuschauerin:
»Es wühlt einfach auf. Also am liebsten würde ich so, aber … Ich bin froh. Sehr froh, dass ich den Schritt gestern gegangen bin. Einfach, ohne noch lange darüber nachzudenken. Tropf. Köfferchen gepackt. Tasche. Du, so mir ist alles egal: Ich fahre dahin.«
Kurz nach sechs Uhr morgens auf der Insel Poel. Medien und Wal-Fans sind schon wach. Seit 17 Tagen ist hier ein Buckelwal gestrandet – einige nennen ihn Hope, einige Timmy. Die offizielle Hilfe für das Tier war eingestellt, da hieß es am Mittwoch plötzlich: Die Behörden billigen den Rettungsversuch einer privaten Initiative. Astrid Drews ist extra aus Ostfriesland angereist, um dabei zu sein.
Astrid Drews, Zuschauerin:
»Ganz schlicht und ergreifend, um meine Energie zum Hope zu schicken. Es ist damit zu rechnen, dass er es nicht überleben wird. Aber er kommt hier weg von dieser Schlachtbank, weil da hängt er. Für mich ist das eine Schlachtbank. Da sitzt er, da, er ist festgehalten worden. Er hat ja schon mehr als genug Versuche gezeigt, sich aus dieser Situation zu befreien.«
Näher als bis zu diesem Zaun lässt die Polizei die Menschen nicht an den Wal heran. Das Schicksal des Tieres bewegt viele – hier vor Ort und online.
Susanne Somma, Zuschauerin:
»Zwei Nächte haben wir uns um die Ohren geschlagen, um zu gucken, dass wir was erreichen und dass der Wal gerettet wird. Und das haben wir ja jetzt endlich geschafft.«
Susanne Somma, Zuschauerin:
»Also, hier. Das ist unsere Gruppe. Hoffnungsträger …«
Susanne Somma trommelt in den Sozialen Medien seit Tagen für eine Rettung des Tieres. Warum geht ihr der Wal so nah?
Susanna Somma, Zuschauerin:
»Weil es ein wunderschönes Geschöpf ist, und es muss einfach gerettet werden. Es kann ja nicht sein, dass er da liegen lassen wird. Und der wurde ja in der Presse totgesagt. Aber da stand: Der Wal ist tot, und wir standen hier nachts live vor Ort, und der war alles andere als tot. Und ich wollte das nicht so stehen lassen. Wir haben Tausende Emails geschrieben und alles versucht in die Wege zu leiten, was ging.«
Somma und andere werfen den Behörden zumindest Untätigkeit vor, wenn nicht Versagen. Ihre Informationsquelle dabei oft: Social Media.
Dirk Briese, Zuschauer:
»Der eine sagt: Lass ihn in Ruhe. Der Nächste sagt wieder: Helft ihm. Was ist jetzt das Richtige? Man weiß es nicht. Aber ich finde es schade, dass der Staat da nicht eingreift. In die Ukraine – um mal ein bisschen politisch zu werden – werden Millionen hingeschickt, und wenn so ein weiches Licht ist, müssen es irgendwelche privaten Investoren mit ihren Geldsummen kommen und dann quasi da für irgendwelche Bewegung sorgen.«
Nicole Dopatka, Zuschauer:
»Ich finde, man hätte viel, viel früher handeln müssen. Er hat einfach in der Zeit, die er gelegt, sehr viel Kraft verloren, sehr viel an Muskeln abgebaut und ich glaube, das wird echt ein Hindernis werden.«
Der Wal liegt seit dem 31. März vor Poel. Ein von der Landesregierung beauftragtes Gutachten kam zu dem Schluss: Ihm sei nicht mehr zu helfen. Warum gab Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gab dann doch grünes Licht für den Versuch, den Buckelwal mithilfe von Luftkissen und Pontons in tiefere Gewässer zu schleppen.
Till Backhaus, Umweltminister MV:
»Ich hoffe immer noch, dass es gelingt, weil am Ende ist das ein Projekt, das ja auch deutlich macht, dass wir uns kümmern, Entscheidung treffen, Verantwortung übernehmen und am Ende dann natürlich auch für die Zukunft und Ausrichtung. Denn der nächste Wal kommt bestimmt.«
Viele Anwohner auf Poel haben mittlerweile genug von dem Wal-Fieber.
Jörn Hinzpeter, Einwohner:
»Ja, die sind schon genervt von diesen … Das sind ja keine richtigen Touristen, das sind ja Demo-Touristen.«
Astrid Drews, Zuschauerin:
»Wir sind keine Demo-Touristen.«
Jörn Hinzpeter, Einwohner:
»Ja, die brüllen sich dahinten auf dem Parkplatz gegenseitig an.«
Astrid Drews, Zuschauerin:
»Wir sind keine Demo-Touristen.«
Jörn Hinzpeter, Einwohner:
»Jetzt rede ich, wenn du redest, bist du dran«
Jörn Hinzpeter, Einwohner:
»Ja, die brüllen sich dahinten auf dem Parkplatz gegenseitig an. Untereinander machen sie sich Stress, uns machen die keinen Stress.«
Die Stimmung angespannt, die Erwartungen an den Rettungsversuch: riesig. Aber dann passiert lange: wenig. Hinter der Rettungsaktion stehen zwei Millionäre. Ob der geplante Abtransport des Wales seine Überlebenschancen erhöht, ist nicht garantiert. Umweltorganisationen kritisieren den Plan. Dann, sechs Stunden später als geplant, gehen die ersten Walretter ins Wasser und nähern sich dem Tier, befeuchten seine angegriffene Haut. Die Walfans hinter dem Absperrzaun verfolgen jeden Handgriff in der Sperrzone.
Zuschauerin:
»Ich möchte einfach nur, dass sie diesen Wal retten.«
Bea Götzke, Streamerin:
»Genau. Vier Leute stehen direkt vorne bei ihm.«
Und natürlich wird auch online berichtet.
Bea Götzke, Streamerin:
»Ich bin gerade live auf TikTok. Ich verfolge das ja von Anfang an und hab in den letzten Wochen eine Menge Reichweite gesorgt.«
Über TikTok hat sich auch Astrid Drews über den Wal informiert. Sie steht immer noch am Zaun:
Astrid Drews, Zuschauerin:
»Seit heute Morgen halb sechs, ging das hoch und runter. Emotional. Ich weiß nicht, ob mein Cortisolspiegel inzwischen ist. Jetzt natürlich das Sehen, dass endlich was passiert, macht mich natürlich froh und glücklich. Deswegen habe ich auch endlich wieder ein Lächeln im Gesicht. Also, ich bleibe bis Samstag auf jeden Fall hier, und ich hoffe, dass er bis dahin hier aus der Bucht raus ist.«
Nach etwa einer Stunde verlassen die Helfer wieder das Wasser. Die Rettungsaktion geht langsamer voran, als viele gehofft hatten. Die entscheidende Phase der Rettung wird für Freitag erwartet.

vor 3 Stunden
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