Rettungsteam weist Kritik zurück »Der Wal hat eine reelle Chance, dort wegzukommen«
Fachleute hatten Zweifel, ob die erneute Rettungsaktion des gestrandeten Wals vor Poel dem Tier womöglich mehr schadet als nützt. Die Verantwortlichen halten dagegen: Das Tier müsse aus seinem Gefängnis raus.
17.04.2026, 13.25 Uhr
Gestrandet vor Poel: Der Wal hat sich am Freitag überraschend heftig bewegt
Foto: Jens Büttner / dpaAutomatisch erstellt mit KI. Mehr Informationen dazu hier.
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Ist der vor der Ostseeinsel Poel gestrandete Buckelwal noch zu retten oder nicht? Fachleute sind sich uneins. Nun haben sich erstmals die Retter in einer Pressekonferenz im Hafen von Kirchdorf geäußert. »Wir versuchen im Sinne des Tieres, es ohne Stress aus dieser misslichen Lage zu befreien«, sagte Janine Bahr von Gemmert, Tierärztin von der Insel Föhr, die Erfahrung im Umgang mit Robben und Schweinswalen hat, wie sie weiter sagte. Der Wal habe eine reelle Chance, dort wegzukommen.
Der Buckelwal war das erste Mal Anfang März in der Ostsee aufgetaucht und ist bereits viermal gestrandet. Seit über zwei Wochen liegt das Tier in etwa bauchtiefem Wasser vor der Insel Poel. Die Chance, dass es sich von selbst freischwimmen kann, halten Fachleute für gering.
Überraschende Erlaubnis
Anfang April hieß es, die Versuche, den Wal zu befreien, würden eingestellt, nachdem Fachleute in einem Gutachten zu dem Schluss gekommen waren, der Wal sei nicht mehr zu retten. »Das Tier würde die Belastung eines langen Transportes in die Nordsee nicht überstehen«, heißt es darin. »Aufgrund dessen ist eine Lebendbergung und Transport nicht möglich und vertretbar.«
Am Mittwoch erlaubte Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, überraschend doch noch einen weiteren Rettungsversuch. Dafür soll zunächst der Meeresboden unter dem Wal weggespült werden. Danach ist geplant, den etwa zwölf Tonnen schweren und zwölf Meter langen Meeressäuger auf einer Plane zwischen zwei Pontons zu platzieren, die an Leinen von einem Schlepper in Richtung Atlantik transportiert werden sollen. Weitere Details zur Rettung wollten die Verantwortlichen nicht nennen.
Kritik an der Rettung
Unter Experten ist die Aktion umstritten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich etwa nicht daran, weil nach den vorliegenden Informationen der Wal krank und stark geschwächt sei, so eine Sprecherin. »Alles, was ihn jetzt berührt, birgt die Gefahr, ihn weiter zu verletzen – und damit dem Tierwohl entgegenzuwirken«, sagte auch der Walexperte Fabian Ritter (Das Interview lesen Sie hier).
Die Verantwortlichen für die Rettungsaktion weisen die Kritik zurück. Das Tierwohl habe für sie Priorität, sie handelten nach bestem Wissen und Gewissen. »Wir können Kontakt mit dem Tier aufnehmen«, sagte Tierärztin Bahr von Gemmert. Es verstehe, dass ihm geholfen werden soll. Der Zustand des Wals habe sich gebessert, nachdem die Helfer ihn mit Tüchern abgedeckt und mit einer Salzlösung behandelt hätten.
Wal in Poel: Kann er gerettet werden?
Foto: Jens Büttner / dpaDie Veterinärin wertete es als gutes Zeichen, dass sich der Wal am Freitagvormittag überraschend heftig bewegt hatte. Er hatte mit der Schwanzflosse geschlagen und sich gedreht, als sich ein Helfer näherte. Nun liegt der Meeressäuger wieder scheinbar regungslos im Wasser. »Er hat sich heute beim Umdrehen fast so ein bisschen hin- und hergewälzt«, sagte Bahr von Gemmert. Das sei ein Zeichen, dass er keine großen Verletzungen habe. Der Wal zeige, dass er sich bewegen wolle.
Kein friedlicher Ort zum Sterben?
Den Wal ungestört sterben zu lassen, lehnt Bahr von Gemmert ab. An seinem jetzigen Standort sei es viel zu laut – ein friedlicher Tod dadurch nicht möglich. Auch sie wisse nicht, wie die Rettungsaktion ausgehen werde. Es sei denkbar, dass der Wal weiter draußen im Meer sterben werde, aber dann sei er zumindest aus seinem Gefängnis raus. Allerdings wird auch die Bergung mit Lärm verbunden sein – sollte sie gelingen, weil der Wal von einem Schlepper in Richtung offenes Meer gezogen werden soll.
Laut Schätzung des WWF sterben jedes Jahr 300.000 Wale, weil sie sich in Netzen und Leinen verfangen. Umweltorganisationen fordern deshalb etwa, Schleppnetze in Schutzzonen zu verbieten und ein Tempolimit für Schiffe, um den Lärm unter Wasser zu reduzieren und Kollisionen zu vermeiden. Auch der vor Poel gestrandete Wal hat Verletzungen, die von einer Schiffsschraube verursacht worden sein könnten.
Wie die Anwohner von Poel die Rettungsaktion erleben, können Sie hier nachlesen.

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