Chinesische Firmen sollen mit staatlicher Unterstützung jahrelang illegal Chipdesigner und Halbleiter-Ingenieure in Taiwan abgeworben haben. Im Dezember 2020 startete das taiwanische Ministry of Justice Investigation Bureau (MJIB) eine Untersuchung, die im März 2025 in großangelegten Durchsuchungsaktionen und Befragungen mündete.
Über 180 Ermittler haben vom 18. bis 27. März 34 Standorte von elf Unternehmen in sechs Städten durchsucht und 90 Individuen befragt. Die Firmen sollen sich teilweise als taiwanisch ausgegeben haben: Shenzhen Torey Microelectronics Technology Co., Ltd. etwa hat laut Bericht ohne Genehmigung und unter falschem Namen Büros in Tainan und Hsinchu eröffnet. Die Leiter sollen Forschungsergebnisse zur Chipentwicklung regelmäßig mit der chinesischen Mutter geteilt haben.
Der größte chinesische Chipauftragsfertiger Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) soll in Samoa eine Scheinfirma eröffnet haben. Über diese gründete SMIC laut Bericht ein Tochterunternehmen in Taiwan, unter dem Deckmantel ausländischer Investitionen. Insgeheim soll die Firma aktiv Talente aus Taiwan abgeworben haben.
TSMC im Fokus
Schon im Sommer 2020 machten Berichte die Runde, dass China unter anderem aggressiv TSMC-Ingenieure abwirbt. Kurz darauf begannen die Untersuchungen der taiwanischen Behörden.
Firmen sollen den damaligen Berichten zufolge mit üppigen Gehältern, Boni und Aufstiegsperspektiven gewunken haben. Frühere Ex-TSMC-Mitarbeiter bekamen hochrangige Posten: Shang-Yi Chiang etwa war von 1997 bis 2019 Forschungsleiter und später Chief Operating Officer (COO) bei TSMC, nahm dann aber den Chefposten beim chinesischen Chipauftragsfertiger HSMC an. Inzwischen ist HSMC pleite.
Chipanalysen ergaben 2022, dass SMICs 7-Nanometer-Fertigungsprozess vermutlich von TSMCs ersten 7-nm-Prozess N7 abgekupfert ist. Das Vorbild liegt nahe, da N7 TSMCs letzter Prozess ohne fortschrittliche Lithografie-Systeme mit extrem-ultravioletter (EUV-)Belichtungstechnik ist. Chinesische Hersteller kommen aufgrund von Handelseinschränkungen nicht an EUV-Lithografie-Systeme.
(mma)