Fiberdays 25: "Das Kupfernetz von heute sind die maroden Brücken von morgen"

vor 20 Stunden 1

Die Gemüter kochen hoch, wenn es auf der Digital- und Glasfasermesse Fiberdays 25 in Frankfurt am Main um die Kupfer-Glas-Migration in Deutschland geht. Wer Glasfasernetze baut, hat Schwierigkeiten, diese Netze auszulasten, schließlich funktionieren Netflix & Co auch mit 50 MBit/s über DSL. Die ausbauenden Telekommunikationsunternehmen hadern mit einer aus ihrer Sicht zögerlichen Politik. Timo von Lepel zog auf den Fiberdays 25 die Parallele zum Investitionsbedarf in Straße und Schiene. "Das Kupfernetz von heute sind die maroden Brücken von morgen", sagte der Geschäftsführer von NetCologne in Frankfurt am Main. "Wenn wir nicht bald auch marode Netze haben wollen, müssen wir jetzt den Sprung zum Glasfasernetz haben."

Aus Sicht Christof Sommerbergs, Bereichsleiter Public Affairs bei der Deutschen Glasfaser und Berichterstatter des FTTH Councils, profitieren alle von der Kupfer-Glas-Migration. "Der Incumbent kann Kosten sparen, der Wettbewerber kann bessere Produkte auf der Glasfaser verkaufen, der Endkunde profitiert, weil er eine stabilere Dienstleistung bekommt und die Gesellschaft profitiert durch solideres Wirtschaftswachstum", sagte Sommerberg in Frankfurt am Main.

Das Problem: Das DSL-Netz ist Eigentum der Deutschen Telekom, über das auch der Gesetzgeber nicht einfach verfügen kann. Nach dem Telekommunikationsgesetz (TKG) kann die Telekom die Abschaltung einzelner Netzabschnitte beantragen. Hier sehen die Wettbewerber allerdings eine Gefahr: Die Telekom könnte nur dort das DSL-Netz abschalten, wo sie ihre DSL-Kunden auf eigene Glasfasernetze migrieren kann. An Orten, wo auch Wettbewerber Glasfasernetze betreiben, könnte die Telekom ihre DSL-Netze weiter laufen lassen und den "Sprung zum Glasfasernetz" hinauszögern.


Wettbewerbsfreundliche Ausgestaltung der Kupfer-Glas-Migration ist aber längst nicht die einzige Herausforderung, denn bislang ist schlicht nichts festgelegt, nichts definiert. Es gibt keinen Fahrplan, wie eine solche Migration aussehen könnte. "Der Regulierer ist in der Bringschuld", sagte Karl-Heinz Neumann vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) und kritisierte die Regulierung als zu verrechtlicht und zu bürokratisch. Sommerberg fügte hinzu, dass der Regulierer auch bessere Werkzeuge benötige, um sich gegen den Ex-Monopolisten durchzusetzen.

Die Glasfasernetzbetreiber stehen jedenfalls in den Startlöchern. "Es gibt in Köln durchaus einige Viertel, die wir für eine Kupfer-Glas-Migration anbieten könnten", sagte von Lepel. "Wir dürfen aber laut TKG keinen Antrag stellen." Der NetCologne-Chef wünscht sich mehr Schwung für die Kupfer-Glas-Migration und weniger Bedenkenträgerei. "Es geht um Daseinsvorsorge und digitale Souveränität", mahnte von Lepel in Frankfurt am Main.

Neben dem Wie ist auch das Wann völlig offen. In anderen Ländern wurde mit der DSL-Abschaltung erst begonnen, als 70 bis 80 Prozent der Haushalte mit Glasfaser versorgt waren. Hierzulande liegt die Quote bei 48,8 Prozent versorgter Haushalte, wobei man einräumen muss, dass nur etwa bei der Hälfte dieser Haushalte die Glasfaser auch tatsächlich am Gebäude anliegt. "Wir sind noch weit weg von einer Abschaltung", resümiert Neumann daher und bringt eine Versorgungsquote mit Glasfaser von über 90 Prozent ins Spiel, bevor die Abschaltung der Kupfernetze beginnen könne.

Auf den Fiberdays 25 wurde über den Weg zur Kupfer-Glas-Migration diskutiert.

(Bild: Marc Hankmann)

Fest steht für die ausbauenden Netzbetreiber, dass eine Strategie für die Kupfer-Glas-Migration nicht nur Planungs- und Investitionssicherheit brächte, sondern auch den Glasfaserausbau beschleunigen würde. Allerdings müssten sich die Netzbetreiber darauf einstellen, weiß Lepel, dass sie keine höheren Preise aufrufen können, als heute für einen DSL-Anschluss verlangt werden. Da dürfte es für den einen oder anderen Internet Service Provider eine Herausforderung werden, die Baukosten wieder einzuspielen.

(ds)

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