Reaktionen auf Trumps Zollpaket »Diese Ankündigungen sind eine Vollkatastrophe«
Donald Trumps Zollpaket übertrifft alle Befürchtungen. Die Betroffenen schwanken zwischen Sorge und Wut. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen spricht von einem »schweren Schlag für die Weltwirtschaft«. Viele Länder wollen sich wehren.
03.04.2025, 07.15 Uhr

Trump bei der Unterzeichnung einer Verordnung für das Zollpaket
Foto: Saul Loeb / AFPRegierungs- und Wirtschaftsvertreter in aller Welt haben besorgt und empört auf das von Donald Trump angekündigte massive Zollpaket reagiert. Die neuen Zölle seien ein »schwerer Schlag für die Weltwirtschaft«, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem Besuch in der usbekischen Stadt Samarkand. Sie bedauere die Entscheidung »zutiefst«.
Von der Leyen fügte hinzu, es sei »noch nicht zu spät« für Verhandlungen. Die Europäer seien aber »bereit zu reagieren«. Die EU-Mitgliedsstaaten arbeiteten bereits an einem »neuen Paket« von Gegenmaßnahmen. »Wir bereiten uns jetzt auf weitere Gegenmaßnahmen vor, um unsere Interessen und unsere Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern«, so die Kommissionschefin.
US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch neue Zölle für Handelspartner weltweit angekündigt. Importe aus der Europäischen Union werden demnach mit Aufschlägen von 20 Prozent belegt, solche aus China sogar mit einem Zoll von 34 Prozent. Als »Mindestsatz« für andere Länder nannte der US-Präsident zehn Prozent.
Auch China drohte den USA mit Gegenmaßnahmen. Die wechselseitigen Zölle, die auf »subjektiven und einseitigen Einschätzungen der USA« beruhten, stünden nicht im Einklang mit den internationalen Handelsregeln, kritisierte das chinesische Handelsministerium. »Rechte und Interessen der betroffenen Parteien« würden untergraben, es handele sich um eine »typisch einseitige Art der Schikane«. China werde entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine Rechte und Interessen zu schützen.
Kanadas Ministerpräsident Mark Carney kündigte ebenfalls Gegenmaßnahmen an. Diese würden am Donnerstag bekannt gegeben, sagt er vor einer Kabinettssitzung. »Es ist wichtig, zielgerichtet und mit Nachdruck zu handeln, und genau das werden wir tun.«
»Wir werden nicht klein beigeben«
EU-Handelspolitiker Bernd Lange
Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte die Zölle als »falsche« Maßnahme. Das Zollpaket nütze weder den USA noch Europa, schrieb Meloni in den sozialen Medien. Sie gilt im Kreis der Europäer als bevorzugte Ansprechpartnerin Trumps und bot sich bereits mehrfach als Brückenbauerin zwischen den USA und der EU an. »Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um auf eine Einigung mit den USA hinzuarbeiten, mit dem Ziel, einen Handelskrieg zu verhindern, der den Westen unweigerlich zugunsten anderer globaler Akteure schwächen würde«, so Meloni.
Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange (SPD), erwartet schwerwiegende negative Konsequenzen. »Diese ungerechtfertigten, illegalen und unverhältnismäßigen Maßnahmen können nur zu einer weiteren Eskalation und einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale für die USA und die Welt insgesamt führen.« Trump möge von einem Tag »Tag der Befreiung« sprechen, aus der Sicht des Normalbürgers sei es allerdings eher ein »Tag der Inflation«. Die schwerste Last in einem Handelskrieg komme auf die Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA zu.
Für den Fall mangelnder Verhandlungsbereitschaft der USA prophezeite Lange eine harte Auseinandersetzung. »Wir werden nicht klein beigeben: Wir werden unsere Souveränität verteidigen«, warnte er.
Andere Europaparlamentarier äußerten sich ähnlich besorgt. »Diese Ankündigungen sind eine Vollkatastrophe und leider eine Fortschreibung der handelspolitischen Geisterfahrt von Donald Trump«, kommentierte der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe, Daniel Caspary (CDU).
Der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen, Rasmus Andresen, sagte, es sei nun Zeit, amerikanische Techkonzerne und Banken zu sanktionieren. Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, mit denen man Trump und seine Unterstützer wie Elon Musk und Mark Zuckerberg in der Substanz treffe. Das seien etwa eine EU-Digitalsteuer und strukturelle Maßnahmen zur Einschränkung von Geschäftsmodellen.
Deutsche Firmen fürchten Umsatzrückgänge
Für Deutschland erwartet Außenhandelspräsident Dirk Jandura erhebliche Folgen der angekündigten Zölle. »Ich sage es ganz offen: Das werden wir spüren«, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). »Die Zölle werden wir in Preissteigerungen umsetzen müssen, und das bedeutet in vielen Fällen einen Umsatzrückgang.« Bei kleineren Unternehmen, die schon geschwächt aus den letzten schwierigen Jahren gekommen seien, könne das auch das Aus bedeuten.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bedauert die Entscheidung der US-Regierung. »Jetzt gilt es für alle Beteiligten, einen kühlen Kopf zu bewahren«, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. »Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern. Unser Land darf nicht zum Spielball eines ausufernden Handelskrieges werden.«
Die US-Zölle werden nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer zu einer weiteren Produktionsverlagerung in die USA und zum Jobabbau in Deutschland führen. »Wenn die Zölle langfristig bleiben, werden deutsche Autobauer ihre Produktion weiter in die USA verlagern«, sagte der Wirtschaftswissenschaftler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Trump drängt die Konzerne in die Verluste und saugt die Arbeitsplätze ab.« Er sei »somit für uns wirtschaftlich wahrscheinlich ein größerer Feind als Putin.«
Die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands und der größte Abnehmer von Waren »Made in Germany«. Die deutschen Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft summierten sich im vergangenen Jahr auf mehr als 161 Milliarden Euro und erreichten damit einen Rekordwert. Die Vereinigten Staaten sind das größte Abnehmerland von Autos aus Deutschland: 13,1 Prozent aller exportierten neuen Fahrzeuge gingen im vergangenen Jahr dorthin.