Marineinspekteur Jan Christian Kaack hat angesichts der Diskussion über einen möglichen Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus vor einer Überlastung der deutschen Seestreitkräfte gewarnt. »Wir haben die kleinste Marine aller Zeiten, aber eine Masse an Aufgaben«, sagte Kaack der »Wirtschaftswoche«. Die Bedrohung durch Russland dürfe trotz des Irankriegs nicht aus dem Fokus geraten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) berät in Paris mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Regierungschef Keir Starmer über einen internationalen Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Deutschland könne sich daran mit Minenräumung oder Seefernaufklärung beteiligen, hieß es in Regierungskreisen in Berlin. Merz und Macron betonen, dass ein solcher Einsatz erst nach dem Ende des Irankriegs möglich sei.
Warnung vor einseitigem Blick in den Nahen Osten
»Die Welt mag gerade in den Nahen Osten schauen: Wir erleben aber auch einen Anstieg an Aktivitäten an der Nord- und Ostflanke, denen wir begegnen müssen«, sagte Kaack. Er verwies auf eine Zunahme von U-Boot-Einsätzen, Flugraumverletzungen und Sabotageakten an Pipelines und Unterseekabeln. Je mehr Ressourcen die Bundeswehr etwa in Missionen im östlichen Mittelmeer oder ins Krisenmanagement investiere, desto weniger bleibe für die Hauptaufgaben. »Die richtigen Kämpfe zu wählen und dann zu führen, das ist und bleibt unsere Herausforderung. Denn alles, was wir haben, ist im Einsatz«, betonte Kaack.
Der Offizier forderte, die strategischen Fähigkeiten der Marine weiter auszubauen und Zeit als entscheidende Ressource zu nutzen, um die Abschreckung gegenüber Russland zu stärken. Ziel müsse sein, dass der russische Präsident Wladimir Putin »morgens beim Blick in den Spiegel sagt: ›Heute ist kein guter Tag, die Nato anzugreifen‹.« Der Offizier forderte, die Zeit als entscheidende Ressource zu nutzen, um die Abschreckung gegenüber Russland zu stärken.

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