Die beiden Skulpturen sind in eine breite Mauer der Nekropole von Porta Sarno integriert, wo sich auch einer der Haupteingänge zur antiken Stadt befand. Experten gehen demnach davon aus, dass die Frauenskulptur eine bedeutende Person aus der Gegend darstellt, vielleicht eine Priesterin der Ceres, der römischen Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit.
Nicht zwingend ein Paar
Diese Annahme werde unter anderem durch die Accessoires unterstützt, welche die Skulptur zieren, darunter Ohrringe, Ringe und Armbänder. Das deutlichste Indiz dafür, dass es sich bei der weiblichen Skulptur um eine Priesterin handeln könnte, ist aber der Mondsichel-Anhänger, der in der Mitte der Halskette hängt. Die Stellung der Priesterin war die höchste Position, die eine Frau im öffentlichen Leben des antiken Pompeji anstreben konnte.
»Weil sie wie eine bedeutende Frau der lokalen Elite aussieht, haben wir die Idee, dass sie eine Priesterin der Ceres gewesen sein könnte«, sagt Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologischen Parks von Pompeji. Darauf würden auch die Pflanzen und der wie eine Papyrusrolle anmutende Gegenstand in ihren Händen hindeuten.
Derartige Grabskulpturen müssten laut Zuchtriegel nicht zwangsweise Paare darstellen. »Manchmal sind es zwei Männer, manchmal sind sie zu dritt«, so der Direktor. Die männliche Figur »könnte ihr Ehemann sein, aber auch ihr Sohn. Es gab keine Inschrift, also wissen wir es nicht.«