Warum berühren uns die Bilder des kranken Papstes so? Weil die Welt sonst meist nur simulierte Überlegenheit kennt.
Sie hatten seinen Tod schon eingepreist. In den fünf Wochen, die Papst Franziskus zuletzt mit beidseitiger Lungenentzündung im Krankenhaus lag, hatten selbst im Vatikan die ersten Kardinäle auf die Wahl eines neuen Papstes spekuliert. Und wäre nicht spätestens jetzt, nach seiner Entlassung aus der Gemelli-Klinik in Rom, ein Rücktritt des 88-Jährigen im Rollstuhl nur vernünftig?
Vernünftig vielleicht, aber Vernunft ist nicht alles, gerade in Fragen von Leben und Tod. In diesen Situationen sind auch die Mächtigsten auf einen Zustand reduziert, der uns allen früher oder später droht: Was tun, wenn ich schwach werde? In einer Welt, deren Anführer von Trump über Erdoğan bis Putin mit ihrer Stärke punkten, demonstriert Franziskus: Es geht auch anders. Er verbirgt seine Schwäche nicht, er lässt uns sein Leiden spüren – und macht uns allen eine andere Art von Umgang mit Krankheit, Verfall und letztlich Tod vor. Welcher weltliche Herrscher hätte dazu den Mut?