Die Open-Ear-Kopfhörer Huawei FreeArc versprechen eine Kombination aus optimalem Tragekomfort und hochwertigem Klang. Wir klären im Test, was die FreeArc taugen.
Die FreeArc sollen schick aussehen, gut klingen und vor allem bequem sein. Dafür setzt Huawei auf anpassbare Silikonbügel, 12-mm-Treiber, Touch-Bedienung und Multipoint-Connection.
Zum Preis von 99 Euro bekommt man außerdem bis zu 28 Stunden Akkulaufzeit, KI-basierte Geräuschunterdrückung (ANC) und eine Zertifizierung nach IP57-Standard. Wir haben uns die Huawei FreeArc genau angeschaut und alle Funktionen, die Bedienbarkeit sowie den Klang geprüft. Der Testbericht zeigt, ob die Open-Ear-Kopfhörer mit der Konkurrenz von Shokz, Anker, Bose und Co. mithalten können.
Design und Tragekomfort
Auch wenn Optik immer auch in gewisser Hinsicht Geschmackssache ist, können sowohl Aussehen als auch Verarbeitung der Open-Ears überzeugen. Abgesehen von der Touch-Oberfläche sind die Kopfhörer komplett mit Silikon ummantelt, was ihnen eine angenehme Haptik verleiht. Ein silberner Ring umfasst das Ohrstück, farblich passend zum Look der FreeArcs. Ein Huawei-Logo ziert die Touch-Oberfläche und die Oberseite der Ladebox. Neben Schwarz und Weiß stellt Huawei die Kopfhörer auch in hellem Mintgrün bereit.
Die quadratische Ladebox mit ihren abgerundeten Kanten fällt verhältnismäßig groß aus. Das ist der Bauart der FreeArc geschuldet und kaum kleiner realisierbar. Die Kopfhörer liegen flach und schräg übereinander in der Hülle, wobei das Ohrstück jeweils Kontakt mit der Ladefläche aufnimmt. Die Verarbeitung sowohl der Hülle selbst als auch der Kopfhörer macht einen sehr robusten Eindruck. Dank IP57-Zertifizierung sind sie weitestgehend unempfindlich gegenüber Staub und Flüssigkeiten. Stürze aus anderthalb Metern Höhe übersteht das Ladecase problemlos, ohne Schaden zu nehmen. Die Open-Ears bleiben dabei fest in der Hülle.
Akku
Eine kleine LED an der unteren Kante der Ladebox warnt bei leerem Akku und zeigt an, wenn sich die FreeArc im Verbindungsmodus befinden. Übrigens liegt den FreeArc kein USB-C-Ladekabel bei – ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll. Schließlich besitzt heutzutage ziemlich jeder Käufer mindestens ein solches Kabel.
Die Akkulaufzeit für die Open-Ears liegt laut Herstellerangaben bei Musikwiedergabe bei bis zu 7 Stunden oder bei Verwendung des Ladecases bei bis zu 28 Stunden. Für Sprachanrufe liegt der Wert bei 5 Stunden respektive 20 Stunden. Diese Werte können wir im Test bestätigen. Das vollständige Aufladen der Kopfhörer im Ladecase dauert 40 Minuten, bei leerem Ladecase mit Kabel etwa 60 Minuten. Die FreeArc sind außerdem zu Huaweis hauseigenen und schnellem Super-Charge-Ladesystem kompatibel.
Komfort
Der Hersteller verspricht, dass die Ohrhörer flexibel an verschiedene Ohrformen anpassbar sind und das s-förmige Design für einen hohen Tragekomfort sorgen soll. Im Test sind wir aber zunächst skeptisch, denn mit 8,9 Gramm ist das Gewicht jedes einzelnen Ohrstücks relativ hoch. Überdies wirkt die gesamte Silikon-Konstruktion beim ersten Hands-On nicht besonders vertrauenerweckend. Doch wir werden eines Besseren belehrt: Die FreeArc sitzen erstaunlich fest am Ohr, ohne dabei unangenehm zu drücken.
Auch das verhältnismäßig hohe Gewicht ist schnell vergessen, denn wir fühlen die Open-Ears fast gar nicht. Dazu kommt: Exzessives Schütteln oder Drehen des Kopfes führt in unserem Test nicht dazu, dass die FreeArcs ihre Position am Ohr verändern. Sie eignen sich also hervorragend zur Nutzung bei aktiven Sportarten wie Joggen, Aerobic, Tanzen oder funktioneller Fitness.
App
Grundsätzlich lassen sich die Huawei FreeArc ohne App direkt per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden. Wer zusätzliche Funktionen wie einen Equalizer nutzen oder die Gestensteuerung anpassen möchte, benötigt dazu aber die Huawei-AI-Life-App. Dabei gibt es aber einen Haken: Wegen der anhaltenden Probleme zwischen Google und Huawei ist die Software im Google Play Store nicht verfügbar. Android-Nutzer müssen die App deshalb manuell über die Hersteller-Webseite herunterladen. Besitzer eines iPhones finden die Huawei Audio Connect App im Apple App-Store, iOS 13.0 oder iPadOS 13.0 vorausgesetzt.
Die App bietet Nutzern eine Reihe von nützlichen Features: Wir können etwa die Multipoint-Verbindung aktivieren, um die FreeArc mit zwei Geräten zur selben Zeit zu verknüpfen. Außerdem gibt es einen Equalizer, der neben einem Standard-Modus noch die Varianten „Elevate“, „Trebble boost“ und „Voices“ zu bieten hat. Zusätzlich könnt ihr in beliebiger Anzahl eigene benutzerdefinierte EQ-Profile erstellen.
Positiv aufgefallen sind uns in der App aber vor allem zwei Menüs: Erstens können wir die Gestensteuerung der Kopfhörer anpassen. Dabei können wir bestimmen, welche Option durch welche spezifische Geste (antippen, gedrückt halten, streichen) an welchem Ohrstück ausgelöst werden soll. Allerdings können wir jeweils nur aus einer begrenzten Anzahl von Möglichkeiten wählen und die Tasten beziehungsweise das Bedienfeld nicht komplett frei belegen. Zweitens bietet die App eine Finden-Funktion, mit deren Hilfe wir die jeweiligen Ohrstücke einen Ton abspielen lassen.
Bedienung
Die Bedienung mithilfe der Gestensteuerung funktioniert in unserem Test problemlos. Unsere Eingaben werden an beiden Ohrstücken ohne merkliche Verzögerung erkannt. Anders als bei den Samsung Galaxy Buds 3 Pro reagieren die Kopfhörer auch auf die Streichgeste am Touch-Feld wie vorgesehen. Die Empfindlichkeit der Bedienfläche ist ebenfalls sehr ausgeglichen: Versehentliche Eingaben durch ungewollte Berührungen kommen in unserem Test nicht vor, aber wir müssen auch nicht allzu stark auf die Ohrstücke drücken, damit unsere Befehle ausgeführt werden.
Der gute Eindruck, den die Huawei FreeArc bei der Bedienung im Test machen, bestätigt sich auch beim Sound der Open-Ear-Kopfhörer. Zwar kann der selbstverständlich nicht mit dem überragenden HiFi-Klang von In-Ear-Kopfhörern wie den Bowers & Wilkins Pi8 mithalten, trotzdem bleiben Musik- und Stimmwiedergabe angenehm ausgewogen.
Bei The Weeknds „Blinding Lights“ gehen ein paar tiefere Bassfrequenzen verloren, was wir aber verschmerzbar finden. Sowohl Gesang als auch Instrumente kommen gut zur Geltung, ohne dass eine Frequenz besonders dominiert. Im Standard-Setting könnte der Bass etwas stärker ausgeprägt sein, das lässt sich aber mit den entsprechenden Einstellungen in der App recht gut beheben.
Abstriche muss man bei hohen Lautstärken machen: Hier fängt der Sound an, kratzig zu klingen. Aber dafür muss man die Open-Ear schon dermaßen laut stellen, dass man damit langfristig ohnehin das Gehör schädigen würde. Bei voller Lautstärke sind hohe Frequenzen übrigens auch aus einem Abstand von etwa 30 Zentimetern zu den Ohrstücken noch hörbar – ein Problem, das bei Open-Ears häufiger vorkommt. Auf halber Lautstärke bekommt euer Umfeld aber nicht mehr viel vom Gehörten mit. Insgesamt gilt: Die Huawei FreeArc überzeugen mit einem ausgewogenen Klang, der etwas an Tiefen und Volumen vermissen lässt.
Bei Anrufen sorgt eine Umgebungsgeräuschunterdrückung dafür, dass uns unser Gegenüber auch in lauten Umgebungen gut versteht. Das funktioniert im Test gut – auch in lauter Umgebung, wie in einem Café.
Preis
Die Huawei FreeArc kosten bei Amazon etwa 99 Euro. Damit sind sie vergleichsweise preiswerte Open-Ear-Kopfhörer.
Fazit
Die Huawei FreeArc richten sich an Nutzer, die preiswerte Open-Ear-Kopfhörer für sportliche Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren suchen. Unser Test bestätigt: Dieser Plan geht voll auf. Die Kopfhörer sitzen hervorragend und sind trotz ihres recht hohen Gewichts kaum spürbar. Auch der Klang überzeugt, wenngleich wir uns etwas mehr Bass und Volumen gewünscht hätten – doch das ist dem Open-Ear-Design der FreeArc geschuldet.
Abzüge in der B-Note müssen wir aber beim Akku und der umständlich zu installierenden Android-App vergeben.