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vor 2 Stunden 2

Kriegsschiffe am Horizont

Vertreter der USA und Irans nehmen heute in Genf ihre indirekten Gespräche über das iranische Atomprogramm wieder auf. Es könnte ein Lichtblick sein. Wäre da nicht die martialische Kulisse, die Washington und Teheran mit ihren Kriegsflotten im Nahen und Mittleren Osten aufgefahren haben.

Satellitenaufnahme der Straße von Hormus

Satellitenaufnahme der Straße von Hormus

Foto:

Nasa / dpa

Donald Trump entsandte, wie er es nennt, eine »Armada« in die Region. Mittendrin der Flugzeugträger USS »Abraham Lincoln«, ein zweiter ist unterwegs. Gestern, einen Tag vor Beginn der Verhandlungsrunde, starteten die Revolutionswächter ein Militärmanöver in der strategisch wichtigen Straße von Hormus. 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion werden durch die Meerenge transportiert.

Die Botschaften dahinter: Die USA drohen Iran mit Militärschlägen, Iran droht den USA mit einem Ölembargo, dessen Kosten Amerikanerinnen und Amerikaner beim Tanken spüren dürften. Das sind keine vertrauensbildenden Maßnahmen.

Die Iran-Gespräche waren Thema am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende. Diplomaten, die sich mit der Materie auskennen, bezweifelten, dass Iran den US-Wünschen nachkommt und sowohl die Atomanreicherung als auch sein Raketenprogramm für Sanktionserleichterungen aufgibt.

Trump hat den Sondergesandten Steve Witkoff und seinen Schwiegersohn Jared Kushner für einen »Deal« nach Genf geschickt, für die Iraner verhandelt der angeblich detailversessene Außenminister Abbas Araghchi. Da prallen Welten aufeinander.

Schnelles, schlechtes Abkommen?

Die US-Unterhändler Witkoff und Kushner dürften gar keine Zeit haben für Details über iranische Zentrifugen zur Urananreicherung. Schließlich sollen unter ihrer Vermittlung Gespräche zwischen Russen und Ukrainern stattfinden – ebenfalls heute, ebenfalls in Genf.

Arbeiter in Charkiw spannen ein Anti-Drohnen-Netz über eine Straße

Arbeiter in Charkiw spannen ein Anti-Drohnen-Netz über eine Straße

Foto: Viacheslav Madiievskyiv / Avalon / Avalon.red / IMAGO

Zwei vorherige Gesprächsrunden in Abu Dhabi blieben ohne Ergebnis. Dass die neue Runde in Genf ein Ende des russischen Angriffskrieges einleiten könnte, glaubten ukrainische und EU-Diplomaten am Wochenende in München nicht. Dort überwog die Sorge, Trump könnte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einen schlechten Deal drängen, damit er noch vor den US-Zwischenwahlen im Herbst behaupten kann, er habe einen weiteren Krieg beendet.

Am Montagabend warnte Selenskyj vor einem massiven russischen Angriff auf Energieanlagen in der Ukraine. »Russland kann der Versuchung nicht widerstehen und möchte in den letzten Tagen der Winterkälte den Ukrainern einen schmerzhaften Schlag zufügen«, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft und berief sich auf Geheimdienstinformationen.

In diesem besonders harten Winter leiden Millionen Menschen in der Ukraine unter den Strom-, Heizungs- und Wasserausfällen, weil immer wieder Infrastruktur bombardiert wird (mehr dazu hier ). Wladimir Putin hat offenbar nicht genug vom Krieg.

Bündnis 90/Die Merkel

Sie will ja gar nicht, das hat Angela Merkel bereits klargemacht. Als vor einigen Tagen die Spekulation aufkam, die Grünen könnten die ehemalige Bundeskanzlerin als Kandidatin für das 2027 frei werdende Bundespräsidentenamt vorschlagen, ließ Merkel etwaige Ambitionen rasch dementieren. Eine Kandidatur sei »abwegig«, teilte ihr Büro dem »Tagesspiegel« mit.

 »Abwegig«

Altbundeskanzlerin Merkel im Dezember in Berlin: »Abwegig«

Foto: Sebastian Christoph Gollnow / dpa

Doch die Grünen lassen nicht locker. Seit Jahren schon genießt Merkel bei den Ökos viel Respekt, womöglich mehr als in ihrer Partei, der CDU. Die Vorstellung, Merkel könnte bei der nächsten Bundestagswahl eine Rolle spielen, und sei es nur indirekt, hat bei den Grünen prominente Fürsprecher.

Meine Kollegen Christoph Schult und Severin Weiland haben die einstigen Spitzengrünen Jürgen Trittin und Renate Künast nach Merkel gefragt. Beide hielten die Altbundeskanzlerin für eine Top-Besetzung im Schloss Bellevue. »Natürlich ist eine ehemalige Kanzlerin mit dieser weltpolitischen Erfahrung geeignet für das Amt des Staatsoberhaupts«, sagte Trittin. »Frau Merkel wäre eindeutig qualifiziert«, betonte Künast. Aber Merkels Entscheidung müsse man akzeptieren, finden beide.

Künast regt allerdings an, dass Merkel sich bei der Suche nach einer geeigneten Kandidatin für das höchste Staatsamt einbringt. Deutschland brauche in diesen Zeiten Orientierung durch eine »überparteilich agierende und politisch erfahrene« Person. »Frau Merkel traue ich zu, hier einen professionellen Blick drauf zu werfen und durch erfolgversprechende Überlegungen zu bereichern«, sagte Künast.

In erster Linie ist es die Aufgabe von Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz, jemanden zu finden, der mit breitem politischem Rückhalt die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier antritt. Ob Merz dabei ausgerechnet seine langjährige Rivalin Merkel zurate zieht? Gelegenheit dazu hätte er jedenfalls. Am Freitag treffen Merz und Merkel beim CDU-Parteitag in Stuttgart aufeinander (mehr dazu hier ).

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Verlierer des Tages…

…sind die Beschäftigten bei Volkswagen. Weniger Nachfrage in China, hohe Zölle in den USA, Softwareprobleme bei E-Autos: Das drückt auf die Bilanz, aber auch auf die Stimmung in der Belegschaft. Und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab.

Mitarbeiterin im Wolfsburger VW-Stammwerk

Mitarbeiterin im Wolfsburger VW-Stammwerk

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die Kollegen vom manager magazin berichten über ein neues Sparprogramm bis Ende 2028 – im Umfang von rund 60 Milliarden Euro. Eine gewaltige Summe. Selbst Werksschließungen sind offenbar nicht ausgeschlossen. Der Fall Volkswagen wird zum Risiko für seine Mitarbeiter und für den gesamten Standort Deutschland.

Heute bei SPIEGEL Extra: Für wen sich ein medizinischer Fitness-Test lohnt

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jacoblund / Getty Images

Leistungsdiagnostik soll Läufer oder Radfahrer schneller machen, die Zahl der Anbieter wächst. Welche Ergebnisse bringen die Tests? Können sie wirklich mehr als die Laufuhr? Unser Autor hat es ausprobiert – und war überrascht .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihre Marina Kormbaki, stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

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