Neuer Porsche-Chef, Saboteure bei der Bundesmarine, das Leonardo da Vinci DNA Projekt

vor 11 Stunden 1

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1. Der Chef kann die Rockford-Wende!

Eine der womöglich spektakulärsten Kurskorrekturen der Automobilgeschichte vollzieht derzeit der neue Porsche-Chef Michael Leiters. Nachdem sein Vorgänger Oliver Blume den Hersteller aus Zuffenhausen mit Vollgas in Richtung E-Mobilität gesteuert und damit viele Traditionskunden vergrault hatte, lässt Leiters künftig wohl weiter überwiegend Verbrenner in den Sportwagen werkeln.

Angeblich wird intern erwogen, die Entwicklung des elektrischen 718 (Boxster und Cayman) wegen ausufernder Kosten zu stoppen, das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Diese Entscheidung ist auch deswegen interessant, weil die neue 718-Plattform allein für Elektroantriebe entwickelt wurde und nicht ohne weiteres Verbrennermotoren eingebaut werden können.

Alle Hände voll zu tun also für den neuen Firmenlenker. Der scheut sich aber, so schätzt es mein Kollege Alexander Demling ein, nicht vor rabiaten Manövern. »Leiters will die Kehrtwende schaffen. Dafür fordert er mehr Verbindlichkeit von seinen Leuten«, schreibt Alexander. Leiters nerve der Schlendrian, der seiner Ansicht nach in den erfolgreichen Jahren bei Porsche Einzug gehalten hat – unter seinem Vorgänger.

»Mit Leiters zieht ein neuer Ton in die Zentrale im Stuttgarter Norden ein. War Blume für die meisten nur der »Olli«, der Kollegen per Fist-Bump grüßte, ist Leiters selbst mit Führungskräften per Sie.«

2. Saboteur an Bord

Noch ist unklar, warum ein 37-jähriger Rumäne und ein 54-jähriger Grieche mutmaßlich zwei Korvetten der Bundesmarine manipuliert haben. Fest steht nur: Wären die Tatverdächtigen, die am Dienstagmorgen in Hamburg und Griechenland festgenommen wurden, erfolgreich gewesen, hätten sie großen Schaden angerichtet.

20 Kilogramm Strahlkies sollen die Täter etwa in den Motorblock der Korvette »Emden« geschüttet haben. Das Schiff liegt derzeit im Dock der »Blohm & Voss«-Werft in Hamburg. Wären die Tatverdächtigen nicht aufgeflogen, hätte die Manipulation einen kapitalen Motorschaden verursachen können.

Beide Tatverdächtigen sollen nach SPIEGEL-Informationen bei einem Subunternehmen von Blohm + Voss beschäftigt gewesen sein, das auf Malerarbeiten spezialisiert ist. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen war die Firma bereits seit längerer Zeit im Visier der Ermittler, da sie auf der »Emden« Sandstrahlarbeiten durchgeführt hatte. Im Zuge der Ermittlungen wird auch die Frage möglicher Auftraggeber der Beschuldigten geprüft.

3. Verräterische DNA-Spuren

Hat der weltbekannte Künstler Leonardo Da Vinci womöglich Bilder, die ihm zugeschrieben werden, gar nicht gemalt? Und dafür andere, die ihm nicht zugerechnet werden, vielleicht doch?

Der italienische Tausendsassa (er malte nicht nur, sondern war auch Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph) hinterließ auf seinen Werken kein Künstlerkürzel, mit dessen Hilfe man ihm seine Werke hätte zuordnen können.

Deswegen versucht ein internationales Forschungsteam nun, seine Werke mithilfe von DNA-Analysen zu identifizieren, wie meine Kollegin Anika Freier schreibt: »Finden sich kleinste Reste davon auch auf alten Bildern, handelt es sich wahrscheinlich um einen echten Leonardo da Vinci, so die Idee des ›Leonardo da Vinci DNA Project‹ (LDVP)«.

Doch es gibt ein Problem: Leonardos Erbgut sei bislang unbekannt, noch existiere keine DNA, mit der sich Reste von Gensequenzen auf den Bildern vergleichen ließen, so Anika. Und doch gebe es Hoffnung: »Auf einer Zeichnung haben die Forschenden Erbgut gefunden, das von Leonardo stammen könnte«, so Annika.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Grönland-Streit: Die Pläne für eine Nato-Mission zum besseren Schutz der Arktisregion werden konkreter. Schon kommende Woche könnten die Nato-Verteidigungsminister über den ersten Entwurf eines Operationsplans beraten. 

  • Kostet der Wiesn-Besuch bald Eintritt? Rund 15 Euro kostet ein Bier auf dem Oktoberfest mittlerweile. Um die Preise etwas zu drücken, wird nun über einen Eintritt für den Wiesn-Besuch diskutiert. Der Chef des Volksfestes will da nicht mitmachen.

  • Deutschland nimmt diplomatische Beziehungen zu Niue im Südpazifik auf: Erst seit wenigen Wochen erkennt die Bundesregierung die kleine Pazifikinsel Niue als souveränen Staat an. Nun gibt es auch bilaterale Beziehungen zwischen den Ländern. Dabei geht es auch um Machtverhältnisse in der Uno.

  • Rente bekommt bei den Sozialreformen oberste Priorität: Das Kanzleramt dringt angesichts knapper Kassen auf eine Reform der Rente, Kanzler Merz kündigt gar einen »Paradigmenwechsel« an. Der Druck ist da: Deutschland hat die europaweit älteste Arbeitsbevölkerung.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Die Verrenner vom ADAC?

Da soll noch jemand sagen, die Deutschen seien satt und träge geworden und könnten sich nicht mehr aufraffen, wenn es um eine wichtige Sache geht, Abstimmung mit den Füßen und so. Dem ADAC haben sie es jetzt aber gezeigt!

60.000 Mitglieder hatten gekündigt, nachdem, wie mein Kollege Lukas Kissel schreibt, ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand »aus Versehen das Richtige gesagt« hat. Nämlich, dass der Automobilclub die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument hält, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

 Die meisten Mitglieder wollen wohl auf die Gelben Engel zählen – und sind keine Autofanatiker

ADAC-Pannenfahrzeug im Einsatz: Die meisten Mitglieder wollen wohl auf die Gelben Engel zählen – und sind keine Autofanatiker

Foto:

Robert Michael / dpa

Was seit Jahren geltendes Recht ist und bisher kaum jemanden erzürnt hat, fassten diese Mitglieder, offenbar Benzin im Blut und Blut in den Augen, als Affront auf. Hillebrand, Du alter Öko-Fundi, go home (und zwar zu Fuß)! Der Shitstorm schwoll an, und der Verursacher trat ab.

Lukas hat nachgezeichnet, wie es zu dem PR-Debakel kam, was Hillebrand noch gesagt (und was er leider vergessen hat) – und vor allem, was diese Posse über den größten Deutschen Automobilclub mit knapp 23 Millionen Mitgliedern aussagt.: »Der Klub tut sich schwer, allen Mitgliedern gerecht zu werden, wenn er sich politisch äußert. Er will diejenigen nicht verprellen, die mit E-Autos hadern und mit der Verkehrswende sowieso, aber auch die anderen ansprechen, die mit einem reinen Autoklub nichts mehr anfangen könnten.«

Was heute weniger wichtig ist

Foto:

Florian Gaertner / Photothek / picture alliance

D'r Merz kütt: Bundeskanzler Friedrich Merz, 70, hat zahlreiche Pappnasen im Kanzleramt begrüßt. Dieses Mal handelte es sich um rund 140 Närrinnen und Narren, die er zum traditionellen Karnevalsempfang eingeladen hatte. Der CDU-Chef sagte: »Mensch, ginge es doch hier immer so fröhlich zu.«

Aus dem E-Paper des »Focus«

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann

Könnten Sie ins Kino gehen und sich die Romanverfilmung von Joachim Meyerhoffs Erfolgsroman »Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke« anschauen. Darin geht es um ein introvertiertes Nordlicht, das sich an einer Schauspielschule in München anmeldet. Oder, wie mein Kollege Wolfgang Höbel schreibt: »Um die Flucht des gerade erwachsenen Helden vor seinen eigenen Gefühlen bei der Erkundung einer neuen, ihn verstörenden Welt.«

Wolfgang war anfangs skeptisch, ob die Welt diesen Film braucht – und kommt in seiner Rezension zu einem klaren »Ja«. Der Regisseur Simon Verhoeven nehme sich bei der Charakterisierung des Helden und den Witz der Situationen einige Freiheiten heraus, schreibt Wolfgang, »völlig zu Recht, denn Literaturverfilmungen nerven diejenigen Zuschauer und Zuschauerinnen, die schon die Vorlage gelesen haben, ja nicht selten damit, dass sie diese allzu beflissen bis ins kleinste Detail nachbilden.«

Ich finde, Michael Wittenborn ist ein großartiger Schauspieler. Er gibt in »Ach, diese Lücke …« den Großvater, bei dem der Held während seiner Seelenreise unterschlüpfen darf. Zusammen mit Senta Berger als ehemaliger Theaterdiva und Großmutter des jungen Mimen lebt Wittenborn als Opa privilegiert in München, die beiden Senioren verschönern sich das Leben mit exzentrischen Ritualen.

»Man sieht sie beim morgendlichen Zähneputzen mit Kräuterschnaps gurgeln und zum Frühstück mit Champagner anstoßen. Und man freut sich daran, wie die Eheleute beim abendlichen Whiskeykonsum in den Kissen ihrer Wohnzimmercouch thronen und auf dem Weg zur Nachtruhe beschwipst und vergnügt mit einem Treppenlift ins Schlafzimmerstockwerk hinaufschweben«, schreibt Wolfgang. Herrlich! Ab ins Kino. (Hier die Rezension )

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

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