Wer hat den achtjährigen Fabian aus Güstrow getötet – und warum? Im Mordprozess gegen die 30-jährige Angeklagte geht die akribische Spuren- und Beweisauswertung am Landgericht Rostock weiter. Am sechsten Verhandlungstag hat nun eine Zeugin ausgesagt, die am Tattag drei Fotos machte. Diese zeigen Rauchschwaden und ein kleines Feuer am späteren Fundort des Leichnams in der Nähe von Klein Upahl.
Die 45-Jährige, die in Klein Upahl wohnt, war am 10. Oktober 2025 mit ihrem Pony unterwegs. Sie führte ihr Pferd damals wie oft zu Fuß über den Feldweg in einen Wald und passierte dabei auch den Tümpel, an dem Fabian am 14. Oktober 2025 nach viertägiger intensiver Suche gefunden wurde. Als sie das Feuer bemerkte, machte sie Fotos davon und auch von weißen Rauchschwaden über der Stelle. Die Bilder entstanden laut Metadaten des Handys am 10. Oktober um 14.59 Uhr und um 15 Uhr.
Getötet mit sechs Messerstichen
Es habe ausgesehen wie ein kleines Lagerfeuer, sagte die Frau vor Gericht. Sie habe aber gedacht, es könne sich um eine Art Brandrodung handeln, um Schilf um den Tümpel zu beseitigen. Als sie vom Spaziergang aus dem Wald zurückgekommen sei, sei das Feuer aus gewesen. Laut Anklage wurde Fabians Leiche mit Brandbeschleuniger angezündet, um Spuren zu verwischen.
Verdächtigt wird Gina H., die eine On-off-Beziehung zum Vater des Kindes unterhält – wobei das Paar derzeit wieder zusammen ist. Die 30-Jährige soll Fabian am 10. Oktober mit sechs Messerstichen getötet und die Leiche anschließend verbrannt haben. Sie schweigt bislang zu den Vorwürfen, eine Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. Die Schwurgerichtskammer prüft in dem Prozess zahlreiche Indizien und Zeugenaussagen.
Am Mittwoch wurden zwei weitere Zeugen befragt. Sie gaben an, das Auto der Angeklagten am Tattag auf einem Feldweg in der Nähe des späteren Fundortes des Leichnams gesehen zu haben. Der Pick-up sei am 10. Oktober in Klein Upahl aus einem Weg gekommen. Er habe das Auto sofort erkannt, sagte ein 18-Jähriger, der damals als Landwirt mit Kollegen Steine vom Acker sammelte und Mittagspause machte. Den Feldweg hatte auch die Zeugin mit ihrem Pony für ihren Spaziergang genutzt.
Der Arbeitskollege des 18-Jährigen gab an, dass er die Person in dem Auto nicht habe erkennen können. Das Auto kam aber nach Angaben beider Zeugen aus der Richtung, die zu dem einige Hundert Meter entfernten Tümpel führte, an dem Fabians Leiche gefunden wurde. Der Wagen war demnach in Richtung Upahl unterwegs.
Der Prozess wurde von rund 80 Zuschauern im Saal des Rostocker Landgerichts verfolgt. Erneut spielte die Kammer Sprachnachrichten zwischen der Angeklagten und Fabians Vater, 35, vor. Dabei flehte die Frau ihren damaligen Ex-Partner in Sprachnachrichten an, zu ihr zurückzukommen. Gleichzeitig warf sie ihm in den teils im Minutentakt gesendeten Nachrichten vor, dass er sie nicht bei der Suche nach dem tagelang vermissten Fabian helfen lasse.

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