Libyen: Gaddafis Sohn getötet

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3. Februar 2026, 22:40 Uhr

In Libyen ist ein prominenter Sohn des früheren Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi getötet worden. Saif al-Islam sei heute bei einer „verräterischen und feigen“ Tat „ermordet“ worden, teilte sein politisches Büro mit. Vier maskierte Männer hätten seine Residenz in der westlibyschen Stadt Sintan gestürmt und al-Islam getötet. Verantwortlich seien „Handlanger des Regimes“ in Libyen. Al-Islam soll Vorbereitungen getroffen haben für eine Rückkehr in die Politik.

Saif al-Islam war der zweitälteste Sohn Muammar al-Gaddafis, der in dem nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte herrschte, und eine der einflussreichsten Figuren in Libyen war. Vor dem Sturz und Tod seines Vaters im Jahr 2011 führte al-Islam ein Reformprojekt an mit dem Ziel, das Land politisch zu modernisieren und an den Westen anzunähern. Viele der Bemühungen wurden bald aber rückgängig gemacht, um das Machtgefüge in der Regierung seines Vaters nicht ins Wanken zu bringen.

Seit 2014 forderte der Internationale Strafgerichtshof al-Islams Auslieferung, um ihm wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Aufstände in Libyen den Prozess zu machen. 2015 wurde er von einem Gericht in Tripolis in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die Machthaber in Sintan ließen ihn aber weder nach Tripolis überstellen noch lieferten sie ihn aus.
2021 tauchte al-Islam überraschend wieder auf und reichte seine Kandidatur ein für die geplante Präsidentenwahl in Libyen. Diese fand wegen eines Konflikts über die verfassungsrechtlichen Grundlagen und die zugelassenen Kandidaten aber nie statt. Libyen ist heute faktisch zweigeteilt in zwei verfeindete Regierungen im Osten und Westen.

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