Präsident Petro im Weißen Haus: Trump liebt jetzt Kolumbien

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Kolumbiens Präsident war gut ausgestattet, als er am Dienstag in Washington eintraf. Gustavo Petro hatte einen Teil seiner im kanadischen Exil lebenden Familie inklusive einer kleinen Enkelin dabei und natürlich Geschenke. In einem Korb lagen Schokolade und Packungen mit Kaffee von kolumbianischen Landwirten, die den Anbau von Kokapflanzen aufgegeben haben und dies in beigelegten Briefen an Donald Trump, seinen Vize J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio und weitere Teilnehmer der Runde im Weißen Haus auch beschrieben.

Da ging der Besuch beim US-Präsidenten recht ordentlich los, bis vor einigen Wochen wäre Petro in diesem Zentrum der Macht weniger willkommen gewesen. Trump bezeichnete ihn als Drogendealer und drohte, „he should watch his ass“, er solle auf sich aufpassen. Zwischenzeitlich klang es so, als würde der Kollege aus Bogotá bald von einem amerikanischen Spezialkommando verschleppt wie zu Jahresbeginn der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro in Caracas. Derweil schossen US-Streitkräfte auch mutmaßliche Rauschgifttransporte vor der kolumbianischen Küste ab.

Man habe da ein gemeinsames Ziel, sagt Petro: den Kampf gegen den Drogenhandel

Kürzlich verlangte Petro, die USA sollten Maduro nach Venezuela zurückschicken, und klagte, Kolumbianer würden in den Vereinigten Staaten wie Sklaven behandelt. Ansonsten waren die Worte in den vergangenen Wochen unter anderem nach einem Telefonat freundlicher geworden. „Irgendwie wurde er nach dem Überfall in Venezuela sehr nett“, sagte Trump. „Er hat seine Einstellung grundlegend geändert.“ Er sei „bereit, die Beziehungen zwischen zwei Nationen weiter zu stärken“, versprach Petro. Man habe da ein gemeinsames Ziel, „den Kampf gegen den Drogenhandel“.

Kolumbien ist wie gehabt der weltgrößte Produzent von Kokain. Fentanyl, das in den USA für besonders viele Tote sorgte, stammt dagegen meistens aus Mexiko, mit Chemie aus China. „Den Kampf gegen den Drogenhandel haben wir am eigenen Leib erfahren, und das ist wirklich keine leere Phrase“, hatte Petro noch in einem Video verkündet. Dann saßen diese doch recht unterschiedlichen Männer nebeneinander im Oval Office, nach Monaten von Drohungen, Beleidigungen, Sanktionen und Zöllen.

Details drangen von der Versammlung hinter verschlossenen Türen zunächst nicht nach draußen. Doch es sieht ganz so aus, als sei die Begegnung glimpflich ausgegangen. „Gustavo, eine große Ehre“, schrieb Trump in ein Album mit gemeinsamem Foto. „Eine große Ehre. Ich liebe Kolumbien.“ Offenbar sind sich die beiden Staatschefs wieder nähergekommen, lange ist der oberste Kolumbianer ohnehin nicht mehr im Amt. Bei einem größeren Teil der Landsleute war allein die Nachricht, dass sich Petro mit Trump treffen würde, mit Erleichterung aufgenommen worden.

Beide Länder haben die diplomatischen Beziehungen abgebrochen

Beide Länder sind eng miteinander verbandelt, neben den politischen und wirtschaftlichen Verbindungen auch beim Militär und den Geheimdiensten. Kolumbien zählt zu den wichtigsten Alliierten der USA in Lateinamerika, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass sie den Anbau von Kokapflanzen und den Schmuggel von Kokain über Jahre hinweg gemeinsam bekämpft haben. Allein über den sogenannten Plan Colombia wurden dafür zwischen 2000 und 2015 Milliarden US-Dollar in das Land gepumpt.

Petro dagegen, Kolumbiens erster linker Präsident überhaupt, hatte schon vor seinem Amtsantritt gegen Imperialisten aller Art gewettert. Spätestens mit Trumps zweiter Präsidentschaft fand er in dem Maga-Republikaner seinen Intimfeind und ließ kaum eine Möglichkeit aus, die US-Regierung zu düpieren. Als Petro von Umsturzplänen in seinem engsten Umfeld erfuhr, beschuldigte er US-Außenminister Rubio, der Drahtzieher zu sein. Beide Länder brachen die diplomatischen Beziehungen ab.

Im vergangenen September dann stellte sich Petro während eines Treffens der UN-Vollversammlung mit einem Megafon in der Hand in New York auf die Straße. An eine propalästinensische Demonstration gewandt, forderte er amerikanische Soldaten auf, ihre Befehle zu verweigern. Die US-Regierung entzog ihm daraufhin sein Visum.

Der jetzige Präsident gehörte einmal der Stadtguerilla an

Es war ein Auftritt ganz im Geiste des früheren Kämpfers der Stadtguerilla M-19, der Petro einmal angehört hatte. Er will dabei nie mit Waffen gekämpft haben, sagt Petro; bei einem Gefängnisaufenthalt soll er gefoltert worden sein. Nachdem die M-19 den bewaffneten Kampf beendet hatte, war Petro Mitbegründer einer aus den Guerilleros erwachsenen Partei und wurde Abgeordneter im kolumbianischen Kongress. Zwischen 2012 und 2015 war er Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá.

Schon damals war er für seine teils erratische Amtsführung bekannt, ein Vorwurf, der ihm seit 2022 auch als Präsident nachhängt. Seine Mitarbeiter wechseln häufig, Petro sagt Termine kurzfristig ab, bei einem Besuch in Paris verschwand er für einen ganzen Tag. Kürzlich brachte er die Kolumbianer gegen sich auf, als er bei einer Rede erklärte, dass Jesus und Maria mit ziemlicher Sicherheit Sex gehabt hätten.

Im Mai wird in Kolumbien ein neuer Präsident gewählt. Die Verfassung verbietet, dass Petro, 65, noch einmal antritt, aber nicht nur durch seine persönlichen Eigenarten macht er es seinem Parteifreund Iván Cepeda als potenziellem Nachfolger schwer. Die Bilanz von Petros Amtszeit ist nach Einschätzung vieler Experten verheerend.

Petro hat zwar im sozialen Bereich einige Akzente gesetzt. Seine Regierung engagiert sich für Bauern, die durch die gewalttätigen Konflikte ihr Land verloren haben, und er hat den Mindestlohn erheblich angehoben. Auf der anderen Seite steht eine schwache Wirtschaft, vor allem aber, dass die Gewalt im Land wieder erheblich zunimmt. Petros Idee von einem „Paz total“, einem vollkommenen Frieden durch Verhandlungen mit Drogenbanden und Ex-Guerilleros, gilt als gescheitert. Auch, weil Kolumbien so viel Kokain produziert wie nie zuvor.

Derzeit liefern sich Petros Kandidat und dessen Gegner von der extremen Rechten, Abelardo de la Espriella, in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die nächste Präsidentschaft. Doch de la Espriella hat in diesem Wettstreit einen enormen Vorteil: Er bewundert Donald Trump.

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