Erstmals seit einem Jahr nennt der ukrainische Präsident eine Zahl getöteter Soldaten. Unabhängige Schätzungen fallen bis zu dreimal so hoch aus. Das Liveblog
Aktualisiert am 4. Februar 2026, 22:20 Uhr
Selenskyj beziffert Zahl getöteter ukrainischer Soldaten auf 55.000
Nach Angaben von Wolodymyr Selenskyj sollen seit Kriegsbeginn 55.000 ukrainische Soldaten getötet worden sein. Das sei die Zahl bestätigter Todesfälle, sagte der ukrainische Präsident französischen Medien. Viele weitere Soldaten gelten demnach als vermisst.
Im vergangenen Februar hatte Selenskyj von 46.000 getöteten Soldaten und Gesamtverlusten inklusive Verwundeter von mehr als 400.000 gesprochen. Vor allem die erstere Zahl galt schon damals als deutlich untertrieben.
Zudem würde seine heutige Aussage bedeuten, das innerhalb eines Jahres etwa 9.000 ukrainische Soldaten getötet worden sein sollen. Zum Vergleich: In dieser Zeit sind laut Zählungen des russischen Portals Mediazona und des britischen Senders BBC mehr als 70.000 russische Soldaten getötet worden. Vor diesem Hintergrund wirkt die von Selenskyj genannte Zahl unrealistisch.
Die Verluste Russlands gibt die Ukraine mit 1,24 Millionen Soldaten an und unterscheidet dabei nicht zwischen Getöteten und Verletzten. Schätzungen von Nato-Ländern bewegen sich in einem ähnlichen Bereich; zweifelsfrei bestätigt sind mehr als 168.000 namentlich bekannte Tote auf russischer Seite. Beobachter gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Russland nennt grundsätzlich keine Zahlen zu eigenen Verlusten.
Der US-Thinktank CSIS schätzte vor wenigen Tagen die Zahl getöteter russischer Soldaten auf etwa 300.000; auf ukrainischer Seite sollen demnach zwischen 100.000 und 140.000 Soldaten getötet worden sein. Das anonyme Projekt UALosses, das namentlich bekannte Todes- und Vermisstenfälle dokumentiert, kommt auf mehr als 90.000 tote ukrainische Soldaten und nahezu ebenso viele Vermisste.
Selenskyj erwartet baldigen Austausch von Kriegsgefangenen
Der ukrainische Präsident geht davon aus, dass Russland und die Ukraine in Kürze einen weiteren Austausch von Kriegsgefangenen vornehmen. Das sagte Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache, nachdem er nach eigenen Angaben einen Bericht von der ukrainischen Verhandlungsdelegation in Abu Dhabi über die Gespräche mit Vertretern Russlands erhalten hatte.
Russland äußerte sich bislang nicht zu einem möglichen Gefangenenaustausch. Seit Kriegsbeginn haben die beiden Länder in Dutzenden einzelnen Aktionen jeweils Tausende Gefangene ausgetauscht. Zu besonders umfangreichen Austauschaktionen kam es zuletzt im vergangenen Sommer nach Gesprächen von Vertretern beider Länder in Istanbul.
Gespräche in Abu Dhabi bis morgen unterbrochen
Der erste Gesprächstag der bis morgen angesetzten Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi ist vorbei. "Die Arbeit war substanziell und produktiv", schrieb der ukrainische Delegationsleiter Rustem Umjerow auf X. "Wir bereiten einen Bericht an Präsident Wolodymyr Selenskyj vor." Die Gespräche hätten sich auf "konkrete Schritte und praktische Lösungen" fokussiert.
Keine der beteiligten Parteien äußerte sich inhaltlich zum Verlauf der Gespräche. Russland hatte vorab angekündigt, den Inhalt der Verhandlungen nicht kommentieren zu wollen. Die Gespräche sollen morgen fortgesetzt werden. Es handelt sich um die zweite Runde des von den USA initiierten Prozesses. Das erste Treffen in dem Format fand vorletzte Woche, ebenfalls in Abu Dhabi, statt.
Yannick von Eisenhart Rothe

Sieben Tote bei Angriff in der Region Donezk
Bei russischen Angriffen auf die Stadt Druschkiwka in der ostukrainischen Region Donezk sind nach Angaben des Gouverneurs mindestens sieben Menschen getötet worden. Acht weitere seien verletzt worden, teilte Wadym Filaschkin auf Telegram mit. Die russischen Truppen hätten den Marktplatz der Stadt mit Streumunition beschossen und zwei Fliegerbomben abgeworfen.
Yannick von Eisenhart Rothe

EU-Kommission wirft Putin Missbrauch der Friedensgespräche vor
Der russische Präsident Wladimir Putin missbraucht nach Ansicht der EU-Kommission die laufenden Waffenstillstandsgespräche für Angriffe auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine. "Putin kann diesen Krieg sofort beenden", sagt eine Sprecherin der Kommission. Er zeige jedoch keinerlei Anzeichen dafür. Stattdessen nutze er sogar die Diskussionen über eine Feuerpause, um weiter zivile Ziele anzugreifen und unschuldige Menschen zu töten.
Yannick von Eisenhart Rothe

Militärische Fragen laut Ukraine im Fokus in Abu Dhabi
Die Runde der Friedensgespräche in Abu Dhabi konzentriert sich laut der ukrainischen Regierung auf militärische Fragen. Man wolle von der russischen Delegation Rückmeldungen zu Themen hören, die in früheren Gesprächen erörtert worden seien, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Heorhij Tychyj. Zudem wolle man verstehen, wozu Russland und die USA "wirklich bereit sind".

Zweite Runde von Ukrainegesprächen in Abu Dhabi begonnen
In Abu Dhabi ist die zweite Gesprächsrunde zwischen der Ukraine, Russland und den USA gestartet. Das teilte Rustem Umjerow, der Sekretär des nationalen Sicherheitsrates in Kyjiw, mit. Zunächst habe es ein trilaterales Treffen gegeben. Im Anschluss soll in Gruppen zu einzelnen Streitthemen beraten werden.
Die russische Regierung kündigte auch für die zweite Gesprächsrunde an, an ihren Forderungen festzuhalten. Russische Truppen würden so lange weiter in der Ukraine kämpfen, bis die Regierung in Kyjiw Entscheidungen zur Beendigung des Krieges treffe, teilte Wladimir Putins Sprecher, Dmitri Peskow, mit.
Yannick von Eisenhart Rothe

Rotes Kreuz warnt wegen Kälte vor Lebensgefahr in der Ukraine
Mit Blick auf die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur warnt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wegen der anhaltenden Kälte vor Lebensgefahr für Menschen in der Ukraine. "Das Leid der Menschen ist für uns schwer vorstellbar", sagte Christof Johnen, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit des DRK, der Augsburger Allgemeinen. Bei zweistelligen Minusgraden müssten viele Menschen seit Tagen ohne Heizung und Strom ums Überleben kämpfen.
Die Kälte könne für besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen wie kranke, ältere oder obdachlose Menschen lebensgefährlich werden, sagte Johnen. Insgesamt wachse in der Bevölkerung die Gefahr verschiedener Krankheiten durch die starke Belastung des Immunsystems. Das DRK habe seine Hilfe nochmals ausgebaut und bereits eine erste Lieferung von 18 Stromgeneratoren auf den Weg gebracht.
Russische Einheiten rücken in Donezk und Saporischschja vor
Russische Streitkräfte haben Gebiete an mehreren Frontabschnitten eingenommen. Das geht aus dem aktuellen Lagebild des Institute for the Study of War (ISW) hervor. Demnach nahmen russische Einheiten Gelände in der Region Donezk, bei Lyman und Pokrowsk und nahe der Stadt Huljajpole in der Region Saporischschja ein.
Mehr dazu lesen Sie hier:
Yannick von Eisenhart Rothe

Tote bei russischem Drohnenangriff in der Ukraine
In der Region Dnipropetrowsk sind bei einem russischen Drohnenangriff nach ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet worden. Es handele es sich um eine 68-jährige Frau und einen 38 Jahre alten Mann, teilte der Leiter der örtlichen Militärverwaltung bei Telegram mit.
Nach Angaben von Gouverneur Oleksandr Hanscha traf der Angriff die Gemeinde Wassylkiwka. Es seien Feuer ausgebrochen, ein Privathaus zerstört und drei weitere beschädigt worden. Daneben habe es mehrere Autos und eine Stromleitung getroffen. Auch die Stadt Nikopol und anliegende Gemeinden seien in der Nacht beschossen worden. Laut Hanscha wurden Infrastrukturobjekte und Stromleitungen beschädigt.
Vertreter Russlands und der Ukraine verhandeln erneut in Abu Dhabi
Unterhändler aus der Ukraine und aus Russland treffen sich heute wieder in Abu Dhabi, um über Möglichkeiten für ein Kriegsende zu sprechen. Beide Seiten wie auch die USA als Vermittler haben ein zweites Treffen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate bestätigt. Die russische Delegation ist bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingetroffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete.
Vorab warf die ukrainische Regierung der russischen Seite vor, gegen eine von den USA vermittelte Teilwaffenruhe verstoßen zu haben. Daher sei nun ein neuer Verhandlungsansatz nötig. US-Präsident Donald Trump sieht hingegen keinen Wortbruch von Russland.

Trump spricht Putin Anerkennung aus
Angesichts der erneuten russischen Angriffe auf die Ukraine hat US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Beendigung des Krieges aufgerufen. "Ich will, dass er den Krieg beendet", sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass Putin die einwöchige Feuerpause nicht verlängert habe, antwortete Trump: "Ich würde mir das von ihm wünschen."
Zugleich äußerte der US-Präsident sich anerkennend über Putin. Dieser habe "sein Wort gehalten", indem er die Angriffe auf Kyjiw und andere ukrainische Städte für den vereinbarten Zeitraum ausgesetzt habe. Eine Woche sei "viel", sagte Trump und fügte hinzu: "Wir nehmen alles, denn es ist dort wirklich sehr, sehr kalt."

CDU-Außenpolitiker sieht kein russisches Friedensinteresse
Vor den geplanten Gesprächen zwischen ukrainischen und russischen Unterhändlern in Abu Dhabi warnt der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt vor zu großen Erwartungen. Zweck der Verhandlungen sei für Russlands Staatschef Wladimir Putin ein Zeit- und Punktgewinn, sein Ziel bleibe die Unterwerfung der Ukraine und die Schwächung des freien Europas, sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Russland zeige durch seine bewussten Angriffe auf die Energieinfrastruktur Kyjiws, dass der es kein Interesse an Frieden habe, "sondern den kalten Winter nutzt, um die Moral des ukrainischen Volkes zu untergraben."
„"Die Erfahrung lehrt, dass hohe Erwartungen an Friedensverhandlungen mit Putin unangebracht sind."“
Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion
Heizkraftwerk in Kyjiw laut ukrainischem Energieminister stark beschädigt
Durch einen russischen Angriff über Nacht ist ein Energiekraftwerk im Osten von Kyjiw stark beschädigt worden. Das teilte der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal mit. Auf Telegram schrieb er, dass das Kraftwerk für Heizungen genutzt werde. Den russischen Angriff nannte er ein Kriegsverbrechen.
Örtliche Behörden versuchen nun, die Heizungen Tausender betroffener Anwohner wieder zu aktivieren. Schmyhal sagte, dass die Probleme des ukrainischen Energiesystems ernst seien und die Reparatur Zeit benötige.

Starmer telefoniert mit Trump zu Ukraine
Der britische Premierminister Keir Starmer hat mit US-Präsident Donald Trump telefoniert, um über die Lage in der Ukraine und die nächtlichen Angriffe durch Russland zu sprechen. Das bestätigte die britische Regierung. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

vor 3 Stunden
2





English (US) ·