Jeffrey Epstein: Keir Starmer verlangt Aussage von Ex-Prinz Andrew vor US-Kongress

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Großbritanniens Premierminister Keir Starmer hat sich nach der Veröffentlichung weiterer Akten über US-Milliardär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erstmals eindeutig für eine Aussage von Andrew Mountbatten-Windsor vor dem US-Kongress ausgesprochen.

Starmer beantwortete eine entsprechende Frage in Bezug auf den ehemaligen britischen Prinzen am Samstag mit Ja. »Ich habe immer gesagt, dass jeder, der über Informationen verfügt, darauf vorbereitet sein sollte, diese Informationen zu teilen, in welcher Form auch immer er darum gebeten wird«, sagte Starmer am Rande einer Reise nach Asien.

Dabei gehe es vor allem um die Opfer Epsteins, fügte Starmer hinzu. Der britische Regierungschef hatte sich bisher in Bezug auf Mountbatten-Windsor nicht in dieser Deutlichkeit geäußert. Im November hatte er noch gesagt, es sei die persönliche Entscheidung des Bruders von König Charles III., ob dieser aussagen wolle.

Der Ex-Prinz war mit der Veröffentlichung weiterer Akten am Freitag weiter in Bedrängnis geraten. Den Dokumenten zufolge schlug Epstein Mountbatten-Windsor 2010 ein Treffen mit einer Russin vor – kurz nachdem der Amerikaner eine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte.

Kurze Zeit später lud der damalige Prinz Epstein in den Buckingham-Palast ein. Ob das Treffen mit der Russin und der Besuch in dem Palast stattfanden, geht aus den Akten nicht hervor.

Am Samstag berichtete die BBC , dass eine weitere Frau behauptet, von Epstein für eine sexuelle Begegnung mit Mountbatten-Windsor nach Großbritannien geschickt worden zu sein. Die Begegnung soll 2010 in der Residenz des ehemaligen Prinzen, der Royal Lodge, stattgefunden haben. Die Frau, die keine Britin ist, war damals in ihren Zwanzigern. Dem Anwalt der Frau zufolge habe sie nach der Nacht mit Andrew unter anderem eine Führung durch den Buckingham Palace erhalten.

Es ist das erste Mal im Kontext des Falls Jeffrey Epstein, dass eine Person behauptet, dass es in einer königlichen Residenz zu einer sexuellen Begegnung gekommen sei. Der Anwalt sagte, er erwäge nun, im Namen der Frau eine Zivilklage gegen den ehemaligen Prinzen einzureichen.

Foto aus den Epstein-Akten

Foto aus den Epstein-Akten

Foto: DOJ / Jam Press / IMAGO

Unter den Dokumenten befinden sich auch Fotos, die Andrew zu zeigen scheinen, wie er über einer flach auf dem Boden ausgestreckten Frau positioniert ist. Auf einem Bild berührt der Mann offenbar den Bauch der Frau.

Andrew beteuerte stets, von den Machenschaften seines Freunds nichts mitbekommen zu haben. Dabei erhob eines der Epstein-Opfer, die inzwischen verstorbene US-Amerikanerin Virginia Giuffre, konkrete Vorwürfe gegen den jüngeren Bruder von König Charles III.

Giuffre warf Andrew vor, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben, unter anderem als Minderjährige im Jahr 2001 in London. Sie sei damals im Schlepptau Epsteins nach Großbritannien gebracht und zum Sex mit Andrew gezwungen worden, so der Vorwurf. Ein inzwischen berüchtigtes Foto zeigt die beiden angeblich im Londoner Haus von Epstein-Gehilfin Ghislaine Maxwell, wo der Missbrauch stattgefunden haben soll. Andrew stritt zwar alles ab, eine Zivilklage in den USA endete jedoch in einem angeblich millionenschweren Vergleich.

Andrew verlor im Laufe der Zeit durch die Vorwürfe sowohl seine Rolle als offizieller Vertreter des Königshauses als auch alle Ehren, militärische Ränge und Titel. Zuletzt wurde ihm von König Charles auch der durch Geburt erworbene Titel »Prinz» aberkannt.

Foto aus den Epstein-Akten

Foto aus den Epstein-Akten

Foto: DOJ / Jam Press / IMAGO

Das US-Justizministerium gab am Freitagabend mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten sowie Tausende Videos und Fotos frei. Die reine Nennung oder Abbildung in den Epstein-Akten ist kein Hinweis auf ein Fehlverhalten. Viele der bereits früher identifizierten Personen hatten eine Verstrickung in Epsteins kriminelle Machenschaften stets abgestritten.

Auch der Name Donald Trump taucht vielfach in den Dokumenten auf. Weitere prominente Namen in den Unterlagen sind Bill Gates, Elon Musk und der britische Milliardär Richard Branson. Verifizieren lassen sich viele der nun veröffentlichten Schriftwechsel nicht. Keiner der Genannten wurde bisher offiziell beschuldigt.

Epstein steht unter Verdacht, Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis.

2019 wurde Epstein unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat nach seiner Festnahme wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben beging er Suizid.

Erste Vorwürfe gegen den Multimillionär Jeffrey Epstein gab es bereits vor mehr als 20 Jahren. Lesen Sie hier eine Chronologie des Falls.

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