Amazon hat die US-Telekommunikationsbehörde FCC um eine Fristverlängerung für den Aufbau des eigenen Satellitennetzwerks Leo gebeten. Die im Juli 2020 erteilte Genehmigung des zuvor als Project Kuiper bekannten Satelliten-Internets verlangt, dass der Konzern 1618 Satelliten bis 30. Juli 2026 in den Orbit bringt. Doch bislang sind es erst 180 und Amazon gibt nun zu, die geforderte Anzahl bis Fristende nicht mehr zu schaffen. Deshalb hat das Unternehmen bei der FCC einen Aufschub von 24 Monaten beantragt.
Ende November 2025 ist der Satelliteninternetdienst Amazon Leo an den Start gegangen, bislang allerdings nur für einige Testkunden. Das sind Unternehmen, die auf zuverlässige Konnektivität angewiesen sind. Dazu gehören Firmen aus dem Energiesektor, der Fertigung, Medien und Transport. Eine „breitere kommerzielle Einführung“ ist für dieses Jahr geplant. Zunächst soll der Dienst in fünf Ländern angeboten werden: in den USA sowie in Frankreich, Großbritannien, Kanada und Deutschland, wo die Starlink-Alternative Amazons Anfang 2026 verfügbar sein soll.
Nächster Raketenstart: Mitte Februar
Das will Amazon mit deutlich weniger Satelliten ermöglichen als ursprünglich geplant. Zwar hat Amazon gerade angekündigt, Mitte Februar 32 weitere Satelliten für Leo mithilfe von Arianespace in die Erdumlaufbahn zu bringen. Doch damit erhöht sich die Gesamtzahl auf lediglich 212. Bei der FCC (Federal Communications Commission) hatte Amazon für das Projekt insgesamt 3236 Satelliten beantragt, die bis 2029 im All sein sollen. Die FCC hatte für die Genehmigung verlangt, dass die Hälfte davon bis Ende Juli 2026 im Orbit ist.
Das schafft Amazon nicht und begründet dies mit Verzögerungen bei Raketenstarts, schwierigen Wetterbedingungen, technischen Problemen und der Bevorzugung von Regierungsaufträgen durch die Raketenbetreiber. Deshalb konnte Amazon nach eigenen Angaben 2025 auch nur 7 der mehr als 20 geplanten Raketenstarts durchführen, wie aus dem von Geekwire veröffentlichten Antrag auf Fristverlängerung (PDF) hervorgeht. Amazon sieht sich aber in der Lage, bis 30. Juli 2026 rund 700 der geforderten 1618 Satelliten im Orbit zu haben.
Investitionen in Produktion und Raketenstarts
Zudem habe sich Amazon "weit mehr Starttermine als nötig" gesichert, um das Ziel der vollständigen Satellitenkonstellation im Jahr 2029 zu erreichen – sollten keine weiteren Verzögerungen oder andere Probleme auftreten. Der Konzern weist im FCC-Antrag auch darauf hin, dass Amazon über 500 Millionen US-Dollar in die Satellitenproduktion investiert hat und mehr als 1500 Vollzeitmitarbeiter beschäftigt werden, die 30 Satelliten pro Woche fertigen. Damit können mehr als 1500 Satelliten pro Jahr hergestellt werden.
Um die Satelliten ins All zu bringen, hat Amazon nach eigenen Angaben 102 Raketenstarts mit vier verschiedenen Anbietern vertraglich vereinbart: 18 mit der Ariane 6 von Arianespace, 24 mit der New Glenn von Blue Origin, 38 mit der Vulcan Centaur der ULA (United Launch Alliance), 9 mit der Atlas V der ULA und 13 mit der Falcon 9 von SpaceX. Damit plant Amazon sicherzustellen, bis Ende Juli 2028 mindestens 1618 und im Jahr darauf alle 3236 Satelliten für Internetzugänge im Orbit zu haben.
(fds)








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