Fifa-Chef Gianni Infantino will Russland wieder zu Wettbewerben zulassen. Ukrainische Politiker kritisieren das heftig, unter anderem als verantwortungslos und infantil.
3. Februar 2026, 13:11 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, SID, Reuters, sko
Die Ukraine hat Fifa-Präsident Gianni Infantino für dessen Aussagen zu einer möglichen Rückkehr russischer Mannschaften zu Fußballwettbewerben des Weltverbandes kritisiert. Die Äußerungen seien moralisch nicht vertretbar und verantwortungslos, teilten ukrainische Minister mit. Russland begrüßte dagegen den Vorstoß zu seinen Gunsten.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verwies auf den völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der immer noch täglich Tote fordert. "679 ukrainische Mädchen und Jungen werden nie Fußball spielen können – Russland hat sie getötet", schrieb er. "Und es tötet weiter, während moralische Degenerierte vorschlagen, die Sanktionen aufzuheben, obwohl Russland seinen Krieg nicht beendet hat." Künftige Generationen würden dies als eine Schande betrachten, die an die Olympischen Spiele 1936 erinnere.
Auch der ukrainische Sportminister Matwij Bidny kritisierte den Fifa-Präsidenten. "Gianni Infantinos Worte klingen verantwortungslos – um nicht zu sagen infantil", schrieb Bidny. "Sie lösen den Fußball von der Realität, dass Kinder getötet werden." Solange Russen weiterhin Ukrainer töte und den Sport politisiere, hätten ihre Flagge und nationalen Symbole keinen Platz unter Menschen, die Werte wie Gerechtigkeit, Integrität und Fairplay respektierten.
Auch der ukrainische Fußballverband rief die Fifa und ihren Präsidenten dazu auf, "die Haltung zum Ausschluss der Russen nicht zu ändern", solange der Krieg gegen die Ukraine andauere. "Wir widersprechen der Behauptung, dass ein Verbot gegen den Aggressor nicht wirkt. Wir sind der Ansicht, dass der Ausschluss von der Teilnahme an Wettbewerben ein wirksames Druckmittel gegen den Aggressor ist." Ein Ende der Sperre gefährde die Sicherheit und Integrität des Wettbewerbs.
Russland freut sich
Infantino hatte sich zuletzt offen für eine Aufhebung der Sperre russischer Mannschaften bei seinen Wettbewerben gezeigt. "Das müssen wir", sagte er dem Sender Sky auf die Frage, ob eine Rückkehr Russlands geprüft werden müsse: "Auf jeden Fall – zumindest im Jugendbereich." Das Verbot habe nichts gebracht, sondern Frustration hervorgerufen. Dagegen würde es helfen, "wenn Mädchen und Jungen aus Russland in anderen Teilen Europas Fußball spielen könnten".
Kurz nach Russlands Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hatten die Fifa und die Europäische Fußball-Union (Uefa) ihre Wettbewerbe für russische Teilnehmer gesperrt.
Russland dagegen zeigte sich erfreut über Infantinos Vorstoß. "Wir haben diese Erklärungen gesehen und begrüßen sie", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Das ist etwas, worüber man schon vor langer Zeit hätte nachdenken sollen." Der russische Fußballverband schrieb, dass er die "Position von Herrn Infantino voll und ganz" unterstütze.
Im Dezember 2025 hatte die Fifa mitgeteilt, dass russische Teams wieder an U15-Turnieren teilnehmen dürften. Der Weltverband folgte dabei der Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das sich kurz zuvor für eine "uneingeschränkte" Rückkehr Russlands bei internationalen Jugendwettbewerben starkgemacht hatte.
Infantino steht seit Längerem unter anderem wegen seiner Nähe zu umstrittenen Machthabern in der Kritik. Zuletzt hatte die britische Menschenrechtsorganisation FairSquare bei der Ethikkommission der Fifa Beschwerde gegen Infantino wegen dessen Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump eingelegt.

vor 15 Stunden
1







English (US) ·