Der Gründer des US-Nachrichtensenders CNN, Ted Turner, ist am Mittwoch im Alter von 87 Jahren gestorben. Das teilten sein Unternehmen Turner Enterprises und der Sender CNN mit.
Turner habe als „Pionier des Kabelfernsehens“ mit Nachrichten rund um die Uhr „die Fernsehberichterstattung revolutioniert“. Seine „kühne Vision, rund um die Uhr Nachrichten aus aller Welt in Echtzeit zu übertragen“, habe ihn, sobald die Idee Fuß gefasst habe, berühmt gemacht, schreibt CNN.
Kaum ein Medienunternehmer hat eine schillerndere Karriere hingelegt als der Mann, dessen Spitznamen unter anderem „Captain Outrageous“ und „The Mouth of the South“ lauteten. Während er mit seinen Sticheleien für Unterhaltung oder Empörung sorgte – und so vor dem Internetzeitalter für Gossip sorgte –, gründete er Kabelfernsehsender wie Cartoon Network, TBS und Turner Classic Movies und dann im Jahr 1980 CNN, den weltweit ersten 24-Stunden-Nachrichtensender; er kaufte das Baseballteam Atlanta Braves und das Basketballteam Atlanta Hawks; heiratete den Hollywoodstar Jane Fonda und ließ sich wieder von ihr scheiden. Er gewann öfter als jeder andere die Auszeichnung „Segler des Jahres“ und fungierte 1977 als Skipper bei der erfolgreichen Verteidigung des America’s Cup.
Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er zu einem der größten privaten Landbesitzer der USA mit einem geschätzten Besitz von 2 Millionen Acres (etwa 809.000 Hektar) in acht Bundesstaaten – dazu kamen mehr als 45.000 Bisons. Als Philanthrop versprach er den Vereinten Nationen 1997 eine Spende von einer Milliarde Dollar. „Wenn ich nur ein bisschen Demut hätte, wäre ich perfekt“, sagte er. Dave Bristol, ein ehemaliger Manager von Turners Braves, sagte zu einem Turner-Biografen: „Er brennt einfach mit einem anderen Treibstoff als wir anderen.“
Der Verkauf an Time Warner markierte das Ende
Der Verkauf, der der krönende Abschluss von Turners Unternehmenskarriere sein sollte – die Übernahme seiner Turner Broadcasting System Inc. durch Time Warner im Jahr 1996 für 8 Milliarden Dollar – kostete ihn letztendlich die Kontrolle über sein Imperium und später seinen eigenen Job. Time Warner wurde 2001 an America Online Inc. verkauft, und Turner wurde zum größten Einzelaktionär des neuen Unternehmens und zum stellvertretenden Vorsitzenden.
Als die Internetblase platzte und nur wenige der versprochenen Vorteile der fusionierten Unternehmen zum Tragen kamen, brach der Wert von Turners Beteiligungen um 7 Milliarden Dollar ein und vernichtete den Großteil seines Vermögens. Er kritisierte offen die Führungskräfte des Unternehmens, bevor er 2003 von seinem Posten zurücktrat, blieb aber bis 2006 als Vorstandsmitglied tätig, während er seine Anteile an Time Warner verkaufte. Im Jahr 2016 gab Time Warner den Verkauf des Medienimperiums bekannt, an dessen Aufbau er mitgewirkt hatte – einschließlich der Kabelkanäle CNN und TBS – an AT&T Inc. für 85,4 Milliarden Dollar.
CNN wurde zu einem häufigen Angriffsziel von Donald Trump, der den Sender als „Fake News“ verspottet. Die Branche, deren Wegebereiter Turner war, geriet zunehmend unter Druck, da viele Verbraucher in den USA ihre Kabelfernseh-Abos aufgaben und zu Netflix oder Amazon abwanderten. Das geschätzte Vermögen von Ted Turner belief sich laut Forbes auf 2,8 Milliarden Dollar.
Turner sei, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg, aufgeblüht, wenn er Risiken eingegangen sei, persönliche und auch finanzielle. Er sei ein „Magnet“ für das andere Geschlecht gewesen und seine mangelnde Zurückhaltung habe ihn häufig ins Straucheln gebracht. Er habe seine außerehelichen Affären während seiner ersten beiden Ehen kaum verborgen, als „kompromissloser Konkurrent“ habe er seine Rolle als Außenseiter genossen, als Südstaatler in einer von New York und Los Angeles dominierten Branche zu reüssieren. Er habe keine Mühen gescheut, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Bisweilen sei er unsensibel und taktlos gewesen. So habe er Abtreibungsgegner einmal als „Clowns“ bezeichnet und Katholiken, die den Aschermittwoch begingen, als „Jesus-Freaks“. Später entschuldigte er sich für diese Äußerungen. „Es ist, als würde ein Kind sprechen, ohne jegliche gesellschaftliche Hemmungen“, zitiert Bloomberg Gerald Levin, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von AOL Time Warner, aus einem Gespräch mit dem „New Yorker“-Autor Ken Auletta.

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