Habermas-Gedenken: Wer darf über Habermas sprechen, wer nicht?

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Ein Gedenken wirft seine Schatten voraus. Soll man sagen: klammheimlich? Dem verstorbenen, weltweit nachgerufenen Jürgen Habermas soll im Juni eine Frankfurter Konferenz gewidmet werden, ausgerichtet von den Habermas-Playern Stadt, Universität und Suhrkamp Verlag. Ein großes Ding, um das es gerade ein nicht weniger großes Geraune zu der Frage gibt, wer denn nun die Gestalten sein werden, die aus dem Schatten der Vorbereitungen heraustreten werden. Wer wird sprechen dürfen in Frankfurt und wer nicht? Wo sind die zwanglos zwingenden Argumente zu besichtigen, mit denen sich die Federführenden einer derart offiziellen Veranstaltung selbst ausrufen, Vortragende als gesetzt behandeln, andere gar nicht erst in Erwägung ziehen?

Empfindliche Sachwalter des Habermas-Erbes

Die Frage nach Deutungshoheiten ist die bestimmende und gleichzeitig jene, die nicht ausgesprochen werden soll, weil sie sich performativ von selbst zu beantworten hat. Umso empfindlicher reagiert das Feld von anerkannten oder auch nur selbst ernannten Sachwaltern des Habermas-Erbes, von kritischen Theoretikern mit oder ohne bedeutendem Namen. Dort will man wissen: Bin ich es, der da reden soll? Oder wird etwa sie es sein, er es sein, jemand anders also, auf den es dann in verschatteter Dezision zuläuft?

Aber nicht nur Eitelkeiten sind im Spiel, wenn es faktisch doch auch um Weichenstellungen der Rezeption geht. Wer spricht etwa zu der jüngst wieder aufgeworfenen Frage, ob Habermas die Kritische Theorie nun weiterentwickelt oder abgewickelt hat? In Frankfurt könnte im Gegenüber von Adorno und Habermas klargestellt werden, dass sich geistige Nachfolge nicht nach Art einer Unternehmensnachfolge denken lässt, bei der Vermögenswerte verkauft, Schulden beglichen und eine Löschung im Handelsregister erfolgt.

Dass es um produktive Differenzen zwischen den Generationen der Frankfurter Schule geht, nicht um eine Quasi-Konfessionalisierung ihrer Gehalte mit nachfolgender Exkommunikation von Abweichlern. Aber noch sollen Namen nicht nach außen dringen, versteht man die Pressestelle des Suhrkamp Verlags letzte Woche recht: „Gerade planen sie noch, die Stadt und die Uni – und wir mittendrin. Alsbald sollte man aber Genaueres wissen.“

Dezisionistische Restprobleme hat Habermas der kommunikativen Vernunft immer zugestanden, die er ohnehin im Modus der Idealisierung verstanden wissen wollte, getrost auch kontrafaktisch. Warum sollte zu seinem Gedenken momentan nicht einfach mal ein Ding durchgezogen werden? Im diskursiven Dunkelfeld, sei’s drum?

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