Faszinierende Einblicke in die Wiener Kunstszene der frühen Nachkriegszeit eröffnen knapp fünfzig Zeichnungen des im Dezember 2025 verstorbenen österreichischen Malers Arnulf Rainer, die am 5. Juni bei Bassenge in Berlin zum Aufruf kommen. Entstanden sind sie Ende der Vierzigerjahre, bevor Rainer mit ikonoklastischen Übermalungen von Kunstwerken anderer die Ausdrucksform fand, die ihn berühmt machen sollte.
Offenbar nie komplett ausgestellt, verblüffen die zur Auktion kommenden Porträts, Akte, Veduten und surreal inspirierten Arrangements durch ihre virtuose Technik und den motivischen Einfallsreichtum. Ein Hochformat zeigt die Malerin Maria Lassnig, die mit Rainer eine kurze, aber intensive Liebes- und Arbeitsbeziehung führte, aus der sich ein lebenslanges Konkurrenzverhältnis entwickelte. Von wilder Haarpracht gekrönt, erscheint die Partnerin in nachdenklicher Pose (Taxe 16.000 Euro). Die Bleistiftzeichnung „Frohe Weihnachten“ könnte ebenfalls die Künstlerin zeigen (6000). Für die Auseinandersetzung Rainers mit Albert Camus’ 1947 erschienenem Roman „Die Pest“ stehen die Darstellung von dessen Hauptfigur Dr. Rieux (9000) und ein abstrakter Umschlagentwurf für das Buch (6000).
Was Ernst Fuchs im Atelier fand
Allen bei Bassenge angebotenen Blättern aufgedrückt ist der Nachlassstempel „Ernst Fuchs“, mit dem sich der 2015 gestorbene Wiener Malerfürst als Eigentümer der Zeichnungen zu legitimieren suchte: Er hatte Rainer und Lassnig sein Atelier in Wien überlassen und fand es an einem Wintertag 1949 verlassen vor. Die herumliegenden Zeichnungen nahm er an sich. Das Künstlerpaar war Richtung Paris weitergezogen. Insgesamt sollen die „Geretteten Werke aus der Haasgasse 10“ 246.700 Euro erlösen.

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