New York City: Zohran Mamdani – der Bürgermeister und die teuren Gratisbusse

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 Die Kampagne zog

Busfahrer Mamdani im Wahlkampf 2025: Die Kampagne zog

Foto: Kylie Cooper / REUTERS

Verkehr in New York City Die teuren Gratisbusse des Zohran Mamdani

New Yorks neuer Bürgermeister will den Verkehr in der verstauten Metropole revolutionieren: mit kostenlosen Linienbussen. Doch Zweifel an der Vision wachsen.

Aus Brooklyn berichtet Claus Hecking

26.05.2026, 07.46 Uhr

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Die Busse, die New Yorks neuer Bürgermeister schnell und kostenlos machen will, stecken an diesem Donnerstagmorgen im Stau. Und dafür ist Zohran Mamdani selbst verantwortlich.

Es ist halb neun. Entlang der Flatbush Avenue im Stadtbezirk Brooklyn reihen sich Wagen der Linien 41 und 67, Lieferautos, Taxis und Pkw zwischen orangefarbenen Leitkegeln aneinander auf der einzigen nicht gesperrten Spur in Richtung Manhattan.

Auf der Baustelle daneben kreischt es ohrenbetäubend. Ein Arbeiter öffnet mit einer Schneidemaschine den Asphalt. Er und sein Team sollen neue Busspuren auf einer der zentralen Verkehrsarterien New Yorks bauen, die Manhattan, Brooklyn und die Jamaica Bay verbindet. Das bringt den Verkehr zunächst weitgehend zum Erliegen.

 Die Busse sollen eigene Fahrbahnen bekommen, auf Kosten des Autoverkehrs

Arbeiter auf der Flatbush Avenue: Die Busse sollen eigene Fahrbahnen bekommen, auf Kosten des Autoverkehrs

Foto: Claus Hecking / DER SPIEGEL

Die Flatbush Avenue soll zur ersten Paradestraße in Mamdanis Paradeprojekt werden: der Neugestaltung des Verkehrs in New York City. Mit weniger Autos, mehr Fahrrädern und vor allem attraktiverem, teils kostenlosem öffentlichem Nahverkehr. Das notorisch verstaute New York soll ein globaler Vorreiter der urbanen Mobilität werden, so Mamdanis Vision.

»Fast and Free Buses«, »schnelle und kostenlose Busse« – so lautete der vielskandierte Wahlkampfslogan des Demokratischen Sozialisten in der Zentrale des Kapitalismus.

Er zog. Die New Yorkerinnen und New Yorker wählten den 34 Jahre jungen Außenseiter zum Bürgermeister ihrer Metropole. Gerade in sozial schwachen Stadtgebieten, wo Menschen besonders auf Busse angewiesen sind, holte Mamdani viele Stimmen. Entlang der Flatbush Avenue waren es teils über 80 Prozent.

Vertrauter des Bürgermeisters zweifelt an dessen Plänen

New York wäre die erste Weltmetropole mit einem zumindest in Teilen kostenfreien ÖPNV. Den bieten bislang nur kleinere Staaten wie Malta oder Luxemburg oder einzelne Regionen an, etwa in Frankreich.

Jetzt aber muss Mamdani erst mal liefern. Den Verkehr in New York City revolutionieren. Gelingt ihm das mit schnellen Gratisbussen?

Daran wachsen Zweifel – selbst bei Experten, die ihm nahestehen. Wie bei Eric Goldwyn, Direktor für Verkehr und Landnutzung am Marron Institute der New York University. Ihn holte Mamdani nach seinem Wahlsieg in sein Übergangsteam.

»Wenn Sie Menschen schnell von einem Ort zum anderen befördern wollen, geht das am besten mit der U-Bahn«, sagt Goldwyn dem SPIEGEL. »Doch wenn Sie Busse kostenlos machen, erreichen Sie das Gegenteil. Sie ermutigen ärmere Menschen, statt der U-Bahn den Bus zu nehmen. Das bedeutet: mehr Busse, mehr Verkehr.«

Gouverneurin Kathy Hochul ist skeptisch

Die Steuerzahler würde das Gratisfahren teuer zu stehen kommen: geschätzt etwa eine Milliarde Dollar (860 Millionen Euro) pro Jahr. Schon jetzt sagt New Yorks oberster Rechnungsprüfer Mark Levine der Stadt für die kommenden Jahre Haushaltslöcher in Milliardenhöhe voraus.

Zudem kann der Bürgermeister den Nulltarif nicht im Alleingang anordnen. Die Busse werden von der Metropolitan Transportation Authority (MTA) betrieben, bei der der Bundesstaat New York weitgehend das Sagen hat. Dessen Gouverneurin Kathy Hochul ist skeptisch, nach durchwachsenen Erfahrungen der MTA mit einem Pilotprojekt.

Im Sommer 2023 kündigte Hochul an, den Busverkehr auf fünf Linien in New York testweise kostenlos zu machen – nach einer langen Kampagne des damaligen Abgeordneten Mamdani und dessen Verbündeten.

Durchschnittsgeschwindigkeit: unter 7 Kilometer pro Stunde

Die Zahl der Einzelfahrten in den Gratisbussen stieg in dem elfmonatigen Test um mehr als 30 Prozent. Allerdings kamen nur zwölf Prozent der Passagiere neu dazu, die vorher andere Verkehrsmittel genutzt hatten. Und die Busse wurden im Schnitt gut zwei Prozent langsamer.

Mamdani hält trotz alldem an seinem Plan fest. »Ich setze mich voll und ganz dafür ein, Busse schnell und kostenlos zu machen«, sagte er kürzlich in einem Interview mit dem Portal »Politico«. Zuerst versucht er nun, den Busverkehr zu beschleunigen – an Nadelöhren wie der notorisch verstopften Flatbush Avenue. Über die kriechen städtische Busse laut Messungen der Transportbehörde bislang mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 7 Kilometer pro Stunde.

In der Mitte der Avenue sollen die Bauarbeiter zwei exklusive Spuren für den Linienverkehr schaffen. Plus sechs Haltestelleninseln, an denen Fahrgäste ein- und aussteigen sollen. Verkehrsforscher Goldwyn ist überzeugt: Derlei Extrafahrbahnen können die Busse schneller machen – und den Autoverkehr im Gegenzug noch langsamer. Viele Experten halten die zwei Millionen Pkw, die in New York City registriert sind, für die Wurzel des Übels.

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