Seit Beginn der russischen Vollinvasion hat die Zahl der Frauen in der ukrainischen Armee stark zugenommen. Über 75.000 Frauen dienen heute freiwillig in den Streitkräften. Die Wehrpflicht gilt für sie nicht. Die Dramatikerin Alina Sarnatska aus Kyjiw war mehr als zwei Jahre lang eine von ihnen. Die Veteranin spricht darüber, ob der Krieg die Geschlechterverhältnisse verändert.
DIE ZEIT: Sie sind Veteranin und Dramatikerin. Was kam zuerst: die Armee oder das Schreiben?
Alina Sarnatska: Ich habe mit dem Schreiben angefangen, weil mein Leben davon abhing. Als am 24. Februar 2022 die russische Vollinvasion begann, habe ich einige Tage in Kyjiw in einer U-Bahnstation Schutz gesucht. Da habe ich beschlossen, mich freiwillig zum Militärdienst zu melden. Elf Tage später bin ich einem Bataillon der Territorialverteidigung beigetreten. Am Anfang des Krieges hatten wir fast keine Waffen und kein Geld. Ich wusste, dass jetzt alle das tun müssen, was sie am besten können – und ich kann schreiben. Seit meiner Kindheit wollte ich Bücher schreiben, habe aber nicht an mich geglaubt. Jetzt musste ich also schnell in den sozialen Medien Reichweite bekommen, um damit alles Mögliche auftreiben zu können: Erste-Hilfe-Sets, Tourniquets, Geld, Freiwillige.

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