Ex-Wirtschaftsminister: Mandelson tritt wegen Epstein-Akten aus britischem Oberhaus zurück

vor 11 Stunden 1

Die Polizei ermittelt gegen den früheren britischen Wirtschaftsminister Mandelson wegen Verbindungen zu Epstein. Mandelson erklärte seinen Rücktritt aus dem Oberhaus.

Aktualisiert am 3. Februar 2026, 17:21 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AP, dpa,

 Peter Mandelson hat seinen Rücktritt aus dem britischen Oberhaus erklärt.
Peter Mandelson hat seinen Rücktritt aus dem britischen Oberhaus erklärt. © Jaimi Joy/​Reuters

Der frühere britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson hat wegen seiner Verbindungen zum verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seinen Rücktritt aus dem Oberhaus erklärt. Der Schritt werde am Mittwoch wirksam, teilte der Oberhausvorsitzende Michael Bruce Forsyth mit. Zuvor hatte die britische Regierung erklärt, sie habe der Polizei Unterlagen zu den Ermittlungen gegen Mandelson übermittelt.

Mandelson wird vorgeworfen, sensible Regierungsinformationen an Epstein weitergegeben zu haben. Die Polizei prüft derzeit, ob sie gegen den früheren Wirtschaftsminister ein Strafverfahren einleitet.

Premierminister Keir Starmer sagte während einer Kabinettssitzung, er sei entsetzt über die Enthüllungen in den neu freigegebenen Epstein-Akten und befürchte, dass noch weitere Details ans Licht kommen könnten. Seine Regierung arbeitet an einem Gesetz, mit dem Mandelson auch der Adelstitel aberkannt werden soll, der zu einer lebenslangen Mitgliedschaft im Oberhaus berechtigt.

Epstein-Geld an Lebensgefährten

Die Veröffentlichung von mehr als drei Millionen Dokumentenseiten aus den Ermittlungen gegen Epstein durch das US-Justizministerium hat brisante Enthüllungen über den 72-jährigen Mandelson zutage gefördert. Bankdokumente legen nahe, dass Epstein in den Jahren 2003 und 2004 drei Zahlungen in Höhe von insgesamt 75.000 Dollar (umgerechnet etwa 63.500 Euro) auf Konten überwies, die mit Mandelson oder dessen Lebensgefährten Reinaldo Avila da Silva in Verbindung standen. Mandelson gab an, sich nicht an den Erhalt des Geldes erinnern zu können, und erklärte, er wolle die Echtheit der Dokumente überprüfen lassen. Am Sonntag verließ er jedoch die Labour-Partei, die er über so viele Jahre prägte, um ihr, wie er sagte, weitere Peinlichkeiten zu ersparen. 

Starmers Sprecher Tom Wells sagte, die Regierung habe der Polizei ihre Einschätzung übermittelt, dass die Mandelson-Epstein-Dokumente "wahrscheinlich marktrelevante Informationen" über die Finanzkrise von 2008 und ihre Folgen enthielten, die nicht außerhalb der Regierung hätten weitergegeben werden dürfen. Mandelson hatte in Labour-Regierungen hohe Ämter inne und war bis zu seiner Entlassung im September – aufgrund seiner Verbindungen zu dem US-Finanzier – britischer Botschafter in Washington.

10.000 Pfund für Osteopathie-Kurs

Epstein entging 2008 einer Anklage vor einem Bundesgericht, indem er sich in Florida wegen Anstiftung und Vermittlung einer Minderjährigen zur Prostitution schuldig bekannte. Er wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. E-Mails und Textnachrichten belegen, dass Mandelsons Freundschaft mit Epstein auch nach dessen Verurteilung andauerte.

2009 überwies Epstein da Silva 10.000 Pfund (umgerechnet etwa 11.600 Euro) für einen Osteopathie-Kurs. Mandelson sagte dazu der Times of London: "Rückblickend war es eindeutig ein Fehler von Reinaldo, dieses Angebot anzunehmen." Ebenfalls 2009 soll Mandelson, damals Wirtschaftsminister im britischen Kabinett, Epstein zugesagt haben, sich bei anderen Regierungsmitgliedern für eine Senkung der Steuer auf Bonuszahlungen an Bankmanager einzusetzen.

Im selben Jahr schickte Mandelson Epstein einen internen Regierungsbericht, in dem Möglichkeiten zur Geldbeschaffung Großbritanniens nach der globalen Finanzkrise von 2008 erörtert wurden, unter anderem durch den Verkauf von Staatsvermögen. Mandelson schrieb dazu: "Interessante Notiz, die an den Premierminister ging."

Im Jahr 2010 schrieb Mandelson Epstein, er habe erfahren, dass ein 500 Milliarden Euro schweres Rettungspaket fast besiegelt sei. An dem Tag verkündeten die Regierungen der Eurozone tatsächlich ein 500-Milliarden-Euro-Abkommen zur Stützung ihrer Gemeinschaftswährung.

Gesamten Artikel lesen