Elektroautos: Tesla verkauft im ersten Quartal 13 Prozent weniger Fahrzeuge

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Die Auslieferungen von Tesla sind im vergangenen Quartal nach einem Modellwechsel und Kontroversen um Firmenchef Elon Musk im Jahresvergleich um rund 13 Prozent gefallen. Die Elektroauto-Marke von Tech-Milliardär Elon Musk brachte zwischen Januar und Ende März 336.681 Fahrzeuge zu den Kunden. Das ist deutlich schlechter als von Analysten erwartet. Die Tesla-Aktie fiel im vorbörslichen US-Handel um mehr als vier Prozent.

Die schwachen Zahlen hatten sich bereits abgezeichnet. So fielen die Neuzulassungen in der EU in den ersten beiden Monaten im Jahresvergleich um 49 Prozent auf gut 19.000 Teslas. In Deutschland waren die Neuzulassungen im Februar auf nur noch 1429 von 6038 Fahrzeugen ein Jahr zuvor gesunken. In China gab es im März nach vorläufigen Zahlen ein Minus von mehr als elf Prozent. Tesla macht keine Angaben zu Ergebnissen in einzelnen Regionen.

Wie stark einzelne Gründe zu dem Rückgang beitrugen, ist schwer festzumachen. Ein Faktor dürfte der Umstieg auf eine erneuerte Generation des Bestsellers Model Y sein, 2023 das meistverkaufte Auto (nicht nur Elektroauto) weltweit. Dazu rüstete Tesla Anfang des Jahres die Fließbänder um, die die Fertigung pausierte für einige Wochen. Zugleich sank der Anreiz, sich noch ein Fahrzeug der auslaufenden Y-Variante zu kaufen. Es könne noch zwei Quartale dauern, bis dieser Effekt vorüber sei, schätzt Bryn Talkington von Requisite Capital Management. Tesla verkaufte im vergangenen Quartal mit 362.615 Autos aller Modelle zwar gut 16 Prozent weniger Wagen als ein Jahr zuvor. Das Model Y ist allerdings mit weitem Abstand das meistverkaufte Auto aus der Modellpalette.

In den vergangenen Monaten wurde die Kritik an der politischen Rolle und den Ansichten von Musk immer lauter. Es gab Boykottaufrufe und erst am vergangenen Wochenende Protestaktionen an Tesla-Standorten in verschiedenen Ländern. Der Tech-Milliardär wurde im vergangenen Jahr zu einem engen Verbündeten von Donald Trump, dem er mehr als 250 Millionen Dollar für den Wahlkampf ums Weiße Haus spendete. Als Präsident beauftragte Trump ihn mit der Senkung der Regierungsausgaben. In dieser Rolle löste Musk zahlreiche Kontroversen aus.

Musk galt über Jahre als wichtigste treibende Kraft für Teslas Erfolg. Doch werden seine politischen Aktionen nun zu einer Belastung für den E-Auto-Hersteller? Bei Demonstrationen werden Teslas als "Nazi-Autos" ("Swasticars", zu Deutsch etwa "Hakenkreuzer") beschimpft. Fahrzeuge wurden an Tesla-Auslieferungszentren angezündet und mit Parolen beschmiert.

Die US-Regierung stärkt Musk demonstrativ den Rücken. US-Justizministerin Pam Bondi drohte, Vandalismus gegen Tesla als inländischen Terrorismus einzustufen. Handelsminister Howard Lutnick rief dazu auf, Tesla-Aktien zu kaufen. Trump selbst ließ mehrere Teslas vor dem Weißen Haus auffahren und suchte sich davon ein rotes Model S zum Kauf aus. "Ich liebe Tesla!", verkündete der US-Präsident in einer ungewöhnlichen Werbeaktion.

Selbst beim Musk und Tesla wohlgesonnenen Branchenanalysten Dan Ives klingeln die Alarmglocken. Jetzt sei ein "Moment der Wahrheit" für Musk, sagte der Experte der Investmentfirma Wedbush jüngst im US-Wirtschaftssender CNBC. Musk müsse seine Kostensenker-Rolle und den Job als Tesla-Chef ins Gleichgewicht bringen – und dafür vielleicht im Weißen Haus etwas kürzertreten, legte ihm Ives nahe.

Derweil bekommen Teslas Fahrzeuge immer mehr Konkurrenz – insbesondere im wichtigen chinesischen Markt. Musk hält dagegen, dass autonomes Fahren und humanoide Roboter Tesla zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt machen würden. Doch die Firma blieb bisher den Beweis schuldig, dass sie ohne menschliches Eingreifen verlässlich fahrende Autos bauen kann.

Die Kontroversen und die Zweifel an den Geschäftsaussichten nagen auch an dem Grundstein von Musks Einfluss: dem Tesla-Aktienkurs. Es ist vor allem seine Beteiligung an dem Elektroautobauer, die ihn zum mit Abstand vermögendsten Menschen der Welt macht – jedenfalls auf dem Papier. Nach Trumps Wahlsieg im November hatte sich der Tesla-Kurs zeitweise verdoppelt. Jetzt notiert die Aktie wieder auf dem Niveau von Oktober.

(fpi)

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